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Die Märkte im Griff des Coronavirus
Die Märkte im Griff des Coronavirus
Lange Zeit schienen die Aktienmärkte ziemlich immun gegenüber dem Coronavirus zu sein. Mit der zunehmenden globalen Ausbreitung des Virus hat die Stimmung ab Mitte Februar aber abrupt gedreht und es ist zu einem regelrechten Ausverkauf gekommen. Die Monatsbilanz sieht entsprechend düster aus: Der MSCI Welt Index verlor 8 Prozent an Wert und beim Swiss Performance Index (SPI) belief sich der Wertverlust auf 7,5 Prozent. Somit liegen die Aktienmärkte auch seit Jahresbeginn deutlich im Minus.
Globale Konjunktur deutlich eingebremst
Die konjunkturellen Auswirkungen der Pandemie sind bereits deutlich sichtbar. Besonders stark tangiert ist China. Im Reich der Mitte sind die Vorlaufindikatoren förmlich eingebrochen und der offizielle Einkaufsmanagerindex (PMI) ist von 53 auf 28,9 Punkte auf den tiefsten Stand seit Messbeginn gefallen. Dabei markiert die 50-Punkte-Grenze die Schwelle zwischen Expansion und Kontraktion der Wirtschaft. Klar ist somit, dass die chinesische Wirtschaft im Februar de facto zum Stillstand gekommen ist. Auffallend allerdings wenig erstaunlich ist dabei auch der Rückgang im Dienstleistungssektor: Die Konsumlust hält sich aufgrund von Quarantänen sowie Ansteckungsängsten verständlicherweise in engen Grenzen. Nicht anders verhält es sich aufgrund der weltweiten Ausbreitung des Virus zunehmend auch in anderen Ländern. Zu guter Letzt beeinträchtigt die Unterbrechung von Lieferketten die globale Industrieproduktion. Je länger der Ausnahmezustand anhält, desto grösser werden die konjunkturellen Bremsspuren.
Notenbanken intervenieren
Wie so oft sind es die Notenbanken, welche versuchen Gegensteuer zu geben. Überraschend hat die US-Notenbank Fed die Leitzinsen in Form eines ausserterminlichen «Emergency Rate Cut» um 50 Basispunkte von 1,75 Prozent auf 1,25 Prozent gesenkt. Auch die australische sowie die kanadische Notenbank haben ihren Leitzins gesenkt – weitere dürften folgen. Die berechtigte Frage ist allerdings, ob Zinssenkungen in der aktuellen Situation eine wirkungsvolle Massnahme zur Stabilisierung der Konjunktur darstellen. Aus unserer Sicht ist dies kaum der Fall. Erstens lässt sich mit Zinssenkungen das Coronavirus nicht in den Griff kriegen und zweitens werden dadurch die unterbrochenen Lieferketten nicht repariert. Zudem dürften die verängstigten Konsumenten wohl kaum wegen ein paar Zinssenkungen ihr Konsumverhalten ändern. Insofern muss das primäre Ziel weiterhin sein, die Pandemie unter Kontrolle zu bringen. Bis es soweit ist, werden uns in den kommenden Wochen weiterhin schlechte Nachrichten sowohl von der Konjunktur- als auch von der Unternehmensseite erreichen. Für Anleger muss dies nicht per se negativ sein, denn die Aktienmärkte sind sehr effizient darin solche Entwicklungen rasch einzupreisen. Es besteht deshalb kein Grund zur Panik. Wie immer in volatilen und unsicheren Zeiten gilt: Wer seine Emotionen im Griff hat und an der vordefinierten Anlagestrategie festhält, wird auch den aktuellen Coronavirus-Sturm überstehen.
Marcel Crameri
Leiter Anlageberatung Raiffeisenbank Siggenthal-Würenlingen