Nachfolgeprozess

Ohne Vorsorge keine gelungene Nachfolge

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Wer die Nachfolge für sein Unternehmen plant, darf seine eigene Altersvorsorge nicht vergessen. Dabei stellen sich Fragen auf der persönlichen, der unternehmerischen und der familiären Ebene, die für eine sorglose Übergabe und den kommenden Lebensabschnitt zu beantworten sind*.
 

Persönliche Ebene

Finanziell gut vorgesorgt in den neuen Lebensabschnitt: Eine seriöse Planung des persönlichen Einkommens und Vermögens bildet die Basis. Diese drei wichtigsten Fragen sollten Sie für sich beantworten:
 

Kenne ich meine Vermögenssituation?

Ausgangspunkt ist eine detaillierte Aufstellung der eigenen Vermögenssituation – sowohl der privaten wie auch der des Unternehmens. Beim Unternehmen ist darauf zu achten, dass auch stille Reserven berücksichtigt werden. Ebenfalls nicht vergessen werden dürfen allfällige Arbeitgeberbeitragsreserven oder Wohlfahrtsfonds. Gerade solche Mittel können relativ einfach aus dem Unternehmen herausgelöst und für die persönliche Vorsorge genutzt werden.
 

Wie hoch ist mein Finanzbedarf im Lebensabschnitt nach der Unternehmensübertragung?

Um zu beurteilen, ob die vorhandenen Mittel ausreichen, muss der Unternehmer wissen, wie viel Geld er überhaupt benötigt. Dazu ist ein umfassendes und realistisches Budget zu erstellen, das dem angestrebten Lebensbedarf gerecht wird. Oft gehen abtretende Unternehmer dabei etwas ungenau vor. In der Regel rechnen sie eher zu optimistisch, weil sie zum Beispiel die Finanzierung von teuren Hobbys oder Reisen unterschätzen. Ganz wesentlich ist es auch, die Steuern im Budget nicht zu vergessen.
 

Habe ich die verschiedenen Vorsorgemöglichkeiten ausgeschöpft?

Hier gilt: Der Gestaltungsspielraum ist umso grösser, je früher entsprechende Massnahmen aufgegleist werden. Eine gute Variante zur Lösung ist beispielsweise, die Vorsorgelücken in der Pensionskasse bewusst zu vergrössern und sich anschliessend in die zweite Säule einzukaufen. Das ist attraktiv, weil sämtliche Einlagen steuerlich voll abzugsberechtigt sind. Gleiches gilt für Säule-3a-Gelder bis maximal 6'826 Franken pro Jahr. Steuerlich zwar nicht begünstigt, aber jederzeit verfügbar, sind Gelder in der Säule 3b zum Beispiel einer Lebensversicherung.

 

Unternehmerische Ebene

Privates und Geschäftliches gehen bei vielen Unternehmern Hand in Hand – auch finanziell. Mit Blick auf die Nachfolge gilt es, das Private und das Geschäftliche sauber zu trennen:
 

Sind Privat- und Geschäftsvermögen konsequent getrennt?

Um Unternehmen und Unternehmer fit für die Übergabe zu machen, sind Geschäfts- und Privatvermögen sauber voneinander zu trennen. Nicht betriebsnotwendige Mittel, wie beispielsweise Liegenschaften, Fahrzeuge oder auch Bargeld, sind rechtzeitig aus dem Unternehmen herauszulösen. Solche Privatentnahmen haben steuerliche Auswirkungen und sind den Steuerbehörden zu melden. Mit der sauberen Trennung liegen die privaten Mittel dann wirklich beim übergebenden Unternehmer und das Unternehmen beinhaltet nur noch die Substanz, die an den Nachfolger weitergegeben werden soll. Die Entnahme der nicht betriebsnotwendigen Mittel reduziert zudem den Verkaufspreis, was wiederum die Finanzierung für den Nachfolger erleichtert.
 

Bin ich auf den Verkaufserlös angewiesen?

Je stärker der Unternehmer für die Finanzierung seines Lebensbedarfs auf den Erlös aus dem Verkauf des Unternehmens angewiesen ist, desto geringer ist sein Handlungsspielraum. Im Idealfall bauen Unternehmer ihre Vorsorge frühzeitig auf und äufnen sie so gut, dass sie nicht zwingend vom Verkaufspreis abhängig sind.
 

Was geschieht, wenn ich unerwartet ausfalle?

Es ist sehr wichtig, auch für die die sogenannten biometrischen Risiken wie Invalidität oder Tod vorzusorgen. Auf der rechtlichen Seite sind mögliche Instrumente dazu ein Testament, ein Erb- oder Ehevertrag. Finanziell kann neben der betrieblichen Vorsorge via zweite Säule, die dritte Säule – z.B. in Form einer Lebensversicherung - eine wichtige Rolle spielen. Der Unternehmer bzw. seine Familie sollte im Vorsorgefall finanziell unabhängig vom Unternehmen weiterleben können. Dies erhöht auch den Spielraum für das Unternehmen, mit anderen Besitzverhältnissen in eine solide Zukunft zu gehen.

 

Familiäre Ebene

Die Regelung der Nachfolge betrifft nicht nur den Unternehmer direkt, sondern hat Auswirkungen auf die gesamte Familie. Um Unstimmigkeiten und Unsicherheiten vorzubeugen, empfiehlt sich vor der Übergabe eine gemeinsame Auslegeordnung.

Haben wir eine Vermögensstrategie innerhalb des Familienverbundes?

Die Nachfolge innerhalb der Familie führt oft zu Problemen, wenn der ehemalige Besitzer auch nach der Übergabe vom finanziellen Erfolg des Unternehmens abhängig ist. Eine im gesamten Familienverbund abgestimmte Vermögensstrategie mit klaren Regeln und transparenter Rollenverteilung hilft, Konflikte und Unstimmigkeiten zu vermeiden. Die Vorsorge des übergebenden Unternehmers wird so zum integralen Bestandteil der Vermögensstrategie des Familienverbundes.
 

Habe ich genügend finanzielle Mittel, um die Nicht-Nachfolger innerhalb der Familie finanziell zu kompensieren?

Das ist eine wesentliche Voraussetzung, um finanzielle Streitigkeiten bei der familieninternen Nachfolge zu vermeiden. Um den Spielraum zu vergrössern, empfiehlt es sich, dem Unternehmen alle betrieblich nicht notwendigen Vermögensteile zu entziehen. So können die Liegenschaften beispielsweise in eine Immobilien AG eingebracht werden, an der diejenigen Familienmitglieder beteiligt werden, die das Unternehmen nicht übernehmen.

 

* In Anlehnung an den «Fragenkatalog Unternehmensnachfolge» des Center for Family Business der Universität St.Gallen (HSG)