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- Unternehmertum
Schweizer Industrie-KMU sind für 2026 verhalten zuversichtlich
- KMU PMI fällt von 50,3 auf 49,4 Punkte und setzt seinen Seitwärtstrend fort
- Nachlassende Nachfrage zieht die Aufträge zum Jahresende hin in den Kontraktionsbereich
- Sonderumfrage zur Geschäftslage 2026: KMU rechnen eher mit neutralem bis positivem Jahr
St.Gallen, 5. Januar 2026. Der Raiffeisen KMU PMI ist im Dezember 2025 von 50,3 auf 49,4 Punkte gesunken und signalisiert damit einen Rückgang der Geschäftsaktivität gegenüber November. Hauptbelastung war die Auftragskomponente, die von 51,6 auf 49,6 Punkte zurückging. Auch die Einschätzung zum Produktionsvolumen sank von 50,4 auf 49,9 Punkte. Zudem verkürzen sich die Lieferfristen, was auf eine nachlassende Nachfrage zum Jahresende hindeutet. Die entsprechende Komponente verringerte sich von 51,6 auf 49,7 Punkte. Die Komponenten Beschäftigung und Einkaufslager stiegen leicht an, blieben jedoch unter der Marke von 50 Punkten, die Wachstum von Kontraktion trennt.
US-Zoll-Deal bringt nur punktuelle Erholung
Seit Juli bewegt sich der Raiffeisen KMU PMI nahe der 50-Punkte-Marke - die Geschäftslage bei den befragten Industrieunternehmen stagniert. Bei den KMU, die sich auf den Schweizer Markt fokussieren, gibt es wenig Schwankungen in der Stimmungslage. Die exportorientierten Unternehmen reagieren hingegen stark auf die wechselhafte Auslandsnachfrage und die globalen Unsicherheiten. Der Exportumsatz auf dem europäischen Markt war im November rückläufig. Die Ausfuhren in die USA sind nach dem Zoll-Deal zwar gestiegen, die Erholung war aber vor allem auf das Flugzeuggeschäft zurückzuführen. Insgesamt fallen die Exportzahlen für das Schlussquartal 2025 bisher schlechter aus als vor einem Jahr. Für das Gesamtjahr zeigt sich ein differenziertes Bild: Viele Branchen erzielten im Jahr 2025 einen grösseren Exportumsatz als im Vorjahr, insbesondere jene, die von Vorzieheffekten im Zusammenhang mit den US-Zöllen profitierten, während die Uhrenbranche voraussichtlich ein Minus erwartet. In der zyklischen Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie zeichnet sich eine schwarze Null ab.
Die meisten KMU erwarten für das neue Jahr eine ähnliche Geschäftslage, wie aus der aktuellen Sonderumfrage von Raiffeisen hervorgeht. Rund die Hälfte der befragten Unternehmen rechnet mit keiner Veränderung im Vergleich zu 2025. Immerhin gehen mehr KMU von einer Verbesserung (rund 30 – 40 Prozent) als von einer Verschlechterung (10 – 15 Prozent) der Geschäftslage aus. Als wichtigste Einflussfaktoren für die Erwartungen an das Jahr 2026 nennen die Unternehmen die Kundennachfrage (70 Prozent) und die allgemeine Konjunktur (44 Prozent). Weitere Aspekte sind die Wettbewerbssituation (25 Prozent), geopolitische Entwicklungen (21 Prozent) sowie – bei exportorientierten KMU – die Wechselkursentwicklung (28 Prozent). Rund 15 Prozent der Unternehmen verweisen auf den Fachkräftemangel und die Kostenentwicklung.
«Trotz punktueller Erholung im US-Geschäft bleibt die Gesamtdynamik verhalten. Für 2026 erwarten die meisten Unternehmen Stabilität, doch die Abhängigkeit von der Nachfrage und der Konjunktur unterstreicht, wie wichtig eine robuste Wettbewerbsfähigkeit und Flexibilität bleiben», erklärt Domagoj Arapovic, Senior Economist bei Raiffeisen Schweiz.
Über den KMU PMI von Raiffeisen
Der Raiffeisen KMU PMI beruht auf demselben Konzept wie die bewährten Einkaufsmanagerindizes (Purchasing Manager‘s Index). Rund 200 Firmenkunden von Raiffeisen aus allen Branchen des verarbeitenden Gewerbes werden monatlich zu verschiedenen Aspekten ihrer Geschäftsaktivität befragt. Dank der grossen Firmenkundenbasis der Raiffeisen Gruppe und der lokalen Verankerung der Raiffeisenbanken ist der KMU PMI breit abgestützt und repräsentativ für die ganze KMU-Landschaft. Die befragten KMU geben eine Einschätzung zu verschiedenen Aspekten der Geschäftsaktivität ab. Die Antworten werden in mehrere, gewichtete Subkomponenten unterteilt, die zu einem Gesamtindex zusammengeführt werden. Die Subkomponenten sind: Auftragsbestand (30 %), Produktion (25 %), Beschäftigung (20 %), Lieferfristen (15 %) und Einkaufslager (10 %). Indexwerte von über 50 Punkte zeigen eine Expansion gegenüber dem Vormonat an, während Werte von unter 50 auf eine rückläufige Geschäftslage schliessen lassen.