Raiffeisenbank Rothenburg

Geschichte der Raiffeisenbank Rothenburg

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Nachfolgend die interessante, teils amüsante Geschichte der Raiffeisenbank Rothenburg. Zusammengetragen anlässlich des 75-Jahr-Jubiläums im Jahre 2002 in aufopferungsvoller Arbeit von Trudi Müller, Aktuarin des Verwaltungsrates.

In den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts wurde die Genossenschaftsbank vom Deutschen Friedrich Wilhelm Raiffeisen ins Leben gerufen. In der Schweiz gründete im Jahr 1900 Dorfpfarrer Johann Evangelist Traber im thurgauischen Bauerndorf Bichelsee die erste Darlehenskasse nach System Raiffeisen.
Anfangs des Jahres 1927 waren in Rothenburg Bestrebungen zur Gründung einer Aktienbank im Gang. Am 16. Februar 1927 ist dies Bauer Franz Bühlmann von Wellisingen, der von der Idee Raiffeisen begeistert war, zu Ohren gekommen. Dieser hatte sofortigen Handlungsbedarf gesehen, und bereits schon auf den 18. Februar im "Emmenbaum" Emmenbrücke eine Orientierungsversammlung organisiert, zu der er ausgewählte Kreise einlud. - Dazu ist zu Bemerken: Dass in früheren Jahren der obere Gemeindeteil Emmen also Emmen-Nord mit Lohren, Bühlmatt, Wellisingen, Hohrüti, Bachtelen und Kapf politisch wohl zu Emmen gehörte, jedoch aber dem Postkreis und der Kirchgemeinde Rothenburg zugehörig war. So hat es sie ideologisch und geistig mehr zu den Rothenburgern als zu den Emmern gezogen. Die Initialzündung für die Darlehenskasse Rothenburg ist damals aber tatsächlich auf Emmerboden gefallen und wir dürfen auch heute noch viele "Emmen-Nördler" als Genossenschafter bei uns willkommen heissen.

Im Emmenbaum wurde dann beschlossen, dass am 13. März 1927 anlässlich der Versammlung des Katholischen Volksvereins, Herr Zentralsekretär Heuberger von St. Gallen, ein Referat über die Darlehenskassen halten sollte. Offenbar hat Herr Heuberger überzeugend gewirkt, denn von den Anwesenden haben sich 34 zur Gründung einer solchen Kasse entschlossen und durch Unterschrift ihren Beitritt erklärt. Das waren 17 Bauern, 7 Handwerker, 4 Lehrer, 1 Wirt, 1 Sachwalter, 1 Privater, der Schweine-, Hund- und Pferdearzt sowie der Gemeindeschreiber und der Kaplan. Sofort wurde die Konstituierung des Vorstandes und des Aufsichtsrates vorgenommen.

Die waren in den Vorstand:
Josef Wildisen, Gemeindeschreiber, als Präsident
Franz Bühlmann, Bauer, als Vizepräsident
Johann Sidler-Schwander, Sachwalter, als Aktuar
Xaver Schwander, Bauer
Gotthard Ackermann, Schneidermeister,
in den Aufsichtsrat:
Anton Schürch, Bauer, als Präsident
Franz Ottiger, Bauer, als Aktuar
Josef Muff, Bauer
Josef Eggerschwiler, Bauer
Josef Ruckli, Bauer
als Kassier ist:
Alois Isenegger, Lehrer

bestimmt worden.

Am Seppitag (schliesslich waren auch vier "Seppene" dabei) wurden im Restaurant Ochsen an der ersten Vorstandsitzung die Gründungsformalitäten erledigt und bereits 2 Tage später am 21. März 1927, wurde die Kasse eröffnet. Schon am 22. März konnte der Kassier die ersten Einnahmen ins Kassabuch eintragen.
In der Ausgabe der Lokalzeitung "Die Heimat" (heute "Die Region") vom 09. April 1927 kann man zur Gründung der Darlehenskasse folgendes nachgelesen:

Die vom kath. Volksverein auf Sonntag, 13. März abhin einberufende allg. öffentl. Versammlung war sehr gut besucht, was Beweis erbringt, dass für das sehr aktuelle Thema: "Was bietet den Bauern, Gewerbsleuten und unselbstständig Erwerbenden, eine Darlehenskasse nach System Raiffeisen", über welches in vorzüglicher Weise Hr. Zentralsekretär Heuberger aus St. Gallen referierte.

