Wer erbt wie viel?

Revision des Erbrechts

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Das Schweizer Erbrecht ist veraltet und berücksichtigt in erster Linie klassische Familienmodelle. Damit sorgt es für unfaire Verhältnisse, beispielsweise bei Konkubinatspartnern. Mit der anstehenden Revision soll das Erbrecht modernisiert und an heutige Lebensformen angepasst werden. Erfahren Sie hier die wesentlichen Änderungen.  

Wieso braucht es die Revision?

Unser heutiges Erbrecht ist über hundert Jahre alt. Es stammt aus einer Zeit, in der Heirat zwischen Mann und Frau die Norm, Scheidung die Ausnahme und andere Arten des partnerschaftlichen Zusammenlebens verpönt waren. Damit wird es den heutigen Ansprüchen und vielfältigen Lebensformen wie Patchwork-Familien und Konkubinat nicht mehr gerecht und muss angepasst werden.

 

Erbrechtsrevision: Die Hauptelemente

Im Zentrum der Revision stehen die Reduktion der gesetzlichen Pflichtteile sowie eine Vereinfachung für die familieninterne Unternehmensnachfolge. Was bedeutet dies nun konkret und was wird sich damit in Zukunft ändern? Nachstehend werden die Hauptpunkte erklärt.

 

1. Reduktion der Pflichtteile

Wenn keine Nachlassregelung vorhanden ist (z.B. ein Testament), entscheidet das Gesetz wie das Erbe aufgeteilt wird. Dieses begünstigt in erster Linie die Familie des Verstorbenen, also den Ehegatten, die Kinder und – falls keine Kinder (oder Enkelkinder) vorhanden sind – die Eltern. Einige Verwandte haben zudem Anspruch auf einen Minimalanteil am Nachlass, den sogenannten Pflichtteil. Pflichtteilsberechtigte Erben sind der Ehegatte und die Kinder des Verstorbenen. Falls der Erblasser keine Nachkommen hinterlässt, haben auch die Eltern einen Pflichtteilsanspruch. Diese Pflichtteile sollen mit der Revision reduziert werden, damit über einen grösseren Teil des Vermögens frei verfügt werden kann. Erfahren Sie hier mehr zu den gesetzlichen Erbteilen und Pflichtteilen

 

Der Pflichtteil für die Eltern des Verstorbenen soll ganz wegfallen, auch wenn keine Kinder vorhanden sind. Der Pflichtteil der Kinder soll herabgesetzt werden. Derjenige für den Ehegatten sowie eingetragene Partner bleibt gleich. Im Konkubinat lebende – also unverheiratete Partner – gehen weiterhin leer aus. Die nachstehende Grafik verdeutlicht anhand eines Beispiels die Änderungen im Pflichtteil. Somit ist neu bis zur Hälfte des Vermögens frei verfügbar und kann gemäss den Wünschen des Erblassers verteilt werden.

Auswirkung Erbrechtsrevision auf Pflichtteile

 

2. Verlust des Pflichtteilsschutzes während eines Scheidungsverfahrens

Geschiedene Ehepartner haben keinen Anspruch auf einen gesetzlichen Pflichtteil, dies gilt auch für eingetragene Partnerschaften. Das gilt jedoch erst, wenn die Scheidung rechtskräftig ist. Somit behält der überlebende Partner seinen Erb- und Pflichtteilsanspruch aktuell auch dann, wenn der andere Partner während eines laufenden Scheidungsverfahrens stirbt. Mit der Revision ist nun geplant, dass der Partner seinen Pflichtteilsanspruch bereits im Zeitpunkt der Aufnahme eines Scheidungsverfahrens verliert. Bis die Scheidung formell rechtskräftig ist, hat der überlebende Partner jedoch weiterhin Anspruch auf seinen gesetzlichen Erbteil, sofern der Erblasser ihm diesen nicht ausdrücklich mit einem Testament entzogen hat.

 

3. Erleichterung der Unternehmensnachfolge

In einem nächsten Schritt der Erbrechtsrevision soll die familieninterne Unternehmensnachfolge erleichtert werden. Familienunternehmen sind im Todesfall besonders gefordert, wenn das Erbe nicht geregelt ist. Je nach Bewertung einer Unternehmung müssen Unternehmensnachfolger hohe Ausgleichungszahlungen an ihre pflichtteilsgeschützten Miterben leisten. Dies kann ein Unternehmen in Schieflage bringen oder sogar zu einer Zersplitterung führen, wenn ein grosser Teil des Vermögens in der Unternehmung gebunden ist. Mit der Revision soll unter anderem die Möglichkeit für einen Zahlungsaufschub geschaffen werden, falls der Betrieb Liquiditätsprobleme im Falle einer sofortigen Auszahlung hätte. Mehr zu den Änderungen für Unternehmen erfahren Sie im Interview mit unserem Experten  

 

Voraussichtliches Inkrafttreten

Der Nationalrat wie auch der Ständerat haben am 18. Dezember 2020 dem neuen Erbrecht zugestimmt. Die Referendumsfrist läuft am 10. April 2021 ab. Danach wird das Inkrafttreten bestimmt. Sofern nicht das Referendum ergriffen wird, ist mit einem Inkrafttreten auf den 1. Januar 2023 zu rechnen.

Haben Sie Fragen zum Erbrecht oder zur Nachlassplanung? Gerne unterstützen wir Sie im persönlichen Beratungsgespräch.