Anlagewissen einfach erklärt

Anlegen in Zeiten von Corona – Ruhe bewahren und langfristig denken

Die Krise als Chance nutzen: Anleger können genau dies tun. Vorausgesetzt, sie bleiben gelassen und halten sich an die Grundregeln des Anlegens. Für langfristig orientierte Anleger bieten sich zudem Opportunitäten.

Aktionismus ist jetzt fehl am Platz

Lange wurde er heraufbeschworen und doch hat er alle überrascht: der Börsencrash von Anfang März. Das neuartige Coronavirus traf die Märkte mit voller Wucht. Nach der längsten Hausse der Börsengeschichte zeigten die Kurse erstmals seit über zehn Jahren wieder steil nach unten. Der Swiss Market Index (SMI) etwa verlor innert drei Wochen annähernd 30 %.

Die Folgen waren dieselben wie bei jedem Crash. Investoren reagierten mit panikartigen Verkäufen. Die Bilder in den Medien weckten Erinnerungen an die Finanzkrise von 2008 und das Platzen der Dotcom-Blase zur Jahrtausendwende: Händler rauften sich die Haare oder vergruben ihr Gesicht in den Händen.

Privatanleger sollten sich von der Unsicherheit allerdings nicht beeindrucken lassen. Sind die Märkte volatil, gilt vor allem eines: Ruhe bewahren. Selbst grössere Kursrückschläge fallen bei langfristigen Anlagen nämlich kaum ins Gewicht. Wer auf die bewährte Buy-and-hold-Strategie setzt und Wertpapiere über Jahre hinweg im Depot hält, hat gute Aussichten, weil der langfristige Trend nach oben zeigt und die kurzfristigen Schwankungen über die Jahre ausgeglichen werden.

Wer den Markt hingegen mit Timing übertreffen möchte, braucht vor allem eines: Glück. Den optimalen Zeitpunkt für den Ein- oder Ausstieg zu treffen, ist schier unmöglich, und deshalb lassen selbst Profis die Finger vom «Market Timing». Denn die Marktentwicklung lässt sich nicht voraussagen, erst recht nicht in Situationen, wie wir sie aktuell erleben.

Grundregeln ändern sich nicht

Das Auf und Ab der Märkte sorgt bei Anlegern verständlicherweise für Verunsicherung. Aber, so einschneidend die Korrekturen auch anmuten – an den Grundregeln des Anlegens ändert sich nichts. Ankerpunkt bleibt eine langfristige Anlagestrategie mit der zugehörigen Gewichtung der verschiedenen Anlageklassen. Ihr sollten Anleger treu bleiben, solange sich an der persönlichen Risikobereitschaft und der finanziellen Risikofähigkeit nichts ändert.

In der aktuellen Situation kann es aber durchaus ratsam sein, taktische Anpassungen im Hinblick auf die Diversifikation vorzunehmen, um Risiken abzufedern. Und auch ein Rebalancing ist oftmals sinnvoll: Weil Aktien im Zuge der Krise an Wert verloren haben, ist der Aktienanteil in den meisten Portfolios gesunken. Mit Zukäufen können Anleger das angestrebte Verhältnis wiederherstellen. Wer langfristig erfolgreich sein will, sollte zudem einige grundlegende Anlagetipps beachten.

Tiefzinsumfeld hat Bestand

Das Virus Covid-19 sorgte für einen klassischen exogenen Schock, der die Märkte unvermittelt von aussen traf. Wie rasch die Erholung eintritt oder ob neuerliche Rückschläge folgen, bleibt ungewiss. Um die Konjunktur anzukurbeln und die drohende Rezession abzufedern, haben die wichtigsten Zentralbanken die Geldpolitik weiter gelockert. Alleine in den USA dürfte die Notenbank Fed im Jahresverlauf rund 5 Billionen US-Dollar in das Finanzsystem pumpen. Die Regierung hat zudem ein Fiskalpaket von 2 Billionen US-Dollar implementiert. Diese Summen machen rund 35 Prozent des jährlichen Bruttoinlandsprodukts der weltweit grössten Volkswirtschaft aus.

Auch in Europa und der Schweiz erreichen die Unterstützungsmassnahmen historische Dimensionen. Geld- und fiskalpolitische Eingriffe sind eine Voraussetzung dafür, dass eine Erholung stattfinden kann, haben aber auch Nebenwirkungen: Sie lassen einerseits die Staatsschulden explodieren und zementieren andererseits das Tiefzinsumfeld. Auf den Sparkonten wird es deshalb auch in den nächsten Jahren kaum Zinsen geben.