"Geld regiert die Welt" - Mit diesem alten Spruch begann Hr. Heuberger sein Referat. Dieser Spruch hat sich noch immer bewahrheitet. Spekulationen und Wechselverkehr sind statutarisch verboten. Dadurch werden stets Verluste vermieden und die Haftbarkeit der Genossenschafter bringt keine grauen Haare. Die Kassen arbeiten nach dem Grundsatz: "Wir wollen nicht Gewinn, wohl aber Hilfe bringen".

Die Männer der leitenden Organe sollen sich führen lassen von Idealismus, sozialem Verständnis und christlicher Nächstenliebe.
Mächtiger Applaus erntete der Herr Referent für seinen sehr schönen und interessanten Vortrag.

Die Eröffnung fand am 21. März mit dem Frühlingsanfang statt und der rege Geschäftsverkehr bis anhin zeigt positiv, dass diese Institution eine Notwendigkeit war. Selbstverständlich wird das Bankgeheimnis in jeder Beziehung voll und ganz gewahrt. Und nun möge diese Frühlingssaat blühen und reifen, zum Nutzen und Segen für alle Einwohner der Gemeinde Rothenburg.

Am Wirtstisch und im Privatgespräch hingegen sagte man der neuen Bank nur ein kurzes Leben voraus und hat auf die damals anderweitigen Bankkatastrophen hingewiesen. Wie sehr sich die damaligen Schwarzmaler geirrt haben und wie prächtig die Frühlingssaat aufgegangen ist, sehen Sie ja heute!

Der erste Kassier war der gestrenge Lehrer Alois Isenegger und er führte die Kassenstelle in seinem Haus an der Bertiswilstrasse und später ein bisschen weiter unten auf der andern Strassenseite in seinem neu gebauten Haus (Friedauweg 4).

Bereits im Juli 1927 wurde in der "Heimat" wieder über die Darlehenskasse berichtet:

So wurde Ende März dieses Jahres, die Darlehens- und Sparkasse Rothenburg aus der Taufe gehoben und es ist wirklich erstaunlich, wie dieses Geldinstitut so rasch sich eingelebt und Fortschritte gemacht hat. Ein Umsatz von rund Fr. 200'000.- ist nach dieser kurzen Zeit schon Tatsache und bald wird die erste Viertel-Million erreicht sein (Im Vergleich: Heute haben wird pro Tag ungefähr Fr. 5'000'000 Umsatz, also für Fr. 200'000 Umsatz dauerst es ca. 20 Min.). Die grössten Optimisten hätten an solche Zahlen anfänglich nicht geglaubt und es ist erfreulich zu sehen, wie diese Kasse aus allen Kreisen unserer Bevölkerung rege benützt wird, auch von solchen, die am Anfang der Sache nicht gar hold gesinnt waren. So ist's recht. Die Kasse und nicht weniger der Kassier, Herr Isenegger, verdienen vollstes Zutrauen.

Die bereits vorgenommenen Kassenrevisionen der hiesigen Bankorgane wie auch die unangemeldete Revision von Seiten des Schweiz. Verbandes, ergaben eine peinliche und exakte Führung der Kasse. Dem Revisionsprotokoll des Schweiz. Verbandes entnehmen wir folgenden Passus: "Die im 3. Betriebsmonat stehende Darlehnskasse Rothenburg verzeichnet bereits erfreuliche Anfangserfolge und es offenbaren Mitgliederzahl, Einlagenverkehr und Kreditbeanspruchungen, dass dieses Institut einem ausgesprochenen Bedürfnis entspricht. Das Resultat der ersten, unangemeldet vorgenommenen Geschäftsprüfung ist ein durchaus befriedigendes. Die gemachten Beobachtungen erlauben uns, die Kasse Rothenburg als durchaus solide, vertrauenswürdige Geldanlagestelle bestens zu empfehlen."

Volkswirtschaftlich sind solche Gemeinde-Kassen von grösster Bedeutung. Der Verkehr ist äusserst angenehm. - Man ist nicht an sog. Bureaustunden gebunden, was für Landwirte und Angestellte von grossem Vorteil ist, da grosse Zeitversäumnis und Spesen aller Art vermieden werden können. Das Bankgeheimnis wird in jeder Beziehung selbstverständlich voll und ganz gewahrt. Ein später sich ergebender grösserer Reservefond wird auch für die Gemeinde einen willkommenen Steuerbatzen bringen. Möge also das begonnene Werk recht bald sich noch weiter ausdehnen und mithelfen zum weitern wirtschaftlichen Aufstieg für Gewerbe und Landwirtschaft, zum Nutzen und Frommen unserer Gemeinde.

