Raiffeisen Jubiläumsstiftung

Projekt «Aussenräume bei Alterszentren» von Pro Juventute

Drucken

Was macht Heimat jenseits von Klischees heute aus? Wie stärken wir den gesellschaftlichen Zusammenhalt? Welche Rolle spielt die Kultur und welche die technologische Entwicklung? Wie wichtig sind unsere politischen Werte und wozu brauchen wir Solidarität? Wie also schaffen wir heute und in Zukunft «Heimat»?

 

Ein Generationengarten bringt Farbe ins Quartier

Gärten und öffentliche Spiel- und Begegnungsräume für verschiedene Altersgruppen sind rar. Alterszentren verfügen in der Regel jedoch über grosse Aussenbereiche, die meistens nur von den Bewohnerinnen und Bewohnern oder dem Personal genutzt werden. Am Wochenende oder an Besuchstagen kommen dann Familien mit Kindern dazu, welche dann einen Aussenraum besuchen, der oft nicht den Bedürfnissen aller entspricht. Dies ist die Ausgangslage unseres Projekts «Aussenräume bei Altersheimen als Spiel- und Begegnungsräume». Mit diesem Angebot sollen Räume gestaltet werden, die unterschiedliche Ansprüche erfüllen und einladend wirken. Erwachsene und Kinder sollen animiert werden, sich in diesen Begegnungsräumen aufzuhalten, sie zu geniessen und zu nutzen. In diesem Blog schreiben wir über die Erkenntnisse aus den ersten drei Standorten des Projekts.

 

Ein neues Miteinander entsteht

Um das Ziel eines gemeinsamen Aussenraumes für Jung und Alt zu erreichen, muss die Anlage entsprechend geplant werden. Ein Um- oder Neubauprojekt eines Alterszentrums ist eine ideale Ausgangslage. Dies fanden wir an den Standorten Steffisburg (Kanton Bern), in der Stadt Schlieren (Kanton Zürich) und am Standort in Basel-Stadt vor. 

Wir stellten fest, dass die Zusammenarbeit von Kindern und Senior*innen das tägliche Leben im Alterszentrum bereichert. Durch das Mitmachen werden die Bewohnerinnen und Bewohner aktiviert. Weil Kinder ins Haus kommen, ergeben sich neue Begegnungen. Man arbeitet an einem gemeinsamen Ziel und konzipiert den Aussenbereich des Alterszentrums miteinander. 

Beim Austausch mit Betagten üben Kinder und ihre Bezugspersonen auf eine spannende Art, den Umgang mit anderen Altersgruppen. Dabei erleben alle Beteiligten eine neue Gemeinschaft. Solche Begegnungen sind wichtig und ermöglichen neue Erfahrungen. Somit hat der Aussenbereich des Alterszentrums das Potential zu einem Treffpunkt verschiedener Generationen für das ganze Quartier zu werden!

 

Planen und einander kennenlernen

Heutzutage sind Seniorinnen und Senioren fitter, achten auf ihre Gesundheit und möchten sich engagieren. Sie freuen sich, wenn sie in ihrer Nähe einen lebendigen Aussenbereich, Garten oder Park haben und dort auf Kinder sowie andere Erwachsene treffen. Wir stellten an allen drei Standorten fest, dass der Kontakt mit jungen Menschen sich positiv auf die Psyche von Bewohnerinnen und Bewohner eines Alterszentrums auswirkte. Auch die Kinder profitierten von den Begegnungen mit der älteren Generation. Beim gegenseitigen Austausch wurden nicht nur die Bedürfnisse und Anliegen von Gross und Klein angesprochen, sondern auch Erlebnisse aus ihrem Leben geteilt. So wurden Begegnungsängste und Vorurteile zwischen den Generationen abgebaut, was gerade in der aktuellen Pandemiesituation nochmals eine grössere Herausforderung für alle ist.

«Dass wir hier etwas miteinander machen, mit den Kindern zusammen, mit Jung und Alt, das finde ich sehr wichtig» Projektbeteiligter, 87 Jahre alt.

«Das Spannendste fand ich, als wir draussen waren und zusammen die Markierungen des neuen Spielplatzes gemacht haben. Auch das Basteln war sehr toll», Projektbeteiligter, 11 Jahre alt.

 

Nähe und Heimatsgefühle schaffen

An den drei Standorten stellten wir zudem fest, dass gemeinsam geplante Aussenräume dazu beitragen, die Identifikation mit einem Ort beziehungsweise einem Quartier zu fördern. So entstehen Heimatgefühle und Zugehörigkeit, was u.a. bewirkt, dass es weniger zu Vandalismus kommt. Man trägt dem Ort Sorge. Für die bisher beteiligten Seniorinnen und Senioren war das Projekt von Pro Juventute eine spannende Aktivität, die ihren Alltag auflockerte. An einem Standort galt das Projekt als Bestandteil des Schülerparlaments.  Eine Alterszentrumsleitung bezeichnetet die Gestaltung des Aussenbereichs als «Leuchtturmprojekt für die Region», weil damit zahlreiche Besuchstage von Familien verbunden sind. Auch könnte sie sich vorstellen, den neu gestalteten Aussenbereich als «Generationen Treffpunkt» zu vermarkten, beispielsweise mit einem «Kaffee».

 

Die wichtigsten Erkenntnisse bisher

Die Projektziele müssen zwischen allen Beteiligten (Projektleitung, Altersheim, Senior*innen sowie Kindern) von Beginn an gut geklärt werden. So können Missverständnisse vermieden werden. 

Um eine vertrauensvolle Beziehung aufzubauen und spannende Diskussionsmomente zu initiieren, ist im Prozess eine gewisse Kontinuität aller Beteiligten anzustreben. Wichtig dabei ist, dass die Zusammenarbeit immer auf der Grundlage von Offenheit und Akzeptanz aller Beteiligten geleistet wird. So wird eine Atmosphäre geschaffen, in der sich alle anerkannt und wertgeschätzt fühlen.

Der partizipativ-intergenerative Prozess muss von Anfang an in den Um- oder Neubau des Aussenbereichs eingeplant werden und nicht mitten in der Umsetzung erst dazukommen. So kann der partizipative Prozess zwischen den beiden Gruppen und nicht die Ergebnisse des Umbaus in den Vordergrund gestellt werden.

Ressourcen und Kompetenzen sollten in die Planung einfliessen. Einerseits braucht es Fachpersonen für Partizipation, damit die Partizipierenden gut und neutral geleitet werden. Andererseits braucht es (Fach-)Personal für die Begleitung von unterstützungsbedürftigen Personen.

 

Ein Leitfaden entsteht

Alle diese Erkenntnisse fliessen nun in einen Leitfaden, der mit den bestehenden «Richtlinien für Spielplätze und Spielräume» von Pro Juventute verbunden wird. Dieser Leitfaden richtet sich an Alterszentrumsleitungen, Leitende von Alterssiedlungen oder Alterswohnungen sowie an Verwaltungsangestellte. Als Schlüsselpersonen für attraktive Spiel- und Freiräume entscheiden sie, wie Aussenbereiche gestaltet werden sollen. Bei der Planung eines konkreten Um- oder Neubauprojekts können die beiden Altersgruppen situativ einbezogen werden. Dieser Leitfaden soll Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern helfen, den Prozess zu neuen Spiel- und Freiräumen für unterschiedliche Generationen zu vereinfachen.