Im Gespräch
Thomas A. Müller, Präsident des Verwaltungsrats Raiffeisen Schweiz, und Gabriel Brenna, Vorsitzender der Geschäftsleitung Raiffeisen Schweiz, erklären, was für sie Raiffeisen ausmacht und wo ihre Prioritäten liegen.
Raiffeisen ist im Markt sehr gut positioniert
links: Thomas A. Müller, Präsident des Verwaltungsrats Raiffeisen Schweiz, rechts: Dr. Gabriel Brenna, Vorsitzender der Geschäftsleitung Raiffeisen Schweiz
Das Jahr 2025 war ein besonderes Jahr, denn die Raiffeisen Gruppe feierte ihr 125-jähriges Bestehen. Können Sie uns einen kurzen Rückblick geben?
Thomas A. Müller: Im Jubiläumsjahr machte Raiffeisen ihr Engagement auf vielfältige Weise sichtbar. Die Raiffeisenbanken haben zahlreiche grosse und kleine lokale Projekte unterstützt. Sie betonten damit die enge Verbindung zu ihren Regionen. Darüber hinaus wurden Feierlichkeiten für die Mitglieder gestaltet und gemeinsame Erlebnisse geschaffen. Die Breite der Initiativen zeigt, wie tief das Engagement für die Gesellschaft innerhalb der Raiffeisen Gruppe verankert ist. Und nicht zuletzt kamen unsere Mitglieder mit «125 Jahre – 125 Erlebnisse» schweizweit in den Genuss von besonderen Jubiläumsvorteilen.
Gabriel Brenna, Sie sind seit dem 1. Dezember 2025 im Amt als Vorsitzender der Geschäftsleitung von Raiffeisen Schweiz. Was ist Ihr Eindruck von Raiffeisen?
Gabriel Brenna: Ich wurde bei Raiffeisen sehr herzlich und offen empfangen. Die ersten Monate war ich viel unterwegs und habe Raiffeisenbanken in allen Regionen besucht, um ihre Bedürfnisse vertieft kennenzulernen. Ich hatte zudem die Gelegenheit, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus der ganzen Schweiz zu treffen. Besonders beeindruckt hat mich die sehr starke Identifikation der Mitarbeitenden mit der Marke Raiffeisen. Sie setzen sich täglich mit viel Herzblut für unsere Kundinnen und Kunden ein. Die genossenschaftliche und dezentrale Struktur ist ein Alleinstellungsmerkmal und gleichzeitig auch unsere grösste Stärke. Die lokale Verwurzelung der Raiffeisenbanken in ihren Regionen und die Nähe zu den Kunden sind unvergleichbar. Das schafft ein grosses Vertrauen.
«Keine Bank ist näher bei den Kundinnen und Kunden als Raiffeisen.»
Dr. Gabriel Brenna
Vorsitzender der Geschäftsleitung Raiffeisen Schweiz
Es stehen weitere Veränderungen an. Thomas Müller, Sie haben im Herbst 2025 bekannt gegeben, dass Sie sich an der nächsten Generalversammlung nicht mehr zur Wiederwahl stellen. Was nehmen Sie mit?
Thomas A. Müller: Ich war acht Jahre im Verwaltungsrat von Raiffeisen Schweiz tätig, davon die letzten viereinhalb Jahre als Präsident. Die Raiffeisen Gruppe ist heute die zweitgrösste Bankengruppe auf dem Finanzplatz Schweiz und sehr gut im Markt positioniert. Die Branche hat sich gewandelt. Es sind neue Geschäftsmodelle dazugekommen und der politische Ton ist international rauer geworden, was sich auch auf die Märkte auswirkt. Unser Vorteil ist das inlandorientierte Geschäftsmodell, und dass wir als Genossenschaft einen hohen Anteil des Gewinns thesaurieren. Dies führt zu Stabilität und ermöglicht uns, gezielt in die Weiterentwicklung der Gruppe zu investieren. Was ich persönlich mitnehme, ist der vielseitige Austausch mit den Menschen bei Raiffeisen Schweiz und den Raiffeisenbanken in allen Landesteilen, den ich sehr schätze. Der persönliche Kontakt ist das, was Raiffeisen einzigartig macht.
Auch auf der politischen Ebene ist in den vergangenen Jahren viel passiert. Im letzten Sommer hat der Bundesrat die Eckwerte zur Änderung des Bankengesetzes vorgestellt. Ich werde meine verbleibende Zeit im Amt gezielt dazu nutzen, die Anliegen von Raiffeisen in der Schweizerischen Bankiervereinigung und gegenüber verschiedenen Anspruchsgruppen aus der Politik zu vertreten.
«Als Genossenschaft thesaurieren wir einen hohen Anteil des Gewinns. Dies führt zu Stabilität.»
Thomas A. Müller
Präsident des Verwaltungsrats Raiffeisen Schweiz
Worauf liegt der Fokus in diesem Jahr?
Thomas A. Müller: Priorität hat für uns im laufenden Jahr der Abschluss der aktuellen Gruppenstrategie. Mit den Arbeiten legen wir die Basis für die weitere Ausrichtung von Raiffeisen. Es braucht eine starke technologische Grundlage, damit wir unsere Ziele erreichen können. Die neue Strategieperiode, die Anfang 2027 startet, soll federführend von Gabriel Brenna und dem neuen Verwaltungsratspräsidium gestaltet werden. Zudem werden im Juni 2026 neben dem Präsidenten drei neue Mitglieder dem Verwaltungsrat von Raiffeisen Schweiz beitreten. Ein reibungsloser Übergang und die Sicherstellung von Stabilität auf der Führungsebene haben für mich und den Verwaltungsrat eine sehr hohe Priorität.
Gabriel Brenna, wie gestalten Sie das Jahr 2026? Welche Themen haben Priorität?
Gabriel Brenna: Wir befinden uns in einem volatilen Marktumfeld, da ist die Expertise von Raiffeisen sehr gefragt. Keine andere Bank ist näher bei den Kundinnen und Kunden als Raiffeisen. Wir werden das Jahr 2026 dazu nutzen, um den operativen Erfolg qualitativ weiterzuentwickeln und insbesondere das Vorsorge- und Anlagegeschäft auszubauen. Wir möchten unsere Visibilität im Markt in Bezug auf unsere Kompetenz im Anlagegeschäft weiter stärken. Raiffeisen hat hier ein grosses Potenzial.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Verabschiedung der neuen Gruppenstrategie. Damit stellen wir gemeinsam mit dem Verwaltungsrat und den Raiffeisenbanken die strategischen Weichen für die nächsten Jahre. Ich freue mich darauf, zusammen mit meinen Kolleginnen und Kollegen an diesen Themen zu arbeiten.