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Anpassung der OPEC-Förderbremse wird wahrscheinlicher
Die Gründe für die jüngsten Korrekturen beim Ölpreis sind vor allem geänderter Erwartungen hinsichtlich der Angebots- und Nachfragesituation am Ölmarkt ge-schuldet. Die Anzeichen verdichten sich, dass die OPEC an ihrem Treffen vom 22. Juni 2018 eine Erhöhung ihrer Förderbegrenzung beschliessen dürfte.
Zur Erinnerung: Ende November 2017 beschlossen die OPEC-Staaten zusammen mit Russland, die geltende Förderbeschränkung von 30 Millionen Fass pro Tag um weitere neun Monate zu verlängern. Die Massnahme erzielte den gewünschten Effekt: Die Lagerbestände sanken, während die Ölnotierungen zu einer langanhaltenden Rally ansetzten. Die Rechnung von Russland und der OPEC ging wie vorgesehen auf.
Es drohen steigende Ölpreise
Und zwar ging sie so gut auf, dass nun ein Hinausschiessen über das Ziel droht. Denn angesichts der drastisch zurückgehenden Ölproduktion in Venezuela sowie des drohenden (teilweisen) Förderausfalls des Irans mehren sich die Befürchtungen einer Unterversorgung des Ölmarktes. Diese würde die Ölpreise weiter in die Höhe treiben, was zwar durchaus im Sinne der OPEC wäre, aber auch gleichzeitig ein Dilemma für das Kartell darstellt. Denn je höher das Ölpreis-niveau ist, desto attraktiver ist es insbesondere für die amerikanischen Fracker, ihre Förderung wieder auszuweiten. Schon jetzt befindet sich die amerikanische Ölproduktion auf einem Allzei-thoch und die Anzahl unkonventioneller US-Bohrstellen liegt wieder auf dem Niveau von 2015.
Sorgen bei der OPEC
Die OPEC sorgt sich daher, mühsam zurückeroberte Marktanteile wieder an die Amerikaner zu verlieren. Doch auch für die US-Produzenten ist das stetige Ansteigen der eigenen Förderung ein zweischneidiges Schwert. Denn obwohl das 1973 verhängte Exportverbot vor rund zwei Jahren aufgehoben worden ist, lässt die Midstream-Infrastruktur der USA beim Ölexport kein Wachs-tum zu, das mit der Förderausweitung mithalten kann. Das zeigt sich mitunter im deutlich aus-geweiteten Spread zwischen dem amerikanischen WTI und dem europäischen Brent.
Solange die USA aus technischen Gründen nicht signifikant mehr Öl exportieren können, dürfte der hohe Eigenverwendungsanteil einen dämpfenden Effekt auf die Notierung des amerikan-ischen Referenz-Öls entfalten. Der WTI-Preis sollte demzufolge trotz Abwärtsrisiken aufgrund der Entwicklungen am internationalen Ölmarkt in einen eher seitwärts gerichteten Handel übergehen.