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24.06.2025

Perspektivenwechsel zwischen Pflanzenbeet und Sitzungstisch

Sein Alltag ist grün, praktisch und nah bei den Menschen. Eric van Oordt ist Gärtner, Unternehmer und neu im Verwaltungsrat der Raiffeisenbank rechter Zürichsee. Ein Gespräch über Verantwortung, Lebenslektionen und den Mut auch mal über das eigene «Gärtli» hinauszuschauen.
 

 

Eric van Oordt, der neue Verwaltungsrat der Raiffeisenbank rechter Zürichsee.

Eric van Oordt, der neue Verwaltungsrat der Raiffeisenbank rechter Zürichsee.


Eric, stell dich bitte kurz vor.

Mein Name ist Eric van Oordt, ich bin 49 Jahre alt, verheiratet und Vater zweier Söhne. Ich bin Inhaber und Geschäftsführer unseres Familienbetriebs – einer Gärtnerei, in der ich die meiste Zeit verbringe. Als Ausgleich zieht es mich in die Natur, am liebsten mit meinem jüngeren Sohn in die Berge. Dort finde ich Ruhe und kann den Kopf durchlüften. Ich würde mich als pragmatisch, ruhig und sehr lösungsorientiert beschreiben. Die Familie ist mir ein zentraler Wert im Leben.

Was hat dich motiviert, Teil unseres Verwaltungsrats zu werden?

Ich wurde letztes Jahr überraschend angefragt. Als Gärtner komme ich ja eigentlich aus einer ganz anderen Welt. Genau das fand ich aber reizvoll. Und letztlich gibt es viele Parallelen: Ich leite ein Unternehmen mit Mitarbeitenden, Kunden und Dienstleistungen. Da ist der Schritt zur Bank gar nicht so weit, wie man zuerst denkt.

Welche Erfahrungen haben deine Sicht auf Führung und Strategie besonders geprägt?

Nach meiner Ausbildung bin ich früh in den elterlichen Betrieb eingestiegen, in einer Phase, in der es schwierig war. Wir waren eine reine Produktionsstätte ohne Direktverkauf. Ich musste lernen, Verantwortung zu übernehmen, mit Rückschlägen umzugehen und den Betrieb neu auszurichten. Mit 30 habe ich ihn dann übernommen. Ein weiteres Schlüsselerlebnis war ein schwerer Unfall im Militärdienst am 19. Juni 2006. Ich hatte grosses Glück, überhaupt zu überleben. Dieses Ereignis hat mich gelehrt, Dinge einzuordnen und zu erkennen, was im Leben wirklich zählt. Das beeinflusst auch meine Art zu führen.

Welche Werte sind dir in deiner Arbeit besonders wichtig?

Verantwortung, persönlich und im Team. In der Gärtnerei arbeiten rund 30 Mitarbeitende in einem Team mit einer flachen Hierarchie. Eigenverantwortung ist bei uns zentral. Das gilt für den Betrieb, ebenso wie für das Miteinander in Familie, Umwelt und Gesellschaft.

Wie war dein Start im Verwaltungsrat?

Sehr spannend! Ich wurde herzlich aufgenommen und habe bereits an zwei Sitzungen teilgenommen. Anfangs war ich etwas überfordert. Die abstrakten Zahlenwelten waren Neuland für mich. Aber ich war beeindruckt, wie professionell und strukturiert hier gearbeitet wird.

In welchem Bereich möchtest du dich besonders einbringen?

Gerade durch meinen Hintergrund bringe ich einen frischen Blick mit. Ich betrachte Dinge gerne aus einer anderen Perspektive, stelle kritische Fragen und möchte helfen, die Themen aus der Vogelperspektive zu betrachten.

Was bedeutet für dich verantwortungsvolle Unternehmensführung im Jahr 2025?

Verantwortung beginnt mit Respekt, sei es gegenüber Mitarbeitenden, Kund:innen und der Umwelt. Für mich bedeutet das, auf Augenhöhe zu kommunizieren, nicht nur kurzfristig zu denken und nicht alles dem schnellen Gewinn unterzuordnen. Nachhaltigkeit, auch wirtschaftlich, ergibt sich daraus ganz von selbst.

Welche Entwicklungen verfolgst du mit besonderem Interesse?

Gesellschaftlich beobachte ich eine zunehmende Individualisierung. Das bereitet mir Sorgen. Ich glaube fest daran, dass wir nur als Gemeinschaft bestehen können. Technologisch ist natürlich Künstliche Intelligenz ein riesiges Thema. Sie bringt Chancen, aber auch Unsicherheiten. Wichtig ist, dass wir offen bleiben und uns gut überlegen, wie wir diese Entwicklungen nutzen.

Was würdest du jemandem mitgeben, der neu in einen Verwaltungsrat eintritt?

Wichtig ist neugierig zu sein und gerne über den Tellerrand hinauszuschauen. Man sollte sich nicht scheuen, auch kritische Fragen zu stellen, selbst wenn man fachfremd ist. Gerade dieser Blick von aussen kann wertvoll sein.

Und zum Schluss: Was möchten du den Mitarbeitenden und Kund:innen mitgeben?

Was ich allen mitgeben möchte: Miteinander ist entscheidend. Ob im Kleinen oder im Grossen. Wenn wir gemeinsam ein Ziel verfolgen, wird vieles leichter. Denn gemeinsam lassen sich selbst grosse Herausforderungen besser bewältigen.