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10.02.2020

Steigende Volatilität an den Finanzmärkten

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Steigende Volatilität an den Finanzmärkten

Der Januar brachte bereits einiges an geopolitischen Überraschungen. Die temporäre Eskalation im Iran sowie die rasante Ausbreitung des Corona-Virus sorgten für Verunsicherung und führten zu einem deutlichen Anstieg der Volatilität. Diese Ereignisse überschatteten auch den Abschluss eines «Phase-1-Deal» im Handelskonflikt zwischen China und den USA.

Das neue Jahr begann mit einem geopolitischen Paukenschlag. Nach der Belagerung der amerikanischen Botschaft durch pro-iranische Demonstranten in Bagdad, reagierten die amerikanischen Streitkräfte am 3. Januar mit der gezielten Tötung von General Qassem Soleimani, dem Anführer der gefürchteten Kuds-Brigaden. Die Situation drohte zu eskalieren und einmal mehr wurden die hohe Fragilität und latenten Spannungen im Mittleren Osten deutlich aufgezeigt. Seither hat sich die Lage glücklicherweise aber wieder etwas entspannt. Für Nervosität und Unsicherheit sorgt dafür derzeit das Corona-Virus.

Das Corona-Virus belastet die globale Konjunktur 
Die Angst vor einer raschen Ausbreitung des neuen Virus, lässt bei den Investoren Erinnerungen an die Sars-Pandemie 2002/2003 wach werden. Damals sorgte die Lungenkrankheit nicht nur für eine Abkühlung der Konjunktur in Asien, sondern auch für einen deutlichen Rücksetzer an den Aktienmärkten. Betrachtet man die heutige Bedeutung Chinas für die globale Konjunktur, dann erscheinen Konjunktursorgen auf den ersten Blick durchaus berechtigt. Denn während das Reich der Mitte damals nur 4 Prozent der Weltwirtschaft ausmachte, sind es heute 17 Prozent. 2003 kostete das Sars-Virus die chinesische Wirtschaft einen ganzen Prozentpunkt an Wachstum. Sollten die Auswirkungen der Krankheit im aktuellen Falle ähnlich hoch wie vor 17 Jahren sein, dann wären die Auswirkungen diesmal auch global deutlich spürbar. Hoffnung, dass es nicht ganz so schlimm kommt wie 2003 gibt es allerdings. Zum einen handeln die chinesischen Behörden diesmal schneller und kommunizieren offener als damals. Insbesondere ist aber die Mortalitätsrate diesmal mit 2 bis 3 Prozent anstatt 10 Prozent deutlich tiefer. Im besten Fall wird die vom Corona-Virus übertragene Lungenkrankheit deshalb ein eher lokales Phänomen bleiben – und somit für die Finanzmärkte nur eine Anekdote. Temporär bleibt aber die Verunsicherung hoch und weitere Korrekturen sind nicht auszuschliessen.

Weitere Kursrücksetzer eröffnen Kaufgelegenheiten
Nach dem extrem starken 2019 musste eine Verschnaufpause so oder so erwartet werden. Die Aktienmärkte waren zuletzt deutlich überkauft und die Anlegerstimmung im Hinblick auf 2020 sehr optimistisch. Dieses Bild hat sich trotz der jüngsten Entwicklungen noch nicht gross verändert. Zwar sind die Auswirkungen des Corona-Virus wie gesagt noch nicht abschliessend abschätzbar. Konjunkturell dürfte aber zumindest im ersten Quartal eine deutliche Wachstumsdelle resultieren. Vor diesem Hintergrund gehen wir davon aus, dass bei den Aktienmärkten in den kommenden Wochen ein Korrekturpotenzial in der Grössenordnung von 3 bis 5 Prozent besteht. Ein solcher Rücksetzer würde dann allerdings Opportunitäten eröffnen und wäre eine gute Kaufgelegenheit. Die Geldpolitik bleibt nämlich bis auf weiteres extrem expansiv und die unverändert tiefen Zinsen sprechen längerfristig weiterhin für Aktien.

Marcel Crameri
Leiter Anlageberatung Raiffeisenbank Siggenthal-Würenlingen