Im Jahr 1927 gab es nicht nur neue Frühlingssaat sondern am 2. August auch ein heftiges Hagelwetter. Ein grosser Teil der Dächer waren vollständig zerstört, und schwerer finanzieller Schaden traf jeden einzelnen Gebäude- und Landbesitzer. Der Gesamtschaden in der Gemeinde Rothenburg betrug ca. 1.5 Millionen Franken. Ca. 7 Millionen Stück Ziegel wurden benötigt um wieder alle Dächer zu decken.

Nach diesem Hagelwetter bewährte sich auch die neu gegründete Darlehenskasse bestens. Am 13. August stand dazu in der "Heimat":

Die Darlehenskasse Rothenburg ist in der Lage, an ihre Mitglieder, die durch das Hagelwetter betroffen worden sind, zum Zwecke der Wiederinstandstellung ihrer Gebäude etc. Geld zu sehr billigem Zinsfuss abzugeben. Wenn der Verband es unserer jungen Kasse ermöglicht, ihren Mitgliedern in dieser Notlage wertvolle Dienste zu leisten, so ist das echter Raiffeisengeist, den man durch den Beitritt zur Kasse unterstützen soll.

In Rothenburg hat es im Jahr 1927 57 Geburten und 17 Todesfälle gegeben und 9 Ehen wurde geschlossen.

Im Lokalblatt vom Februar 1928 fand sich wiederum ein Bericht über die Darlehenskasse:

Unsere im Frühjahr gegründete Darlehenskasse, deren Tätigkeitsgebiet nur die Politische- und Kirchgemeinde Rothenburg umfasst, hatte in den ersten neun Monaten einen Umsatz von Franken 647'338.51 gemacht.

Die Zahl der Mitglieder beträgt 56 und wächst von Monat zu Monat. Die Kasse verfügt schon über Fr. 82'421.06 eigene Gelder, die auf Sparkasse und Obligationen angelegt sind. Sie gewährten Darlehen im Betrage von Fr. 120'734.40 und verzeigt einen Konto-Korrent-Verkehr von Fr. 223'776.25 Einnahmen und 181'607.30 Fr. Ausgaben. Diese Zahlen bringen wohl den besten Beweis dass eine solche Ortsbank wirklich ein Bedürfnis war.

Erfreulich ist es auch zu konstatieren, dass Leute, die am Anfang der Sache etwas misstrauisch gegenüberstanden, schon längst Mitglieder geworden sind.
Die Verwaltung einer solchen Kasse ist die denkbar einfachste und billigste. Alle Arbeiten des Vorstandes und des Aufsichtsrates werden kostenlos gemacht, getreu der Devise: "Wir wollen helfen, aber nicht verdienen."

Der Verkehr mit dem stets dienstbereiten Kassier ist äusserst angenehm, besonders auch, dass man an keine Bureaustunden gebunden ist. Nach Abzug der Gründungskosten, verbleibt für dieses Jahr ein Reingewinn von Fr. 225.15.

Mögen darum alle bis heute noch Fernstehenden, die auf irgend eine Weise Bankverkehr haben, sei es Prinzipal oder Angestellte, die Sparkasse- oder Konto-Korrentverkehr haben, sich diese schöne Institution zu Nutze machen.

Betreffend Oeffnungszeiten war es damals und noch viele Jahre "gang und gäbe", dass die Bauern ihre Geschäfte, die sie im Dorf zu besorgen hatten, am Sonntag nach dem Amt erledigten. So wurden Anliegen auf der Gemeindekanzlei vorgebracht, beim Coiffeur Käslin die Haare geschnitten, beim Barmettler Mondi das Milchgeld geholt, beim Metzger Kupper oder Kumschick die Metzgpreise ausgehandelt und anschliessend das Geld auf der Darlehnskasse eingezahlt. Während sich die Herren der Schöpfung im Bären auch noch ein Bier oder Glas Wein gönnten, mussten die Frauen hinter dem Bären warten. Es hatte sich dannzumal doch nicht geziemt, dass Frauen in die Wirtschaft gegangen sind. Frau Wermelinger, die hinter dem Bären wohnte, hatte erbarmen mit den armen frierenden Frauen und servierte ihnen deshalb heissen Tee.

Gemäss einem Protokollauszug der Ortskrankenkasse Rothenburg (heute heisst diese Kranken- und Unfallkasse Rothenburg, KUK) gab es doch noch Personen, die der Darlehenskasse nicht getraut haben, denn da hiess es:
"An der GV entstand eine Kontroverse, weil die Spargelder bei der Kantonalbank abgehoben und bei der ortsansässigen Darlehenskasse angelegt wurden. Posthalter Allgäuer verliess nach 17-jähriger Revisionstätigkeit verärgert die denkwürdige Versammlung".

