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Die Unsicherheit überwiegt
Nach einem starken Jahresauftakt beginnt die Zuversicht der Anlegerinnen und Anleger im März zu bröckeln. Einzig Gold kann als Anlageklasse zulegen, weil private Investoren mit dem gelben Edelmetall auf Sicherheit setzen.
Der April begann, wie das erste Quartal aufgehört hat: volatil und mit Kurseinbrüchen. Grund sind die von den USA verhängten reziproken Zölle. Die Schweiz trifft es mit einem Satz von 31 Prozent sehr stark. Gemildert wird der Effekt dadurch, dass Pharmaprodukte (vorerst) davon ausgenommen sind.
Positive Nachrichten werden in der Finanzwelt zunehmend rar. Gold macht da zwar eine Ausnahme, aber nur, weil das gelbe Edelmetall als Hort der Sicherheit gilt. Sein Preis klettert seit längerem von einem Rekord zum nächsten und stieg im März erstmals über die Marke von 3’100 US-Dollar pro Unze. Mit einem Plus von 17 Prozent in den ersten drei Monaten gehört es dieses Jahr zu den besten Anlageklassen.
Privatanleger kaufen Gold
Nachdem die Nachfrage nach Gold in den vergangenen Quartalen vor allem von Notenbanken aus Schwellenländern getrieben wurde, sind gemäss dem Branchenverband «World Gold Council» nun private Anleger auf den Zug aufgesprungen. Diese waren lange untergewichtet. Der Hauptharst dieser Nachfrage kommt dabei aus den USA. Neben der erratischen Politik der Regierung in Washington ist es die Angst vor einem erneuten Aufflammen der Inflation sowie die laufende Korrektur der Aktienmärkte, die Investoren in sichere Anlagen treibt. Die Unsicherheit spiegelt sich auch in der stark angestiegenen Volatilität.
Der Swiss Market Index (SMI) verlor im März 3,1 Prozent. Dank der attraktiven Dividenden verbesserte sich diese Performance um die Ausschüttungen bereinigt, auf -1,9 Prozent. Noch schwächer entwickelte sich der EURO STOXX 50, der in derselben Periode 3,9 Prozent einbüsste. Regelrecht abgestraft wurde die US-Börse. Der breite S&P 500 Index verlor im abgelaufenen Monat 5,8 Prozent und verbucht damit im ersten Quartal ein Minus von 4,6 Prozent. Dagegen liegen die meisten europäischen Aktienmärkte auf Quartalsbasis noch klar im Plus.
Technologieaktien leiden
Zu den Verlierern gehören die Technologieaktien, allen voran die glorreichen Sieben, die noch im vergangenen Jahr für schwindelerregende Rekorde und ebensolche Bewertungen gesorgt haben. Die Kurse notieren zum Quartalsende allesamt niedriger als zu Jahresbeginn. Über einen Drittel ihres Wertes eingebüsst haben die Valoren des Elektroautobauers Tesla. Neben schwachen Absatzzahlen und der zunehmenden Konkurrenz aus China goutieren viele Investoren und Kunden das politische Engagement des CEO’s, Elon Musk, nicht.
Bewegung kam auch in die Zinsentwicklung. So stieg die Rendite 10-jähriger Schweizer Staatsanleihen im März auf 0,8 Prozent. Im Zuge dieser Bewegung hat sich die hiesige Zinskurve normalisiert und ist nicht mehr invers. Das heisst, dass das Risiko längerer Laufzeiten wieder besser entschädigt wird. Diese Entwicklung veranlasste uns, das Untergewicht bei Schweizer Obligationen zu Lasten der Liquiditätsquote zu reduzieren und die Duration zu verlängern.
Gefragte Schweizer Immobilien
Obwohl steigende Zinsen den Immobiliensektor grundsätzlich belasten, behaupteten sich Schweizer Immobilienfonds in diesem Umfeld sehr gut. Das hängt mit der anhaltend hohen Nachfrage, dem geringen Angebot und den absolut immer noch niedrigen Zinsen zusammen. Im Portfoliokontext verbessern Immobilien zudem das Risiko-Renditeprofil. Die kurzfristigen Finanzierungsmöglichkeiten wurden dank der Senkung des Leitzinses der Schweizerischen Nationalbank (SNB) zudem vergünstigt.
Auch die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihre geldpolitischen Zügel im März weiter gelockert. Der Kampf gegen die Teuerung ist zwar noch nicht gewonnen, befindet sich aber auf gutem Weg der Normalisierung. Vielmehr wollen die Währungshüter mit der Zinssenkung die Konjunktur ankurbeln. Nach wie vor ist es der Industriesektor, der nicht auf Touren kommt. So verharren die jüngsten Daten der Einkaufsmanager, sie gelten als verlässlicher Vorlaufindikator für die Aktivitäten in der Industrie, hartnäckig im kontraktiven Bereich. Dasselbe gilt für die Daten aus der Schweiz und den USA. Es ist zu hoffen, dass der Handelsstreit mit den Vereinigten Staaten dieses Bild nicht zu stark belastet.
Marcel Crameri
Leiter Vermögensberatung Raiffeisenbank Siggenthal-Würenlingen