Digitalisierung des Zahlungsverkehrs

Zahlungen in Echtzeit ausführen

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Neue Technologien beschleunigen den Zahlungsverkehr. Instant Payments erlauben die Ausführung von Zahlungen innert weniger Sekunden. Erfahren Sie, welche Chancen und Risiken die auf August 2024 geplante Einführung des neuen Standards im Zahlungsverkehr mit sich bringt.
 

Die nächste Evolution im Zahlungsverkehr

Elektronische Zahlungssysteme haben bargeldlose Zahlungen enorm vereinfacht. Was bleibt, ist die Ungewissheit, wann das per E-Banking überwiesene Geld ankommt. Doch die nächste Evolution im Zahlungsverkehr ist bereits in vollem Gange. Instant Payments reduzieren die Abwicklungsvorgänge auf wenige Sekunden.

Erste Lösungen dafür gibt es bereits, zum Beispiel Twint. Bis zu 5'000 Franken können damit sofort von Handy zu Handy überwiesen werden. Was die meisten Nutzer der App nicht wissen: Das Geld wird nur vordergründig in Echtzeit überwiesen. Im Hintergrund gehen die Banken der beteiligten Parteien in Vorleistung. Die Bank des Empfängers schreibt diesem den Betrag gut, bis sie das Geld schliesslich einen oder zwei Tage später von der Bank des Auftraggebers erhält.

 

Vorteile von Instant Payments

Instant Payments sind Zahlungen, die in Echtzeit durchgeführt werden, d.h. das Konto des Auftraggebers wird sofort belastet. Dies bringt mehrere Vorteile mit sich:

  • Keine Verzögerungen: Da Zahlungen 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr ausgeführt werden, gibt es keine Verzögerungen aufgrund von Geschäftszeiten oder Feiertagen mehr.
  • Transparenz in Echtzeit: Der Auftraggeber erhält sofort eine Bestätigung, dass die Zahlung beim Empfänger verbucht wurde.
  • Geringere Kreditrisiken: Die rasche Übermittlung und die unmittelbare Bestätigung des Zahlungsvorgangs reduzieren Kreditrisiken bei Zug-um-Zug- und Termingeschäften.
  • Effektivere Liquiditätsbewirtschaftung: Da Verzögerungen wegfallen, müssen zum Beispiel bei Lohnüberweisungen keine zeitlichen Puffer mehr eingeplant werden.
  • Mehr Komfort: Automatisierte Prozesse machen den Zahlungsverkehr noch bequemer. Mit «Request to Pay» entfällt die Eingabe von Daten bei einer Zahlungsaufforderung.

 

Zahlungssystem im Umbruch

Damit Instant Payments auch mit grösseren Beträgen und über Landesgrenzen hinweg funktionieren, müssen sich sowohl die Clearingsysteme der Staaten als auch die Infrastrukturen der Banken weiterentwickeln. «Das bedeutet enorme Investitionen, denn diese Systeme sind sehr komplex», sagt Markus Beck, Leiter Zahlungsverkehr Firmenkunden bei Raiffeisen.

Mehrere Länder im einheitlichen Euro-Zahlungsraum SEPA haben Instant Payments bereits eingeführt, und andere EU-Staaten ziehen nach. Damit entwickeln sich Zahlungen in Echtzeit allmählich zum neuen Standard im einheitlichen Euro-Zahlungsraum SEPA. Auch in der Schweiz kommt die Beschleunigung des Zahlungsverkehrs ins Rollen. Die Schweizerische Nationalbank SNB entwickelt das Swiss Interbank Clearing System (SIC) momentan so weiter, dass die Abwicklung von Instant Payments ab August 2024 möglich ist. Um eine breite Nutzung sicherzustellen, sind alle grösseren Schweizer Banken zur Einführung auf diesen Zeitpunkt verpflichtet.

Der Rückstand der Schweiz auf die EU ist nicht so gross, wie es auf den ersten Blick scheint: «Mit ihrem schnellen Clearingsystem war die Schweiz weltweit eine Vorreiterin», erklärt Beck. «Der Anpassungsdruck war deshalb weniger gross als in der EU.» 