Im Protokoll der 1. Generalversammlung steht geschrieben, dass 54 Männer oder Jünglinge anwesend waren. Ich persönlich hatte geglaubt die Genossenschafter der Darlehenskasse wären über viele Jahre ein reines Männergremium gewesen. Da sah ich mich aber getäuscht, bereits im Jahr 1929 war eine Frau unter den Neumitgliedern aufgeführt. Trotzdem sind die Frauen noch lange eher Exoten unter den Mitgliedern gewesen und wahrscheinlich gehörte es sich auch nicht, dass sie an die GV in die Wirtschaft gingen. So begrüsste der Bankpräsident an der GV im Jahr 1960 die Anwesenden mit: "Werte Raiffeisenmänner", in späteren Jahren hat er dann mit "verehrte Kassenmitglieder" begonnen.

Wie andernorts, ist der Zweite Weltkrieg auch in Rothenburg nicht spurlos vorübergegangen. So war im Jahr 1940 die Vereidigung der Ortswehr. 80 ältere und nicht diensttaugliche Bürger haben diese Wehr gebildet und hätten im Ernstfall Schutz- und Bewachungsaufgaben übernehmen müssen. Das halbe Dorf ist zu diesem Ereignis zusammengelaufen. Glücklicherweise kamen diese Helden dann nicht zum Ernsteinsatz.

Im Jahr 1941 ist überraschend der Kassier Alois Isenegger gestorben. Im Geschäftsbericht hiess es: "Sein so rascher Tod bedeutet für unsere Kasse einen herben Verlust, und wir vermissen seine rasche, sichere, gewandte Amstführung sehr." Vorübergehend hat dann der Sohn von Lehrer Isenegger, Alois jun. bis zur GV 1944 die Aufgaben des Kassiers übernommen.

In der Einladung zur Generalversammlung von 1944 steht geschrieben: "Der Besuch der Versammlung ist für die Mitglieder obligatorisch. Nicht erscheinen wird mit Fr. 2.- gebüsst." Später hat dann der Vermerk, der noch bis Ende der 60er Jahr jeweils auf der Einladung zur GV stand wie folgt gelautet: "Der Besuch der Versammlung ist für die Mitglieder obligatorisch. Unentschuldigtes Wegbleiben unterliegt der reglementarischen Busse. Keiner soll fehlen." Heute bei rund 3'500 Mitgliedern wäre ein solches Obligatorium schwierig in die Tat umzusetzen.

Im Jahr 1944 hat dann Lehrer Paul Lichtsteiner seine lange Karriere als Kassier bei der Darlehenskasse gestartet. Er ist an der GV in einer Kampfwahl gewählt worden. Von 81 gültigen Stimmen hat er 57 erhalten. Der Wechsel des Kassiers hatte zu dieser Zeit auch ein Wechsel der Banklokalitäten bedeutet. So mussten die Bankkunden neu ihre Bankgeschäfte etwa 150 m weiter Richtung Rüeckringen im Hause Alpenblick, Rüeckringenstr. 4, von Lehrer Lichtsteiner abwickeln. Die Verschiebung des Banktresors war ein Ereignis im Quartier und erwies sich als echtes Problem. Im Wohnhaus von Lichtsteiner's waren nämlich die Türen zu klein um den Koloss hineinzuzügeln. Kurzentschlossen sägte man ein Stück hintere Hauswand heraus, sodass der Kassenschrank hineinpasste. Auch der Zimmerboden war nicht für ein solches Gewicht konzipiert. Damit das schwere Ding nicht im Keller landete, wurden Stützen eingebaut. Sicherheitstechnische Vorkehrungen für eine einbruchsichere Verwahrung des Geldes wurden natürlich auch sofort getroffen. Als wirkungsvolle Alarmanlage haben Lichtsteiner's einen bösen Dobermann angeschafft! Es ist dann eben auch vorgekommen, dass der Hund aus versehen einen Bankkunden gepackt hat, oder dass Bankkunden aus Angst vor dem Hund ihr Geld geholt und auf einer anderen Bank angelegt haben. Aber dank dem Hund hatte auch der gefürchtete Einbrecher Deubelbeiss keine Chance, die Darlehenskasse Rothenburg auszurauben.

Am 25. April 1945 holte Schnitter Tod den Präsidenten des Vorstandes, Herrn Gemeindeschreiber Josef Wildisen. - Sein früher Tod bedeutete für unsere Kasse einen herben Verlust. So steht es in der Schrift zum 25-Jahrjubiläum geschrieben. An der ausserordentlichen GV vom 1. Juli ist als neuer Präsident der bisherige Vizepräsident Franz Bühlmann von Wellisingen gewählt worden.

