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01.11.2019

Die Fed hat geliefert

Wie erwartet hat die US-Notenbank Fed diese Woche das dritte Mal in Folge die Leitzinsen gesenkt. Alles andere wäre auch eine sehr grosse Überraschung gewesen.

Denn wohl selten war ein Zinsschritt derart antizipiert worden. Und ebenfalls gab es selten eine Notenbank, die so sehr nach der Vorgabe der Finanzmärkte handelt, wie es die Fed derzeit handhabt. Jerome Powell hat also geliefert. Die Frage ist nun aber: Wie geht es weiter?

Hohe Hürde zu restriktiverer Geldpolitik
Diesbezüglich hat der Fed-Chef auf der Pressekonferenz wichtige Signale gegeben, an denen sich die Marktteilnehmer zukünftig orientieren können. Zum einen wurde die Phrase «das Notwendige zu tun» («to act as appropriate»), um den Wirtschaftsaufschwung aufrecht zu erhalten, gestrichen. Vielmehr will man zukünftig wieder alles von den weiteren Makrodaten abhängig machen. Und zum anderen lieferte Powell einen klaren Verweis auf die Inflation. Solange diese nicht klar und deutlich über dem Ziel von 2 Prozent liegt, wird es keine Zinser-höhung in den USA geben. Die Hürde, sich bald schon wieder in Richtung einer restriktiveren Geldpolitik zu bewegen, ist damit hoch, denn solche Teuerungsraten sind derzeit nicht am Horizont.


Weit entfernt von einer Rezession
 
Es sieht also ganz so aus, als ob die Fed nun genügend«Versicherung» eingekauft hat, um gegen die derzeitige Konjunkturschwäche gewappnet zu sein. Die Feinadjustierung der Geld-politik inmitten des Konjunkturzyklus – das sogenannte mid cycle adjustment – dürfte nach drei Zinsschritten von insgesamt 75 Basispunkten nun abgeschlossen sein und gleicht damit ähn-lichen Episoden in den Jahren 1995 und 1998. Dabei ist die US-Wirtschaft zumindest bei Be-trachtung der blossen Zahlen trotz der Wirren im Handelskrieg und eingetrübter Stimmung in der Industrie eigentlich gar nicht so schwach. Das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts war im dritten Quartal mit einem Plus von 1,9 Prozent unter dem Strich letztlich doch sehr robust und weit entfernt von einer Rezession. Eine solche erwarten wir auch im kommenden Jahr nicht. Das Wachstum dürfte mit 1,6 Prozent aber unter dem Potential bleiben. Für die Fed dürfte es daher keinen Anlass geben, nach oben oder unten an der Zinsschraube zu drehen. Für die Finanzmärkte sind dies nicht die schlechtesten Perspektiven.