«SARON wird den Libor ablösen»

Die Tage des Libor-Zinssatzes sind gezählt. Die britische Finanzmarktaufsicht will die Ermittlung des Zinssatzes nur noch bis Ende des Jahres 2021 unterstützen. Dem Hypothekenmarkt in der Schweiz und den Immobilienbesitzern steht mit dieser Ankündigung eine wichtige Änderung bevor.

Der Libor galt in der Finanzbranche lange Jahre als wichtigste Referenzgrösse für kurzfristige Zinssätze. Er basiert auf den Konditionen, zu denen sich die Banken gegenseitig Geld leihen. Vor einigen Jahren stand der Libor wegen eines Manipulationsskandals in der Kritik. Nach Einschätzung vieler Marktteilnehmer ist damit zu rechnen, dass der Libor spätestens Ende 2021 durch den SARON abgelöst werden wird. Wir haben Roland Altwegg, Experte für alle Fragen rund ums Wohnen, zum Stand des Projekts «Ablösung Libor» befragt.

 

Interview mit Roland Altwegg

Was steckt hinter dem Begriff Libor?

Der Begriff Libor steht für London Interbank Offered Rate; er wird deshalb auch Interbanken-Zinssatz genannt. Der Libor bezeichnet den durchschnittlichen Zinssatz, zu dem sich international wichtige Banken gegenseitig Geld ausleihen. Der Libor wird als Basiszinssatz für diverse Produkte verwendet, so unter anderem bei LiborTop- oder LiborFlex-Hypotheken bei Raiffeisen.

 

Warum soll denn der Libor abgeschafft werden?

Der Libor ist in der Vergangenheit verschiedentlich manipuliert und kritisiert worden. Deshalb soll er abgeschafft werden. An die Stelle des heutigen Libor wird in Zukunft eine neue Kennzahl treten.

 

Welche Kennzahl ist dies in der Schweiz?

Die Nationale Arbeitsgruppe (NAG) für Referenzzinssätze hat bereits im Herbst 2017 den SARON (Swiss Average Rate Overnight) als neuen Schweizer Referenzzinssatz empfohlen. Im Gegensatz zum Libor verweist der Saron auf tatsächliche Transaktionen am Schweizer Geldmarkt. Der neue geplante Zinssatz wird von der SIX Swiss Exchange verwaltet und jeweils direkt nach Börsenschluss berechnet.

 

Vergeben die Raiffeisenbanken weiterhin Libor-Hypotheken?

Ja. Bei allen Neuabschlüssen von Privat- und Anlagekunden haben wir bei der Produktvereinbarung eine Klausel integriert, die darüber aufklärt, wie beim Wegfall des Libors vorgegangen würde.

 

Empfehlen Sie noch den Abschluss neuer Libor-Hypotheken?

Ja, wir sehen aktuell keine Risiken darin, weiterhin Libor-Hypotheken anzubieten. Mit der im Vertrag integrierten Klausel klären wir den Kunden über entsprechende Risiken auf.

 

Wann rechnen Sie mit der Libor-Ablösung?

Bis Ende 2021 wird der Libor voraussichtlich weiterhin im Bankalltag präsent sein, dann ist die Zukunft des Libors unsicher und dürfte definitiv Geschichte sein.

 

Weitere Infos zu den Hypothekarmodellen bei Raiffeisen: www.raiffeisen.ch/hypotheken

Zur Person

Roland Altwegg, Leiter Produkte & Kooperationen bei Raiffeisen Schweiz, berücksichtigt bei der Beratung seiner Kunden deren persönlichen Lebenszyklus.