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Die Börse sucht eine Richtung
Krieg in der Ukraine, steigende Zinsen und Inflation: Das aktuelle Umfeld strotzt vor Unsicherheiten. Diese spiegeln sich auch im Verhalten der Anleger. Auf eine starke Vorwoche folgt eine Konsolidierung.
Die Volatilität an den Aktienmärkten ist zwar deutlich zurückgekommen und steht für die Rück-kehr einer gewissen Risikobereitschaft, dennoch verharrt sie deutlich über dem Niveau von An-fang Jahr. Auch die Nachrichtelage zeigte sich diese Woche gemischt. So verbuchte der Versi-cherungskonzern Helvetia im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Gewinnsprung von 84 Prozent, der allerdings im Rahmen der Erwartungen lag. Anleger profitieren von einer Erhöhung der Divi-dende um 10 Prozent auf 5.50 Franken pro Aktie. Ein Rekordjahr verbuchte auch die Private Equity Spezialistin Partners Group. Der Gewinn kletterte 82 Prozent auf über 1,4 Milliarden Franken. Auch hier wird die Ausschüttung an die Aktionäre deutlich, um 20 Prozent, angeh-oben.
Weitere Busse für Credit Suisse
Nicht aus den Schlagzeilen schafft es die Credit Suisse. Auf den Bermudas soll die Versicherungs-tochter der Grossbank laut einer Medienmitteilung mit einer Busse von «möglicherweise mehr als 500 Millionen US-Dollar» konfrontiert sein. Die Börse hat die Meldung mit einem Abschlag quittiert. Für Enttäuschung sorgte auch die Versandapotheke Zur Rose, die für einen höheren Verlust als erwartet geradestehen muss. Weil sich zudem das Erreichen der operativen Gewinn-schwelle verzögern dürfte, wurden die Titel vom Markt mit einem zweistelligen Minus abgestr-aft. Damit haben die Aktien seit dem Höchst Anfang 2021 fast 80 Prozent eingebüsst. Verlustreich operierte im vergangenen Jahr auch die Herstellerin von Solarzellen, Meyer Burger, die 2021 die Transformation vom Ausrüster zum Produzenten abgeschlossen hat. Das Untern-ehmen geht nun aufgrund der hohen Nachfrage davon aus, dass die ursprünglichen Ziele ra-scher erreicht werden. Anleger sind sich noch uneinig. Nach einer äusserst schwachen Eröffnung erholten sich die Aktien auf Vortagesniveau und drehten gar ins Plus.
Gratwanderung zwischen Zinserhöhungen und Abwürgen der Konjunktur
Was Jerome Powell sagt, hat Gewicht. Allein die Aussagen diese Woche, dass Leitzinserhöhung-en von einem halben Prozentpunkt pro Sitzung möglich seien, führten zu Kurskorrekturen an den Börsen und zu einem Anstieg der Zinserwartungen. Obwohl es der Notenbank vor allem um die Bekämpfung der Inflation geht, dürfte sie auch die Finanzmärkte im Blick behalten. Sollten die Börsen also wegen der höheren Zinsen zu stark leiden, ist es denkbar, dass der Fed-Chef mit einer Rede plötzlich auch wieder für Entspannung sorgen wird. Die Gratwanderung zwischen Zinserhöhungen und einem Abwürgen der Konjunktur ist also in vollem Gang.