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«Lockdown 2.0» in Europa
Emmanuel Macron, Angela Merkel, Sebastian Kurz und jetzt auch Boris Johnson.
Sie alle haben angesichts der massiv steigenden Corona-Neuinfektionen ihre Länder in einen er-neuten Lockdown geschickt. Geplant ist zunächst ein Herunterfahren des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens bis Anfang Dezember.
Verschärfung der Corona-Massnahmen
Am weitesten gehen Frankreich und England: Dort dürfen fortan nur noch lebensnotwendige Geschäfte geöffnet bleiben, alle anderen müssen schliessen. Des Weiteren sollen die Bürger ihre Wohnungen ganztägig nicht mehr ohne triftige Gründe wie Arbeit, Sport oder Pflege von Ange-hörigen verlassen. Etwas weniger restriktiv gehen Deutschland und Österreich vor: Hier müssen «nur» Betriebe des Freizeit- und Kulturlebens dicht machen, ausserdem sind den Bürgern touri-stische Reisen untersagt. Die Alpenrepublik setzt zudem auf eine nächtliche Ausgangssperre von 20 Uhr bis 6 Uhr. Neben diesen länderspezifischen Regelungen muss überall die Gastronomie schliessen, es gelten weitreichende Kontaktbeschränkungen, ein striktes Veranstaltungsverbot sowie eine dringende Home-Office-Empfehlung. Besonders bitter dürfte den Bürgern aufstossen, dass die Politik noch bis vor kurzem einen erneuten Lockdown praktisch ausgeschlossen hatte.
Massive Langzeitschäden
Kurzfristig dürften sich die derzeit rasant steigenden Corona-Fallzahlen mit diesen Massnahmen stoppen lassen, aber der Preis dafür ist hoch: Der wirtschaftliche Schaden wird immens sein. Hatte sich die Konjunktur in Europa über den Sommer hinweg überraschend stark, fast schon V-förmig, erholt, so dürften die neuerlichen Lockdowns diese Dynamik einbremsen. Der Arbeits-markt sowie Konsum und Investitionen werden massive Langzeitschäden erleiden. Wir gehen daher von einem eher W-förmigen Erholungspfad aus – vorausgesetzt, die Geschichte wieder-holt sich nicht noch ein drittes Mal. Die Schweiz lehnt einen flächendeckenden Lockdown der-zeit noch ab, die konjunkturelle Erholung verlangsamt sich dennoch zunehmend. Der für die hiesige Industrie berechnete Einkaufsmanagerindex (PMI) ging im Oktober saisonbereinigt um 0,7 Zähler auf 52,3 Punkte zurück. Es ist der erste Rückgang nach zuvor drei Monaten mit steigenden Werten.