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19.10.2020

«Glimpflicher» Konjunktureinbruch

Dank der neuen 5G-Technologie, die im kommenden Smartphone verbaut ist, sprechen gewisse Marktteilnehmer von einem neuen Superzyklus. Mit dieser Erwartung hatten die Aktien im Vor-feld zugelegt, im Nachgang stellte sich aber Ernüchterung ein. Seit Anfang des Jahres haben die Valoren 55 Prozent zugelegt. Die hohen Erwartungen spiegeln sich damit bereits im Aktienkurs und in der Bewertung. Mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 34 für das kommende Jahr sind die Titel teuer. Das durchschnittliche 12-Monats-Kursziel der Analysten liegt mit 121 Dollar um den aktuellen Kurs.

Bankaktien im Fokus der Anleger

Nicht in der Gunst der Anleger stehen Bankaktien. Die US-Institute JPMorgan, Citigroup, Bank of America, Goldman Sachs und Wells Fargo haben bereits ihre Zahlen zum dritten Quartal vorge-legt. Das Handelsgeschäft überzeugte. Aufgrund der unterschiedlichen Ausrichtung profitieren aber nicht alle Institute im selben Ausmass davon. Goldman Sachs etwa hat seinen Gewinn fast verdoppelt. Weniger rund lief es hingegen für Citigroup. Sonderbelastungen und ein maues Kr-editkartengeschäft belasteten das Ergebnis. Auch Bank of America surft nicht auf der Erfolgs-welle. Bei den Schweizer Grossbanken Credit Suisse und UBS ist für das dritte Quartal wohl nicht mit einer Überraschung zu rechnen. Sie dürften zwar von der gestiegenen Handelsaktivität prof-itiert haben, allerdings in einem geringeren Ausmass, da ihre Investmentbanking Aktivitäten klei-ner sind als bei den US-Geldhäusern. In den Aktienkursen sollte das enthalten sein: Die Aktien haben dieses Jahr deutlich schwächer abgeschnitten als der Index.

Dynamik der Wirtschaftserholung

Das Staatssekretariat für Wirtschaft SECO rechnet für 2020 mit einem Wirtschaftseinbruch von 3,8 Prozent und beurteilt das Abschneiden im ersten Halbjahr als verhältnismässig «glimpflich». Noch im Juni war das Staatssekretariat von einem Rückgang des BIP von 6,2 Prozent ausge-gangen. Dennoch erwarten die Konjunkturforscher, dass die Dynamik der Wirtschaftserholung nachlässt. Raiffeisen bleibt etwas vorsichtiger und hält an ihrer Prognose fest. Für 2020 wird ein Minus von 5 Prozent und für das kommende Jahr ein Wachstum von 4,3 Prozent erwartet. Das reflektiert sich auch in der Positionierung der Portfolios: Aktien bleiben leicht untergewichtet, Gold und Immobilien übergewichtet.