Nach wirtschaftlich schwierigen Jahren und dem Kriegsende sind auch für die Darlehenskasse wieder bessere Zeiten angebrochen. Folgende Zahlen zeigen wie es von da an wieder aufwärts ging. Wurde 1945 noch ein magerer Gewinn von Fr. 437.- ausgewiesen, so haben sich die Gewinne mit Fr. 5'374.- im Jahr 1950 und mit Fr. 6'800.- im Jahr 1951 markant verbessert, was die Bankbehörden zu der Anmerkung "Wenn das so weiter geht...." in der Rechnung veranlasst hat.
Früher und heute selbstverständlich auch noch sind die Bankorgane immer auf der Suche gewesen um ihren Mitgliedern etwas besonderes anzubieten. Damals haben sie sich für einen jährlichen Ausflug entschieden. Zu diesen Ausflügen kann man in der bereits schon erwähnten Festschrift folgendes nachlesen:
Um jedoch nicht in banktechnischen Belangen sich zu verknöchern und den Mitgliedern gelegentlich auch einmal eine ideale Abwechslung zu bieten, wurde auf gestellte Anregung im Schosse des Vorstandes ab 1947 ein halb- oder ganztägiger Ausflug veranstaltet.

So wurden folgende Ausflüge durchgeführt:
- 26. Juni 1947 Halbtägiger Ausflug auf den Pilatus
- 09. September 1948 Ausflug auf die Rigi mit Mittagessen in Rigi-Kaltbad
- 14. Juli 1949 Reise auf das Brienzer Rothorn mit Mittagessen in Interlaken und Fahrt über den Brienzersee
- 20. Juli 1950 Fahrt mit Autocar über Luzern - Brünig - Grimsel - Furka- Flüelen - Luzern mit Mittagessen im Hotel Grimselhospiz
- 11. Juli 1951 Fahrt mit Autocar nach Engelberg. Besichtigung des Elektrizitätswerkes der Stadt Luzern und dem Kloster Engelberg und Fahrt nach
Gerschnialp - Trübsee - Jochpass mit Mittagessen in Trübsee.

Im Jahresbericht des Bankpräsidenten über das Jahr 1952 habe ich nachgelesen, dass auf einen sehr trockenen Sommer ein nasser Herbst folgte. Viele Bauern konnten die Kartoffeln erst im November einbringen. Soviel zum Jahr allgemein und nun zur Darlehenskasse im Speziellen:
Die damaligen Bankorgane haben beschlossen das 25-Jahrjubiläum in einem grösseren Rahmen zu feiern. Wegen einer öffentlichen Versammlung für das ganze Amt, die in Hochdorf gewesen ist und wo alt Bundesrat Ruedi Minger ein Referat über das Landw. Gesetz, das damals zur Abstimmung gekommen ist, gehalten hatte, musste die Jubiläums-GV vom 9. auf 16. März verschoben werden. Am Sonntagnachmittag, 16. März 1952, 14.00 Uhr, haben dann Gäste und Kassenmitglieder im Ochsensaal ausgiebig das erste Vierteljahrhundert der Darlehenskasse gefeiert.

In der Festschrift zu diesem Jubiläum steht geschrieben: "Verluste hatte unsere Kasse während 25 Jahren keine zu verzeichnen. Der allgemeine Verkehr mit unserer Kasse im Ortskreis darf daher der Bevölkerung angelegentlichst empfohlen werden." Inzwischen haben wir doch leider ab und zu Verluste hinnehmen müssen, die Raiffeisenbank darf aber nach wie vor der Bevölkerung angelegentlichst empfohlen werden.

Es ist in der Festschrift auch eine Empfehlung abgegeben worden, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte:
"Möge sich der Geist der Zusammengehörigkeit auch in unserm Geschäftskreis weiterentwickeln und in allen Bevölkerungsschichten Boden fassen, damit unsere Kasse weiterhin in Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft stark und kräftig auch kommenden Generationen dienen kann, zu Nutz und Frommen unserer lieben Heimat."

Selbstverständlich ist auch in der Regionalzeitung " die Heimat" über das Jubiläum berichtet worden und zwar wie folgt.
Zu einem richtigen Gemeindefest gestaltete sich am letzten Sonntag im "Ochsen"-Saal die Jubiläumsfeier unserer Darlehenskasse.
Die Jubiläumsfeier erhielt angenehme Bereicherung. Da erfreute die Musikgesellschaft Rothenburg mit schmetternden Marschweisen und netten Tongemälden; es sang der Männerchor Rothenburg unter der flotten Leitung von Sekundarlehrer Wanner frische Liedergaben in netter Bereitwilligkeit. Als Vorsitzender der Jubiläumsfeier waltete Herr Schneidermeister Ackermann vortrefflich seines Amtes. Er, der zweiundsiebzigjährige Mann, war mit jugendlichem Elan der Leiter der Dinge, die eine solche Jubiläumstagung beschwingen. Er erinnerte an die eigenen Erlebnisse im Kassenvorstand, dem er ein ganzes Vierteljahrhundert angehörte, er rief die Geschichte der Kasse wach. Eine dramatische Hörfolge, ein lebendes Spiel junger Leute, versinnbildete die Entwicklung der Kasse. Eduard Dormann vom Riedhof schuf diese Szenenfolge, die Musik und Gesang untermalten.

