Nachfolgelösungen

Unternehmer macht Mitarbeiter zum Unternehmer: Management-Buy-Out als Nachfolgelösung

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Verkauft ein Unternehmer sein Lebenswerk an leitende Mitarbeitende, sorgt das in der Regel für Kontinuität in der Firma. Im Idealfall werden potenzielle Nachfolger frühzeitig ermittelt und gefördert. Was ein Management-Buy-Out (MBO) besonders macht und wie die betriebsinterne Nachfolgeregelung am besten gelingt, erfahren Sie hier.

 

Die Mitarbeitenden zum Chef machen

Tritt ein Unternehmer ab, übernehmen in rund 60 Prozent der Schweizer KMU nicht Familienmitglieder, sondern aussenstehende Dritte. Sind das Mitarbeitende, spricht man von einem Management-Buy-Out (MBO). Mit rund 20 Prozent der Fälle ist dies die in der Praxis am wenigsten häufig vorkommende Form der Übergabe.  

Bei einem MBO wird auf das Knowhow und die Erfahrung eines oder mehrerer Mitarbeitenden gesetzt. Das kann vorteilhaft sein für Branchen, in denen persönliche Beziehungen und Kontakte eine wichtige Rolle spielen. Deshalb sollten Unternehmer frühzeitig klären, ob Mitarbeitende über das Potenzial und Interesse verfügen, selbst unternehmerisch tätig zu werden. Ist dem so, können diese gezielt aufgebaut und an das Unternehmen gebunden werden. Ein MBO dauert im Schnitt rund dreieinhalb Jahre. 

 

Welche Vorteile bietet ein MBO?

  • Vertrauen vorhanden
    Verkäufer und Käufer kennen sich. Der Unternehmer weiss einerseits Bescheid über die fachliche Eignung des Nachfolgers (Knowhow, Kompetenzen, Kompatibilität mit der Unternehmensphilosophie und Kenntnis des Geschäftsmodells). Andererseits ist er vertraut mit seiner Sozialkompetenz.
  • Kontinuität des Geschäfts
    Die Vertrautheit des Nachfolgers mit der Firma, der Firmenkultur sowie auch den Produkten und Dienstleistungen sorgt in der Regel für Kontinuität. Die Einarbeitungszeit fällt tendenziell kürzer aus als bei einem MBI.
  • Starke Verbundenheit
    Meist handelt es sich bei den Nachfolgern um langjährige und loyale Mitarbeitende, die mit dem Geschäft und den Angestellten verbunden sind. Dies sorgt bei Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten in der Regel für Sicherheit und Vertrauen. 
  • Knowhow-Transfer
    Die Nachfolger sind bereits im Unternehmen tätig, was den Knowhow-Transfer vereinfacht und den Bestand des firmeneigenen Wissens sichert.
  • Informationssicherheit
    Wichtige geschäftsinterne Informationen gelangen nicht an Aussenstehende. 
  • Motivationsfördernd
    Die Wertschätzung, welche der übergebende Unternehmer dem Nachfolger entgegenbringt, wirkt sich positiv auf dessen Motivation aus.  

 

Welche Nachteile kann ein MBO mit sich bringen?

  • Geringerer Verkaufspreis
    Wegen des üblichen Loyalitäts-Discounts bringt der Verkauf ans Management meist einen geringeren Erlös als einer an Investoren oder ein anderes Unternehmen.
  • Schwierige Finanzierbarkeit
    In der Regel verfügen Mitarbeitende nicht über das nötige Eigenkapital, um den Firmenkauf zu stemmen. Abhilfe schaffen kann etwa ein Verkäuferdarlehen. Damit trägt der abtretende Unternehmer das unternehmerische Risiko mit, ohne operativ tätig zu sein. Verkäufer und Käufer stehen in einem Abhängigkeitsverhältnis, das potentiell mehrere Jahre dauern kann. 
  • Persönliche Nähe
    Die gute persönliche Beziehung von Verkäufer und Käufer kann Segen und Fluch sein. Letzteres weil in Verkaufsverhandlungen statt Pragmatismus die Emotionalität Überhand nehmen und das Ergebnis negativ beeinflussen kann. Es empfiehlt sich deshalb, externe Unterstützung in Anspruch zu nehmen. 
  • Längere Dauer
    Der Verkaufsprozess ans Management dauert mehr als doppelt so lang wie jener an Externe (MBI). Beim MBO sind es im Schnitt 3,3 Jahre, beim MBI 1,6 Jahre.
  • Schwieriger Rollenwechsel
    Der Schritt vom guten Manager zum Unternehmer gelingt nicht jedem. Es wächst nicht nur der Druck, sondern auch das Aufgabengebiet, wenn die abschliessende Verantwortung für Finanzen und Personal hinzukommt.
  • Strukturerhaltung statt neue Impulse
    Die Nachfolge bietet die Gelegenheit, Bestehendes zu hinterfragen und neue Impulse einzubringen. Betriebsinterne Nachfolger können dazu tendieren, die bestehenden Strukturen länger und/oder stärker zu erhalten und die – allenfalls notwendige – Erneuerung aufzuschieben.
  • Enttäuschte Mitarbeiter
    Haben mehrere Angestellte ein Interesse, das Unternehmen zu übernehmen, besteht Konfliktpotenzial. Die konkrete Wahl könnte zum Abgang der anderen Interessenten führen, was wiederum den Wert des Unternehmens mindern könnte.

 

Die betriebsinterne Nachfolge frühzeitig aufgleisen

Ein MBO ist ein Prozess, der Verkäufer und Käufer fordert – und Zeit braucht. Im Idealfall stehen drei bis fünf Jahre zur Verfügung. Weil ein MBO sowohl rechtlich als auch finanziell und steuerlich komplex ist, kann eine externe Begleitung, wie sie beispielsweise das Raiffeisen Unternehmerzentrum (RUZ) anbietet, kann massgeblich zu einem erfolgreichen Nachfolgeprozess beitragen.

Bei der Planung und Umsetzung der unternehmensinternen Nachfolge folgende zwei Aspekte berücksichtig werden:

 

Finanzierung vs. Zukunftsfähigkeit

Der Kaufpreis sollte zumindest teilweise aus dem künftigen Cash-Flow des Unternehmens finanziert werden können. Aus diesem Grund sollte die Verschuldung der Firma möglichst tief sein. Weil die künftig erwirtschafteten Mittel teils zur Übernahmefinanzierung verwendet werden müssen, stehen dem Unternehmen allenfalls weniger Mittel für Investitionen zur Verfügung, was sich nachteilig auf die Wettbewerbsfähigkeit auswirken kann. Nicht vergessen werden darf, dass zusätzlich zur Unternehmensfinanzierung auch noch die Finanzierung der Übernahme anfällt (Gebühren, Beratung, allenfalls zusätzliche Steuern).

 

Ablauf eines MBO in fünf Schritten

Gerade weil Verkäufer und Käufer bei einem MBO miteinander vertraut sind, lohnt es sich, den Prozess gut strukturiert zu führen, denn Vertrauen alleine ist noch nicht Garant dafür, dass später auch alles so eingehalten wird, wie man es (vermeintlich) besprochen hat.

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