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15.04.2019

Negativzinsen: die Europäische Zentralbank sucht neue Instrumente

Negativzinsen: die Europäische Zentralbank sucht neue Instrumente

 

Trotz einer vordergründig weniger relevanten Themenlage in der Sitzung der Europ-äischen Zentralbank sorgte insbesondere ein Thema für Diskussionen: die Staffelung der Negativzinsen. Die Vor- und Nachteile für den Einsatz als neues geldpolitisches Instrument halten sich die Waage – die Debatte ist eröffnet.

 

Eigentlich hätte die Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) diese Woche einer der weniger relevanten Termine im Terminkalender sein können. Nicht nur, weil die Notenbanker gedanklich schon in Washington bei der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds gewesen wären, sondern auch weil EZB-Präsident Mario Draghi im März fürs Erste sein Pulver an relevanten Neu-igkeiten verschossen zu haben schien. Diese reichten von der Vorankündigung einer neuen Geldspritze über die Verschiebung des frühestmöglichen Termins für eine erste Zinserhöhung ins nächste Jahr bis hin zu einer fast schon als drastisch zu bezeichnenden Senkung der Wachstums- und Inflationserwartungen für die Eurozone.

 

Negativzinsen sorgen einmal mehr für Gesprächsstoff

Und so war der Nachrichtengehalt vorderhand relativ dünn. Hinter den Kulissen gab es zuletzt jedoch reichlich Diskussionen. Insbesondere ein Thema sorgte für Gesprächsstoff: die Staffelung der Negativzinsen. Mario Draghi höchstpersönlich brachte den Gedanken auf die Tagesordnung, als er sagte, dass man innerhalb der Notenbank nach Mitteln Ausschau hält, um die negativen Effekte der Negativzinsen abzumildern. An sich ist dies keine neue Idee. Auch die Schweizerische Nationalbank fordert von den Banken nicht gleich «Strafzinsen» ab dem ersten Franken, sondern gewährt einen Freibetrag von mindestens zehn Millionen Franken. Die EZB hatte diese Idee bei der Senkung des Einlagezinssatzes unter die Nulllinie vor fünf Jahren allerdings verworfen. Für die bei ihr geparkte Überschussliquidität von fast 1,9 Billionen Euro müssen Banken aus dem Euroraum nun jährlich rund 7,5 Milliarden Euro nach Frankfurt überweisen.

 

Pro oder contra?

Eine Staffelung der Negativzinsen hat in Kreisen der EZB Befürworter und Widersacher. Sicherlich würde sie die Geldpolitik noch komplizierter machen. Zudem würden Banken mit einem bestimmten Geschäftsmodell begünstigt und andere relativ benachteiligt werden. Angesichts der nahezu ausgeschöpften Werkzeugkiste der EZB könnten gestaffelte Negativ-zinsen – nach längerer Debatte – letztlich aber dennoch ein neues geldpolitisches Instrument werden. Sie würden eine noch längere Phase negativer Zinsen signalisieren und könnten im Notfall wohl auch noch tiefere Negativzinsen ermöglichen.