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Der Flirt mit dem Bären
Es ist wie mit dem Wetter: Irgendwann hört es auf zu regnen. Das bedeutet aber nicht, dass sich danach die Sonne zeigt. Nach einer schwachen Vorwoche hat sich der Schw-eizer Aktienmarkt gefangen.
Aufgrund fehlender Impulse kann die Entwicklung am ehesten als Treten an Ort beschrieben werden, bei dem ein Teil der Verluste aus der Vorwoche korrigiert wurde. Unternehmensseitig hat der Nahrungsmittelkonzern Nestlé die Übernahme des brasilianischen Unternehmens Pur-avida bekannt gegeben, um den Bereich Consumer Health zu stärken. Vorsichtig geäussert hat sich der Haushaltgerätehersteller V-Zug. Aufgrund gestiegener Beschaffungskosten sowie Liefer-engpässen dürften Umsatz und Betriebsergebnis die Erwartungen verfehlen. Nach einem erfolg-reichen Geschäftsjahr 2021/2022 hat sich auch der Komponentenhersteller LEM zurückhaltend zum ersten Quartal geäussert. Der Maschinenbauer Sulzer hat derweil beschlossen, sich aus dem russischen Markt zurückzuziehen. Der Umsatzanteil lag dort zuletzt bei 2,7 Prozent.
US-Markt nahe am Bärenmarkt
Der breite US-Markt, gemessen am S&P 500 Index, büsste letzte Woche kurzzeitig von seinem Höchst mehr als 20 Prozent an Wert ein. Damit befände sich die Börse offiziell in einem Bären-markt. Das Zusammenspiel zwischen Inflation, steigenden Zinsen und der damit verbundenen wirtschaftlichen Abschwächung drückt auf die Stimmung der Investoren. Ein Ende ist vorerst nicht in Sicht. Bereits seit längerem in einem Bärenmarkt befindet sich die Technologiebörse Nasdaq. Sie verbuchte 2022 bislang ein Minus von 29 Prozent. Dass Investoren erbarmungslos auf schwache Zahlen reagieren, zeigte sich dieser Tage beispielhaft an den Kursstürzen des Social Media Dienstes Snap und der Modemarke Abercrombie & Fitch, die an einem Tag 43 Prozent bzw. 29 Prozent einbüssten.
Mathematische Bedeutung der Kurskorrekturen
Einen solchen Taucher aufzuholen ist schwieriger. Dabei ist es einfache Mathematik: Wenn eine Aktie 50 Prozent ihres Wertes einbüsst, muss sie danach 100 Prozent zulegen, um wieder auf das alte Kursniveau zu gelangen. Das zeigt, wie schwierig es mitunter sein kann, alte Höchstmar-ken wieder zu erklimmen. Trotzdem orientieren sich Investoren häufig an alten Rekordständen. Das ist falsch, denn die Beurteilung einer Aktie geschieht mit Blick nach vorne. Es sind die erwar-teten Gewinne und das künftige Zinsniveau, die den Wert eines Unternehmens bestimmen. Im Swiss Market Index (SMI) haben Geberit, Richemont, Sika und Partners Group dieses Jahr zw-ischen 30 Prozent und 33 Prozent eingebüsst. Um auf den Kurs von Anfang des Jahres zu klet-tern, müssen die Titel zwischen 44 Prozent und 50 Prozent zulegen. Das ist wie beim Fahrrad-fahren: Den Berg hochzustrampeln ist viel anstrengender als runter zu rasen.