Keine Alternative zu Aktien

Betroffen vom Druck auf die Zinsen sind neben Sparkonten vor allem Obligationen. Die Renditen auf Anleihen sind in den letzten Jahren stetig gesunken und in der aktuellen Situation ist es kaum noch möglich, mit dieser Anlageklasse Geld zu verdienen. Sachanlagen hingegen gewinnen weiter an Bedeutung: Aktien genauso wie Immobilien. Daneben dürfte der «sichere Hafen» Gold in den kommenden Monaten eine tragende Rolle spielen.

Etliche Aktien sind als Folge der Kursrückschläge relativ tief bewertet. Langfristig orientierten Anlegern bieten sich deshalb interessante Möglichkeiten für einen Einstieg oder den Zukauf von Titeln. Opportunitäten gibt es vor allem bei gut aufgestellten Qualitätsfirmen, denn auch deren Aktien sind teilweise stark unter Druck geraten. Gerade diese Titel dürften sich relativ rasch wieder erholen.

Gut zu wissen: Hier bieten sich jetzt Opportunitäten

  • Krisenresistente Branchen wie Pharma und Nahrungsmittel
  • Qualitativ hochwertige Unternehmen mit guter Markstellung und solider Bilanz
  • Schweizer Immobilien mit Fokus auf Wohnliegenschaften
  • Edelmetalle wie Gold

Rückschläge bieten Chancen

So gross die Unsicherheit momentan auch ist – eines ist gewiss: Die Aktienmärkte werden sich vom Schock erholen. Früher oder später wird aus dem Bären wieder ein Bulle. Wie die untenstehende Grafik am Beispiel des Schweizer Markts zeigt, erreichten die Kurse bei jedem Börsencrash seit 1980 innert weniger Jahre wieder das Niveau vor der Krise. Neue Höchststände sind also nur eine Frage der Zeit. Der SMI konnte seit dem Tiefststand vom 23. März bereits wieder mehr als 1'000 Punkte zulegen und pendelte sich seit April zwischen 9'000 und 10'000 Punkten ein.

Wertentwicklung der Investition von CHF 100 in SPI (1. Januar 1980 bis 30. April 2020)

Grafik: Entwicklung Schweizer Aktienmarkt (SPI) seit 1980

Quelle: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Die Grafik zeigt, auch grössere Korrekturen fallen bei einem langfristigen Anlagehorizont kaum ins Gewicht: Wer am 1. Januar 1980 100 Franken in Schweizer Aktien investierte, erzielte trotz wiederholter Rückschläge wie des Platzens der Dotcom-Blase (-55 %) oder der Finanzkrise (-53 %) bis Ende April 2020 einen Gewinn von rund 3'000 Franken.

Langfristig orientierte Anleger können die aktuell tiefen Bewertungen nutzen, um schrittweise zu investieren, zum Beispiel mit einem Fonds-Sparplan. Wer über einen längeren Zeitraum regelmässig gleichbleibende Beträge anlegt, profitiert vom Durchschnittspreiseffekt: Je nach Marktentwicklung erhalten Anleger mal mehr und mal weniger Anteile für das gleiche Geld, womit Kursschwankungen über die Zeit geglättet werden. Gegenüber der einmaligen Investition einer grösseren Summe lässt sich so das Risiko vermindern, einen schlechten Einstiegszeitpunkt zu wählen. 

Wer die Umsetzung der persönlichen Anlagestrategie ganz an die Experten delegieren möchte, investiert in Anlagezielfonds oder vereinbart ein Vermögensverwaltungsmandat. Die Anlagespezialisten überwachen die Entwicklungen an den globalen Finanzmärkten und optimieren das Portfolio fortlaufend. Dank ihrer Expertise sind sie in der Lage, die Opportunitäten der aktuellen Situation zu nutzen und Risiken durch eine optimale Diversifizierung abzufedern.

Portfolio regelmässig prüfen

Anlegerinnen und Anlegern empfehlen wir, sich mindestens einmal jährlich ausgiebig mit den eigenen Finanzen zu befassen und zu prüfen, ob die Anlagestrategie noch die richtige und das Vermögen weiterhin optimal entsprechend dem aktuelle Marktumfeld investiert ist. Es lohnt sich zudem, Ihre Geldanlage jeweils zu überdenken, wenn sich der Markt oder einzelne Ihrer Finanzprodukte anders entwickeln als vorausgesehen. 

Ein individueller und kostenloser Depot-Check mit Ihrem Vermögensberater bietet Gelegenheit, Ihr Portfolio mit Blick auf die aktuelle Situation zu überprüfen, Chancen zu thematisieren und – falls angezeigt – gemeinsam Optimierungen oder taktische Anpassungen im Hinblick auf die Diversifikation Ihrer Anlagen vorzunehmen.

 

 

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