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02.11.2022

«Die Wirtschaftsmacht USA brummt trotz steigender Zinsen»: Das sagt Wirtschaftsjournalist Jens Korte zur aktuellen Weltlage

Das Referat von Jens Korte am Mittwoch im Wattwiler Thurparksaal stiess auf grosses Interesse. Bild: Christof Lampart

Das Referat von Jens Korte am Mittwoch im Wattwiler Thurparksaal stiess auf grosses Interesse. Bild: Christof Lampart

Wall-Street-Korrespondent Jens Korte sprach in Wattwil über die weltwirtschaftspolitische Lage und bescheinigte den USA das Potenzial für ein Comeback als starke Wirtschaftsmacht.

Im voll besetzten Thurpark räumte Jens Korte am Mittwochabend ein, dass das wirtschaftliche Umfeld auf der ganzen Welt schon einfacher gewesen sei als heute. Der New Yorker Börsenkorrespondent des Schweizer Fernsehens sprach auf Einladung der Toggenburger Raiffeisenbanken in Wattwil.

In einer Zeit des Umbruchs mit Inflation, steigenden Preisen und Zinsen, Energieknappheit, dem Ukraine-Krieg und der Pandemie könne sich keine Volkswirtschaft von den Folgen abkoppeln. Allerdings gelänge es einigen aktuell besser als den anderen.

 

China geschwächt, Euro-Zone schwach

Zu jenen, die Korte als geschwächt erachtet, zählt China. Zwar weise China nach wie vor ein Wirtschaftswachstum auf, aber zum einen habe das rigide Null-Toleranz-Regime in Sachen Covid-Pandemie der chinesischen Wirtschaft geschadet, zum anderen aber auch die jüngste Abkehr der Kommunisten vom Primat der Wirtschaft hinzu jenem der Ideologie.

Auch Europa sei aktuell schwach. Dass der Euro innert kurzer Zeit 20 Prozent gegenüber dem Dollar einbüsste, sei ein Alarmzeichen. «Auf die Amerikaner wirkt das so, als ob Deutschland nicht Teil der Eurozone wäre», so Korte. Der Devisenmarkt rechne auch nicht mit einemgrossen Wirtschaftswachstum Deutschlands in nächster Zeit.

Dies auch deshalb, weil Deutschland in den letzten Jahren mit der zunehmenden Anbindung an russisches Gas und Öl einen grossen Fehler begangen habe, was man daran sehen könne, das erste Unternehmen schon Konkursgedanken wegen der massiv gestiegenen Energiekosten äusserten. Käme es zu einer Häufung von Konkursen in Deutschland, dann «dürfte dies auch die Schweiz zu spüren bekommen», so Korte.

 

USA: Geringe Arbeitslosigkeit und grosse Konsumfreude

Dagegen sei die Lage in den USA entspannter. Zwar sei aktuell die Inflation eines der Hauptthemen auf der anderen Seite des grossen Teichs, doch die weitgehende Energieautarkie spielte den USA genauso in die Kartenwie die niedrigste Arbeitslosigkeit seit dem Jahr 1969.

Zwar könnten die stark gestiegenen Zinsen dem einen oder anderen Hausbesitzer in den USA schlaflose Nächtebescheren, doch insgesamt sei die USA «solid aufgestellt», denn «»der amerikanische Arbeitsmarkt lebt nicht vom Export, sondern vom Inlandkonsum – und der ist, trotz Inflation, gut.»

Auch die Zahl der offenen Arbeitsstellen sei gross, aktuell stehen doch fünf Millionen Arbeitslosen gegenüber zehn Millionen unbesetzte Arbeitsplätze. Dies vor allem deshalb, weil letztens deutlich weniger legale Migranten in die USA eingewandert seien, was vor allem die Gastronomie und die Landwirtschaft zu spüren bekämen.

«Anfang der 2000er-Jahre kamen jährlich eine Million legale Migranten in die USA, im letzten Jahr waren es noch 250’000», so Korte.

Christof Lampart
27.10.2022, 13.40 Uhr