Anlageklasse im Fokus: Obligationen

Anlageklasse im Fokus: Obligationen

Während Zentralbanken seit Jahren den Zinsmarkt manipulieren, bleibt Anlegern das Nachsehen. Tatsächlich bauen sie mit ihren Eingriffen an einem Kartenhaus.

Anleihekäufe der EZB sind zu zwei Drittel ausgeschöpft

Sie sind das wirtschaftliche Heilmittel der vergangenen Jahre: niedrige Zinsen. Zentral- und Notenbanken tun scheinbar alles, damit jedermann Zugang zu billigem Geld bekommt. Ob heftige Corona-Rezession, geplatzte Immobilienblase oder Eurokrise, die jüngste Vergangenheit war von massiven Zerwürfnissen geprägt. Um die wirtschaftlichen Schäden solcher Einschnitte zu überstehen, waren ebensolche Massnahmen zur Bekämpfung gefragt. Die Notenbanken sprangen mit ihrer Geldpolitik bei jeder Gelegenheit in die Bresche. Massiv war dabei vor allem das Ausmass der Programme. Aktuell kauft die US-Notenbank monatlich für rund 120 Milliarden US-Dollar Anleihen und bei der Europäischen Zentralbank (EZB) werden voraussichtlich bis Ende März 2022 Papiere im Umfang von insgesamt 1’850 Milliarden Euro auf die Bilanz genommen. Davon hat sie bislang rund 1’200 Milliarden ausgeschöpft. Die Interventionen haben mittlerweile ein Ausmass angenommen, das noch vor wenigen Jahren unvorstellbar war. 

Monatliche Anleihekäufe, kumuliert in Milliarden Euro

Quellen: EZB, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Während sich die kurzfristigen Sätze direkt über die Leitzinsen steuern lassen, erzeugen die Zentralbanken für länger laufende Anleihen durch ihre Käufe eine künstliche Nachfrage, durch welche die Zinsen über das gesamte Laufzeitenspektrum niedrig gehalten werden. Dieses Vorgehen hilft den Unternehmen und den Staaten, sich günstig Kapital zu beschaffen. Gleichzeitig sendet dieses Vorgehen ein Signal der Sicherheit an die Investoren, dass die Wirtschaft von der Zentralbank nicht im Stich gelassen wird. Das wohl bekannteste Beispiel stammt vom früheren Chef der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, der mit seiner Aussage «Whatever it takes» förmlich den Euro rettete.

Risikoabgeltung wird immer unattraktiver

Was aber geschieht, wenn diese Notenbank-Nachfrage wegfällt, wenn der freie Markt die Steuerung übernimmt? In diesem Fall dürften die Zinsen steigen. Eine Gefahr, die zwar nicht unmittelbar belastet, aber allein die Sorge darum sorgt in regelmässigen Abschnitten für Verunsicherung. Leidtragende sind die Investoren. Seit längerem kämpfen sie damit, dass aus dem risikolosen Zinssatz das zinslose Risiko wurde, die eingegangenen Risiken also nicht mehr ausreichend entschädigt werden. Hinzu kommt das Kursrisiko, dem sie bei anziehenden Zinsen ausgesetzt sind.

Risikoaufschläge griechischer, italienischer und deutscher 10-jähriger Staatsanleihen

Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Solange Zentralbanken derart massiv ins Finanzsystem eingreifen und die Leitzinsen (teilweise) im negativen Bereich halten, erachten wir das Risiko-Rendite-Profil für festverzinsliche Anlagen generell als wenig attraktiv und bleiben stark untergewichtet. Nach dem erneuten Zinsrückgang haben wir bei den qualitativ hochwertigen Schweizer Franken Anleihen nochmals Gewinne realisiert und die Quote weiter reduziert. Im Gegenzug wurden Schwellenländerobligationen leicht aufgestockt – es ist dies eines der wenigen Segmente bei welchen noch positive Verfallrenditen winken.