Speziell möchten wir lobend erwähnen, dass die Darlehenskasse Rothenburg zur 25-Jahr-Feier an hiesige Vereine namhafte Unterstützungen (Fr. 1450.-) zukommen liess und insbesondere mit der Grundsteinlegung der Stiftung für eine Krankenpflegestation (Fr. 1000.-) in unserer Gemeinde ein bleibendes Denkmal edler Gemeinnützigkeit geschaffen hat. Nächstenhilfe und Hilfsbereitschaft
aber möge die Kasse von Rothenburg weiterhin ausstrahlen. Dies unser Jubiläumswunsch!
Ich denke, diesem Jubiläumswunsch ist entsprochen worden. Auch in den letzten 50 Jahren hat die Raiffeisenkasse Rothenburg Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft unter Beweis gestellt. Viele Rothenburger Vereine und Institutionen sind in den Genuss von namhaften Beiträgen, oder wie man heute sagt: Sponsoring, gekommen.

Im Jubiläumsjahr wurde von den Bankbehörden ein besonders interessanter Ausflug organisiert. Mit zwei Cars ist die Gesellschaft morgens früh um 5.00 Uhr gestartet. Die Fahrt hat über die Schweizergrenze hinaus in den Hochschwarzwald geführt. Das Defizit von Fr. 472.- wurde von der Bank übernommen. Diese Ausflüge wurden noch bis Ende der 50er Jahre fortgesetzt.

Auf Gemeindeebene hat im Jahr 1957 ein wichtiges Ereignis stattgefunden. Das Schulhaus Konstanz mit 12 Klassenzimmern und einer Turnhalle und einem Singsaal wurde eingeweiht. 7 Lehrer und 5 Lehrerinnen inkl. Hauswirtschaft und Handarbeit unterrichteten zu dieser Zeit an der Schule Rothenburg. Auch Kassier Paul Lichtsteiner erteilte damals immer noch Schulunterricht und führte nur nebenamtlich die Darlehnskasse.
Aus meiner Schulzeit ist mir ein ausserordentliches Ereignis besonders in Erinnerung geblieben - das war 1961 der Aufzug einer neuen Glocke auf den Kirchturm.

Anstelle von Schule sind wir hinter einem Brückenwagen, auf dem die Glocke transportiert wurde, in den Flecken einmarschiert und nachher durften wir helfen am Strick ziehen. Ob unsere Hilfe auch tatsächlich etwas nützte weiss ich nicht mehr genau, aber dass wir nachher einen Servelat und ein Mutschli bekammen ist mir in bester Erinnerung geblieben. - Das war nämlich ein Fest für uns Schulkinder und die ganze Bevölkerung!

Rothenburg ist gewachsen und die blühende Konjunktur wirkte sich natürlich auch auf die Darlehenskasse aus, sodass die Bankorgane beabsichtigten ein Haus oder ein Bauplatz im Flecken zu kaufen, um die Bank etwas mehr ins Zentrum zu verlegen. Auch die Geschäftslokalitäten im Hause Alpenblick reichten nicht mehr aus und der Dobermann entsprach ebenfalls nicht mehr den geforderten Sicherheitsvorkehrungen einer modernen Bank. An der Bertiswilstrasse konnte ein geeigneter Bauplatz für ein Bankgebäude gekauft werden. Im Jahr 1961 wagten die Bankorgane diesen mutigen Schritt und bauten eine neue Bank an der Bertiswilstrasse. Es war geplant, dass das Gebäude auf die GV 1962 fertig sein sollte. Weil die Fertigstellungsarbeiten noch nicht beendet waren, musste die GV auf Dienstag 3. April verschoben werden. Der Schlussspurt klappte dann aber und die neue Bank ist sozusagen mit der GV eröffnet worden.
Die Umgebungsarbeiten waren bei der Eröffnung noch nicht fertig. Für die Gärtnerarbeiten machte der damalige Gärtnermeister Paul Badertscher eine Offerte über Fr. 1'500.-. Offenbar ist diese Offerte zu hoch gewesen, sodass Kassier Paul Lichtsteiner sich bereit erklärte, die Gärtnerarbeit selber zu machen, wahrscheinlich unter gütiger Beihilfe der Familienangehörigen.