 

Geschäftskunden profitieren besonders

Der heutige Standard bei Inlandzahlungen ist die Beauftragung mit Ausführung am Folgetag. Darüber hinaus sind mit Expresszahlungen auch taggleiche Überweisungen möglich. Instant Payments sorgen für deutlich mehr Tempo: Verzögerungen aufgrund von Feiertagen und Wochenenden fallen weg, denn Instant Payments werden jederzeit ausgeführt – 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr. Der Zielwert für die Transaktionszeit liegt bei 10 Sekunden. «Mit dem Online-Handel hat sich das Kundenverhalten verändert», sagt Beck.

 

«Kunden sind heute gewohnt, dass sie alles sofort bekommen. Diese Erwartungshaltung setzt sich auch im Zahlungsverkehr durch.»

Markus Beck, Leiter Zahlungsverkehr Firmenkunden 

 

Vorteile ergeben sich vor allem auch für Geschäftskunden. Die rasche Übermittlung und die unmittelbare Bestätigung des Zahlungsvorgangs reduzieren Kreditrisiken bei Zug-um-Zug- und Termingeschäften. Zudem ermöglichen Instant Payments eine effektivere Liquiditätsbewirtschaftung.

 

Neue Chance und Risiken im Zahlungsverkehr

Instant Payments werden den Zahlungsverkehr künftig noch bequemer machen. In Verbindung mit dem Internet of Things (IoT) sind automatisierte Zahlungsprozesse denkbar: «Autos» bezahlen Leasingraten selbstständig, oder «Maschinen» begleichen Rechnungen für Reparaturen umgehend. Solche Visionen sind eng verknüpft mit «Request to Pay», der modernen Art der Zahlungsaufforderung.

Neben Chancen bringt die neue Technologie auch Risiken mit sich. «Eine Herausforderung sehen wir in der Verhinderung von betrügerischen Zahlungen», sagt Becl. Die ersten Erfahrungen zeigen es: In allen Ländern, die Instant Payments bereits eingeführt haben, nahmen die Betrugsfälle zu. Vielleicht ist es also ganz gut, lässt sich die Schweiz mit der Umsetzung etwas mehr Zeit.

 

3 Fragen an Markus Beck

 

Weshalb ist der aktuelle Standard nicht mehr schnell genug?

Markus Beck.: Mit dem Online-Handel und der Verlagerung von Zahlungen in das Web hat sich die Erwartungshaltung der Kunden verändert. Bezahl-Apps wie Twint greifen dieses Bedürfnis auf. Nun geht es darum, Instant Payments auf den normalen Zahlungsverkehr zu übertragen, damit diese auch mit grösseren Beträgen möglich werden.

 

Sind Gebühren zu erwarten?

M. B.: Die Investitionen in die Infrastruktur sind wie gesagt enorm. Der Rund-um-die-Uhr-Service verursacht zudem zusätzliche Kosten für die Banken. Von daher ist es eigentlich klar, dass Instant Payments nicht gratis sein können. In Deutschland, wo Instant Payments bereits heute möglich sind, erheben die Banken eine Gebühr von bis zu 40 Cent pro Zahlung.

 

Wiegt der Nutzen die Kosten auf?

M. B.: Der Nutzen von Instant Payments kommt insbesondere überall dort zum Tragen, wo eine schnelle und finale Abwicklung der Zahlung massgeblich ist. Dies ist bei Zug-um-Zug-Geschäften der Fall, zum Beispiel im E-Commerce, oder bei Geschäften, die eine sofortige Nutzung eines Service ermöglichen, wie beispielsweise Streaming-Dienste. Instant Payments ermöglichen damit neue Geschäftsideen entlang digitalisierter Geschäftsprozesse. Und wenn wir uns die Entwicklung der letzten Jahre anschauen, werden Instant Payments in der künftigen Wirtschaft mit Sicherheit eine zentrale Rolle spielen. Damit sind sie auch für Unternehmen von grossem Interesse.

Markus Beck, Leiter Zahlungsverkehr Firmenkunden
Markus Beck, Leiter Zahlungsverkehr Firmenkunden

Markus Beck ist bei Raiffeisen für den Zahlungsverkehr von Firmenkunden zuständig und sitzt im Verwaltungsrat von SIX Interbank Clearing AG. Diese betreibt im Auftrag der Schweizerischen Nationalbank das Schweizer Interbanken-Zahlungssystem (Swiss Interbank Clearing – SIC).