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10.09.2019

Verzerrter Konjunkturindikator

Derzeit vergeht keine Woche ohne schlechte Nachrichten von der Konjunktur. Diesmal war es der Einkaufsmanagerindex für die US-Industrie, welcher auf die Stimmung drü-ckte. Mit einem Wert von 49.1 Punkten liegt dieser wichtige Vorlaufindikator nun auch in den USA unter der Expansionsschwelle und deutet damit eine weitere wirtschaft-liche Verlangsamung an.

 

«Dr. Copper» fällt negativ aus

Ebenfalls Schlagzeilen machte der auf ein Zwei-Jahres-Tief gefallene Kupferpreis. Auch unter dem Namen «Dr. Copper» bekannt, galt Kupfer lange Zeit als Konjunkturbarometer für die Welt-wirtschaft. Zumindest für die Schwellenländer dürfte er weiterhin eine gewisse Wachstums-indikation haben. Derzeit fällt diese negativ aus.

 

Frachtratenpreise als Konjunkturindikator?

Ein anderer, weniger beachteter Indikator zeigt momentan allerdings in die andere Richtung: der Baltic Dry Index (BDI). Der BDI ist ein Preisindex für das Verschiffen von Trockenschüttgut wie Kohle, Eisenerz und Zement. Da diese Produkte am Anfang eines Produktionsprozesses ein-gesetzt werden, gilt der BDI auch als «Weltwirtschaftsindikator». Seit Februar ist er mittlerweile um mehr als 300 Prozent angestiegen. Steht es also doch nicht so schlecht um die Konjunktur? So einfach ist es nicht. Wie so oft ist es aber das Zusammenspiel aus Angebot und Nachfrage, das derzeit für die hohen Frachtratenpreise sorgt.

 

Disruption in der Schifffahrtsbranche

Auf der Nachfrageseite stieg der Bedarf für die Schiffsroute Brasilien-China im Juli sprunghaft an, nachdem der brasilianische Eisenerzproduzent Vale seine Minen zu Sommerbeginn nach mon-atelangem Stillstand wieder hochgefahren hatte. Auf der Angebotsseite wiederum drückt die «grüne Welle» auf die Schiffskapazitäten. Ab 2020 dürfen Frachtschiffe rund um den Globus nur noch Treibstoff mit deutlich weniger Schwefel verbrennen. Anstatt bei 3,5 Prozent liegt der Grenzwert zukünftig bei 0,5 Prozent. Um dieses Ziel zu erreichen setzen Reedereien auch auf Abgasreinigungssysteme, sogenannte Scrubber. Die Reederei MSC mit Hauptsitz in Genf möchte beispielsweise mehr als 200 Schiffe umrüsten. Da diese dafür aufs Dock müssen, bleiben wen-iger Frachter auf dem Wasser. Konjunktur-Optimisten müssen also enttäuscht werden. Der stark gestiegene Baltic Dry Index ist am Ende weniger das Licht am Ende des Konjunktur-Tunnels, als vielmehr Ausdruck einer Disruption in der Schifffahrtsbranche.