Raiffeisenbank am Bichelsee

Urbank

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Raiffeisenbank am Bichelsee, die Gründerbank der Schweizer Raiffeisenorganisation

Wussten Sie, dass die Raiffeisenbank am Bichelsee die erste Raiffeisenbank der Schweiz ist? 

Die Raiffeisenbank am Bichelsee ist die Urbank der Schweizer Raiffeisengruppe. Die Kasse wurde kurz vor Weihnachten 1899 durch eine engagierte Gruppe von Personen unter der Leitung von Pfarrer Johann Evangelist Traber gegründet. Pfarrer Traber war Präsident und Aktuar des Vorstandes, der Lehrer Knecht war Präsident des Aufsichtsrates und der Sticker Köchliwar Kassier: Ein Pfarrer, ein Lehrer und ein Sticker haben die erste Raiffeisenkasse ins Leben gerufen. Die Bank hiess Spar- und Darlehenskassenverein Bichelsee und basierte auf dem genossenschaftlichen Raiffeisensystem, welches durch Friedrich Wilhelm Raiffeisen 1849 im Westerwald, Deutschland gegründet wurde.

Pfarrer Traber

Die erste orientierende Versammlung fand am 3. Dezember 1899 statt, am 17. Dezember folgte die zweite Beratung. Das offizielle Gründungsprotokoll trägt das Datum vom 21.12.1899. Der operative Geschäftsbetrieb wurde am 1.1.1900 aufgenommen. Der erste Eintrag im Hauptbuch fand am 3.1.1900 statt: Eine Obligation von 150 Franken wurde gezeichnet, Zinssatz 4%. Die Gründung erfolgte im Schulhaus Balterswil, die erste Kasse war im Loh (oberhalb Bichelsee-Balterswil) angesiedelt. Die treibende Kraft, Johannes Traber, war Pfarrer in Bichelsee, er wohnte im Pfarrhaus Bichelsee, dieses besteht heute noch.

Der Zweck der Kasse wurde in zwei wichtigen Punkten beschrieben:

  • seinen Mitgliedern die zu ihrem Wirtschafts- und Geschäftsbetrieb nötigen Darlehen zu beschaffen
  • den Mitgliedern Gelegenheit geben, ihre müssig liegenden Gelder verzinslich anzulegen.

Was viele nicht wissen: Im Kanton Bern wurden in den Jahren 1886–1888 drei Darlehenskassen nach dem System Raiffeisen gegründet. Alle drei haben nicht überlebt: Sie wurden liquidiert oder einem anderen Zweck zugeführt. Die Darlehenskasse Bichelsee hatte dank den initiativen Gründern um Pfarrer Traber Bestand und entwickelte sich gut. Im September 1902 wurde gar die Zentralkasse, der nationale Verband mit der Hauptaufgabe den Geldausgleich sicherzustellen, in Zürich gegründet. Die Gründer-Raiffeisenbanken von Raiffeisen Schweiz waren: Bichelsee/TG, Beromünster/LU, Seewen/SZ, Sempach-Neuenkirch/LU, Ettingen/BL, Waldkirch/SG, Niederhelfenschwil/SG, Quarten/SG, Einsiedeln/SZ, und Yberg/SZ. Auch der Verband hatte den Sitz in Bichelsee, Verbandsdirektor war Pfarrer Traber. Erst später wurde der Sitz des Genossenschaftsverbandes nach St. Gallen verlegt. 

Innerhalb von 10 Jahren wurde daraus eine breite Bewegung. 1911 waren 153 Kassen Verbandsmitglieder mit insgesamt 10’000 Mitgliedern. Die Bilanzsumme der Raiffeisengruppe betrug im Jahre 1903 1.8 Mio. Franken mit 1’740 Mitgliedern, heute sind es 235 Mia. Franken mit insgesamt 1.9 Mio. Mitgliedern. 

Auch die Entwicklung der Raiffeisenbank am Bichelsee war in den letzten 120 Jahren beachtlich. Am Ende des ersten Geschäftsjahres 1900 betrug die Bilanzsumme 34’500 Franken, 61 Personen waren Mitglied der Raiffeisenkasse. Bis Ende 1950 stieg die Bilanzsumme auf 4.3 Mio. Franken an. Die Mitgliederzahl betrug 239. Die fusionierte Raiffeisenbank Bichelsee-Turbenthal hatte 1998 eine Bilanzsumme von 260 Mio. Franken und 2’517 Mitglieder. Heute auch nach der Fusion mit der Raiffeisenbank Eschlikon im Jahre 2008 verfügt die Bank über eine Bilanzsumme von rund 960 Mio. Franken und rund 7’780 Mitglieder (Stand 31.12.2020). Das grösste Wachstum der Raiffeisenbank am Bichelsee in ihrer Geschichte fand somit in den letzten 20 Jahren statt, dies im Rahmen der Entwicklung der Raiffeisengruppe hin zu einer systemrelevanten und zur drittgrössten Bank in der Schweiz.

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