Gemäss Bauabrechnung betrugen die Baukosten 270'000.- Franken , der Bauplatz und die Umgebung kosteten 18'000.- Franken.
Erstmals in der Geschichte der Darlehenskasse Rothenburg, sind die Geschäftsräumlichkeiten nicht mehr im privaten Wohnhaus vom Kassier gewesen. Die Banklokale und der Sicherheitsstandard entsprachen der damaligen Zeit, hingegen wurde noch alles von Hand resp. von Kopf und mit Tabellen gerechnet.

Mit ein paar Vergleichszahlen möchte ich dokumentieren was das bedeutet hat:
Im Jahr 1964 war die Bilanzsumme knapp 7 Millionen Franken. Der Umsatz belief sich auf 23 Millionen Franken. In der Banksprache sind diese Zahlen heute wahrscheinlich eher sog. "Peanuts", wenn man aber sich vorstellt, dass all die Zahlen in grosser Fleissarbeit über das Jahr in Kontenblätter eingetragen wurden und am Jahresende von Hand in die Jahresrechnung übertragen werden mussten war das doch recht beträchtlich. Wenn man bedenkt, dass zu dieser Zeit noch keine Rechnungsmaschinen zur Verfügung standen, wird man sich des Aufwandes so richtig bewusst. Dannzumal wurde der Kassier mit Fr. 1.90 pro Fall bezahlt. Im Jahr 1964 waren das 8482 Posten, was einen Lohn von Fr. 16'115.- für das Jahr oder Fr. 1'343.- im Monat ergeben hat. Zu erwähnen ist noch, dass bei diesem Gehalt auch die Mithilfe der Familienangehörigen - denn ohne diese hätte Kassier Lichtsteiner diese Arbeit gar nicht bewältigen können - inbegriffen gewesen war. In der Ertragsrechnung betrug die Position Verwaltung 16'278 Franken was 0.23 % der Bilanzsumme bedeutete. Im Vergleich zu heute beträgt die Bilanzsumme 205,7 Millionen Franken, der Personalwand ist gut 1 Million Franken. Ausgerechnet ergibt das 0.50 % der Bilanzsumme. Bis zum Bezug des neuen Bankgebäudes fanden alle Sitzungen der Bankbehörde im Hause Lichtsteiner statt und 1 - 2 mal jährlich wurden die Behördenmitglieder nach der Sitzung von der Familie Lichtsteiner mit Speis und Trank verwöhnt.
Im Jahr 1965 erhielt der Kassier erstmals 14 Tage Ferien und ein ehemaliger Revisor wurde für die Ablösung beauftragt.
Am 20. Dezember 1965 beschloss die Bankbehörde, eine Buchungsmaschine anzuschaffen, was ein Meilenstein in der banktechnischen Geschichte der Darlehenskasse bedeutete.

Im Jahr 1967 hat die Darlehenskasse Rothenburg das 40-jährige Jubiläum gefeiert. In der aus Anlass erstellen Schrift ist die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft erörtert worden. Unter der Rubrik "Gegenwart" ist folgendes nachzulesen: "Das einzige Mittel zur Erhaltung des Schweizer Frankens ist vermehrtes Sparen. Hier sollten Bund, Kanton und Gemeinde durch sinnvolle Sparpolitik und Zurückhaltung in den Ausgaben mithelfen, um der Konjukturüberhitzung und dem Teuerungsauftrieb entgegenzuwirken. Hier fehlt leider das gute Beispiel der öffentlichen Hand. Es liegt daher im Interesse der Bürgerschaft, hier zum Rechten zu sehen.

Wie es aussieht sind die Herren Bankräte mit den Herren Politiker gar nicht einverstanden gewesen.
Auf die GV 1968 ist Paul Lichtsteiner aus gesundheitlichen Gründen nach 24-jähriger Tätigkeit als Kassier zurückgetreten. "Mit einem Blumenarrangement und einer Schreibmaschine wird dem scheidenden Verwalter die gebührende Ehre und der schuldige Dank abgestattet" steht im Protokoll geschrieben.
Der neue Verwalter hat dann im Juli 1968 erstmals einen Lehrling zur Ausbildung unter seine Fittiche genommen.

