Vorsorgesystem Schweiz

Vorsorgebarometer 2020

Die dritte Ausgabe des Raiffeisen Vorsorgebarometers zeigt eine Ernüchterung der Menschen in der Schweiz in Bezug auf die finanzielle Altersvorsorge. Gleichzeitig ändert sich das Sparverhalten kaum – trotz der Corona-Pandemie. So planen signifikant weniger Menschen eine Frühpensionierung. Erfahren Sie hier die spannendsten Facts aus der aktuellen Studie.

1. Vorsorgewissen bleibt auf tiefem Niveau

Ein Drittel der Bevölkerung plant eine Frühpensionierung. Gleichzeitig wird mit einem höheren Geldbedarf im Pensionsalter gerechnet. Diese hohen Erwartungen stehen im Konflikt zum weiterhin tiefen Engagement in der persönlichen Vorsorge. Viele Menschen setzen sich wenig oder erst spät mit ihrer Altersvorsorge auseinander. Zwar hat die Säule 3a gegenüber dem Vorjahr an Beliebtheit gewonnen. Dennoch besitzt immer noch rund ein Viertel der Schweizer Bevölkerung keine Säule 3a.

 

Frauen wollen sich früher mit Vorsorge befassen.

Lebensereignisse nutzen

Ereignisse, die die Lebensumstände verändern (beispielsweise der erste Lohn oder der Hauskauf) sind wichtige Auslöser, um sich mit der Altersvorsorge auseinanderzusetzen. Jedoch werden diese Ereignisse noch viel zu wenig genutzt. Rund die Hälfte aller Befragten finden, dass man sich bereits mit dem ersten Job mit der persönlichen Vorsorge auseinandersetzen sollte, da dann in der Regel die Aufnahme in die Pensionskasse erfolgt. 

2. Die Bevölkerung sieht sich in der Hauptverantwortung

Im Vergleich zum Vorjahr sehen deutlich weniger Menschen den Staat in der Verantwortung für die Altersvorsorge, sondern viel mehr sich selbst. Gespart wird dabei trotzdem kaum vermehrt. Im Gegenteil: Die Gruppe der 51- bis 65-jährigen möchte gar weniger sparen. Die Erhöhung des Rentenalters für Frauen von 64 auf 65 Jahre ist für viele aber kein Tabu mehr. Über ein Drittel der Befragten würde dies befürworten.

 

Männer wollen sich häufiger frühpensionieren lassen.

Frühpensionierung verliert an Attraktivität

Zudem planen signifikant weniger Menschen eine Frühpensionierung. Während es bei den Männern noch über ein Drittel ist, ist es bei den Frauen nicht mal mehr ein Fünftel. Der vertiefte Blick auf den Pensionskassen-Ausweis könnte dabei vielen Menschen aufzeigen wie kostspielig eine Frühpensionierung ist. Weiter kann sich ein Grossteil der Bevölkerung vorstellen über das ordentliche Rentenalter zu arbeiten, wenn auch nicht mehr so bereitwillig wie noch vor einem Jahr.

3. Misstrauen gegenüber Institutionen

Im Vergleich zu den Vorjahren büsst die 2. Säule (Pensionskasse) an Vertrauen ein. «Immer häufiger wird eine Auszahlung des Pensionskassenkapitals einer Rente vorgezogen.», sagt Tashi Gumbatshang, Leiter Kompetenzzentrum Vermögens- und Vorsorgeberatung bei Raiffeisen Schweiz.  Auch ansonsten geniesst das Drei-Säulen-System kein hohes Vertrauen bei den Befragten. Insbesondere die Abhängigkeit von der demographischen Entwicklung macht vielen Sorgen.

 

Nachhaltigkeit bei Geldanlagen ist Frauen wichtiger.

Vorsorgeprodukte: Nachhaltigkeit wird wichtiger

Am meisten Vertrauen besteht weiterhin in die 3. Säule. Die Mehrheit sorgt klassisch über ein Vorsorgekonto vor, nur eine Minderheit investiert in Fonds. Über 60 % wünscht sich dabei weiterhin eine Beratung vor Ort. Nachhaltigkeit gewinnt hier immer mehr an Bedeutung, besonders bei Frauen und älteren Personen. Sie stellen nachhaltige Anlageprodukte über das reine Renditestreben. Bei Männern stehen Rendite und Kosten im Vordergrund. 

Das meint der Experte

Das Vorsorgebarometer hat viele neue Erkenntnisse gebracht - und viele neue Fragen aufgeworfen. Vorsorge-Experte Tashi Gumbatshang fasst die Erkenntnisse im Interview zusammen.

   

 

 

Aufzeichnung Live-Event «Vorsorgebarometer 2020» 

Vorsorge-Experte Tashi Gumbatshang

 

 

 

Am 29. September 2020 fand der Live-Event «Vorsorgebarometer 2020» statt. Dabei erläuterte Vorsorge-Experte Tashi Gumbatshang die neusten Erkenntnisse der Vorsorgestudie und beantwortete Fragen der Teilnehmenden.

Über das Vorsorgebarometer

Das Vorsorgebarometer basiert auf einer Befragung, die vom 17. bis 26. Juni 2020 stattfand. Insgesamt nahmen 1'028 Personen im Alter von 18 bis 65 Jahren an der Befragung teil. Die Ergebnisse sind repräsentativ für alle Schweizer Landesteile und zeigen, wie es um die finanzielle Altersvorsorge in der Schweiz bestellt ist. Die Studie wurde erstmals 2018 publiziert und wird jährlich erhoben, um fortlaufend neue Erkenntnisse zum Thema Vorsorge zu gewinnen.

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