Ab 1971 erhielten die Behördenmitglieder eine Entschädigung für ihre Tätigkeit. Im Protokoll wurde explizit darauf hingewiesen, dass es sich nicht um ein Honorar sondern um eine Spesenentschädigung handelt. Als Lohn ist der jährliche Ausflug oder ein Nachtessen mit den Ehefrauen betrachtet worden.
Am 2. Juli 1971 ist Herr Johann Sidler-Schwander nach 44-jähriger Vorstandstätigkeit, 32 Jahre Aktuar + 12 Jahre Präsident, an einer denkwürdigen ausserordenlichen GV von Hans Sager an der Spitze des Bankrates abgelöst worden.

Bereits zehn Jahr nach Bezug der neuen Bank an der Bertiswilstrasse sind im Jahr 1972 in der Bankbehörde erste Grundsatzdiskussionen um einen Neubau auf dem Fleckenhof geführt worden.

An der GV 1973 haben die Genossenschafterinnen und Genossenschafter mit grosser Mehrheit der Anschaffung eines Kleincomputers zum Preis von 76'000 Franken zugestimmt.

Im Jahr 1974 wurde die Bilanzsumme von 20 Millionen überschritten. Dieser Umstand wurde zum Anlass genommen, den Namen Darlehenskasse aufzugeben und sich von nun an Raiffeisenbank zu nennen. Gleichzeit ist der Kassier zum Verwalter befördert worden. Nach 47 Jahren hatte die Kasse eine Bilanzsumme von 20 Millionen ausgewiesen, heute weitere 28 Jahre später ist die Bilanzsumme auf über 200 Millionen gestiegen und der Verwalter heisst heute Bankleiter.

Im Jahr 1977 ist das 50-jährige Bestehen der Dorfbank gross gefeiert worden. Am Samstag, 19. März um 11.00 Uhr trafen sich Genossenschafterinnen und Genossenschafter und Gäste im Pfarreiheim zur Generalversammlung mit anschliessendem Mittagessen und Rahmenprogramm. (Ursprünglich wollte man auch die Ehefrauen der Genossenschafter einladen diese musste dann aber aus Platzgründen daheim bleiben - es war damals noch nicht Mode, dass Ehefrauen grossmehrheitlich auch Genossenschafterinnen waren). Als Geschenk durften die Genossenschafter ein Portmonee mit dem Zins darin in Empfang nehmen. Auch dem Krankenpflegeverein wurde eine Spende übergeben. Sie sehen, Tradition ist bei unserer Bank schon immer hochgehalten worden.
Im Jahr 1978 machte man sich dann ernsthaft mit der Planung einer neuen Bank an die Arbeit. Verschiedene Projekte sind geprüft worden. An einer ausserordentlichen GV im Dezember 1979 wurden die Genossenschafter über den Bankneubau ins Bild gesetzt und konnten auch darüber diskutieren. Am 21. Mai 1980 erteilte der Gemeinderat der Bauherrschaft die Baubewilligung und erfolgte der Spatenstich am 31. Juli 1980. Zügig wurde die Baumeisterarbeiten vorangetrieben.

Am Mittwoch, 4. November 1981 wurde das neue Bank- und Postgebäude wiederum von Pfarrer Alfred Stuber eingesegnet und symbolisch wurden die Schlüssel übergeben. Bei soviel Segen musste das ganze Projekt ja gelingen. Im Rest. Kreuz, in Anwesenheit von ca. 100 Gästen und mit vielen offiziellen Ansprachen, wurde dann das Bauwerk auch noch irdisch eingeschwemmt. Zur Unterhaltung spielten die Buuremusik und die Guuggenmusik Borggeischter. Am Tag der Offenen Tür vom 7. November besuchten ca. 700 - 800 Personen die neuen Post- und Bankräumlichkeiten und am 9. November wurde der Betrieb durch Post und Bank aufgenommen.

Am 1. Dezember eröffnete Bankpräsident Sager die 1. Sitzung der Bankbehörde im neuen Banklokal und hat dies als historischen Moment bezeichnet.
Zum Glück wurde in den 80er Jahren in Rothenburg eine Mehrzweckhalle erstellt, denn an der GV 1987 sah es im Rest. Kreuz ziemlich gedrängt aus. Die hintersten und letzten Plätze wurden belegt (Gartenwirtschaft etc.) um allen GV-Teilnehmern Platz zu bieten. Es war übrigens die 60. GV und der Gemeinderat spendierte aus Anlass eine Runde Kaffee. Am 18. März 1988 wurde die GV erstmals hier in der Chärnshalle abgehalten. Mit 405 Teilnehmerinnen und Teilnehmern hatten wir sozusagen Platz zum versauen. Im Jahr 1991 feierte die Raiffeisenbank Rothenburg das 1000. Genossenschaftsmitglied. Heute nur 11 Jahre später haben wir knapp 3'500 Mitglieder.


15. März 2002/Trudi Müller, ehemalige Aktuarin VR