Leasing für Unternehmen

Corona stärkt Firmenleasing

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Ein nachhaltig denkender Winzer im Rheintal, ein innovatives Recycling Center bei Winterthur und ein Maschinenbau-Unternehmen, das aus Burgdorf die ganze Welt beliefert. Drei Unternehmen unterschiedlicher Grösse in verschiedenen Branchen nutzen Firmenleasing auf ihre Art.
 

Firmenleasing in der Praxis

Inzwischen tragen Unternehmen zu einem Drittel des Leasingbestands von 24 Milliarden Franken bei. Die Corona-Krise sorgte 2020 für einen weiteren Schub, da die Liquiditätssituation in vielen Betrieben angespannt ist. Aus welchen Gründen die drei Unternehmer (Winzer Roman Rutishauser, Recycling-Spezialist Armin Mühle und Urs Ritter, CEO Aebi Schmidt Schweiz) auf Leasing setzen, schildern sie im folgenden Video:

Leasing eines Rebbaufahrzeugs bei Winzer Rutishuser

Die Novembersonne bescheint den Buchberg so grosszügig, dass Roman Rutishauser nicht einmal eine Jacke trägt, wenn er die Reben auf den 7 Hektaren seines Weingartens beschneidet. Es ist eben dieses milde Klima im Rheintal, das der Winzerfamilie seit drei Generationen ausdrucksstarkes Traubengut beschert. Die extreme Steillage auf dem kargem-tonigem Boden sorgt für den richtigen Charakter, verlangt dem 36jährigen aber genauso viel Schweiss ab wie dem Vater und Grossvater vor ihm. Ein speziell für Rebberge an Hanglage entwickeltes Allrad-Fahrzeug, das die Bewirtschaftung sicherer, den Pflanzenschutz effizienter macht, stand für 2020 auf der Wunschliste. 80'000 Franken wären schon unter normalen Umständen kein einfach zu stemmender Budgetposten. Doch dann kam Corona.

Genau in den umsatzschwachen Monaten von Januar bis März schlagen der Kauf der Flaschen, Verpackung, Etikettierung und Marketing mit 35'000 Franken zu Buche. Angesichts der mangelnden Liquidität rückte der Kauf des Rebbaufahrzeugs in weite Ferne. Unglücklicherweise, denn das Bundesamt für Landwirtschaft hatte einen Anreizbeitrag für Investitionen in umweltschonende Technologie in Aussicht gestellt – allerdings nur für 2020.

Winzer Rutishauser hat er ein Allradfahrzeug geleast.

Winzer Roman Rutishauser kultiviert in Thal SG acht unterschiedliche Rebsorten. Für die bessere Bewirtschaftung seiner Rebanlagen hat er ein Allradfahrzeug geleast.

Progressive Leasing-Struktur

Eine Begegnung brachte den Stein wieder ins Rollen. Marc Hintermeister, Leiter Leasing der Raiffeisen Schweiz, hatte eine Degustation besucht und eine massgeschneiderte Leasinglösung im aktuellen Covid-Umfeld aufgezeigt. Mit dem Südtiroler Lieferanten konnte ausgehandelt werden, durch eine Anzahlung die Bestellung noch vor Ende Jahr auszulösen. Dank der progressiven Leasing-Struktur zahlt der Winzer vorerst eine geringe Rate. Die erhöht wird, sobald das Weingeschäft wieder normal läuft. Der Raiffeisen-Experte rechnet langfristig: «Damit war die Weiterentwicklung des Betriebs sichergestellt» Und somit auch die Erfolgsaussichten fürs nächste Weinjahr.

Die Anschaffung erlaubt Rutishauser auch Planungssicherheit - gemäss einer Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) einer der Hauptgründe, warum Schweizer KMU mit Leasing ihr Cash Management optimieren. Die Verträge sind in der Regel auf zwei Drittel der wirtschaftlichen Nutzungsdauer angelegt.

Finanzierung von neuen Nutzfahrzeugen im Recyclingwerk

Bis zu 30'000 Tonnen Material gehen durch die Triage des Recycling-Spezialisten Armin Mühle. Der kreischende Lärm seiner 650-Tonnen-Schrottschere ist Musik in den Ohren des Inhabers der Hs. Mühle Recyling AG. Was hier gepresst, gehäckselt und geschnetzelt wird, sind keine Abfälle mehr – sondern wiederverwertbare Sekundärrohstoffe. Corona hat sich auch beim Recyclingwerk in Riet bei Winterthur bemerkbar gemacht, wenn die Pandemie auch für Ausgeglichenheit gesorgt hat. Was aus Eventbranche und Gastronomie weniger anfällt, wird kompensiert durch Verpackungsabfälle von Privathaushaltungen. Die Kartonpresse faltet die unzähligen Schachteln von Online-Bestellungen zu handlichen Paketen. Und aus einem Berg von Holz, in dem noch die Palletten und andere Elemente von Verpackungen sichtbar sind, macht ein Holzbrecher im Handumdrehen Schnitzel, zur Gewinnung von Spanpressplatten oder Energie.

 

Jahr der grossen Investitionen

Ausgerechnet in diesem unsicheren Jahr standen aussergewöhnliche Investitionen an. Ein Fünf-Millionen-Bau mit einer umfassenden Entsorgungsstrasse hat liquide Mittel gebunden. Gleichzeitig aber sollte der Wagenpark erneuert werden: drei Lastwagen, ein Bagger, zwei Stapler. Dabei setzt Mühle auf die Elektrifizierung seiner Flotte, um die Emissionen seines Betriebs zu senken.

Recyclingunternehmen Armin Mühle nutzt Firmenleasing.

Armin Mühles Recyclingunternehmen investiert in Nachhaltigkeit. Bei der Erneuerung seines Wagenparks setzt er auf die Elektrifizierung seiner Flotte.

Seine Kundenberaterin der Raiffeisen-Niederlassung in Winterthur stellte den Kontakt mit den Leasing-Experten her. Für Armin Mühle die erste Annäherung an die «Pay as you earn»-Methode. Dabei gehören Nutzfahrzeuge und Baumaschinen zu den wichtigsten Kategorien im Schweizer Leasingmarkt, wie die Statistik des Schweizerischen Leasingverbands (SLV) zeigt: ein Drittel der Investitionsgüter besteht aus Last- und Lieferwagen, Baggern und weiteren Baumaschinen.

 

Raten werden aus dem laufenden Ertrag bezahlt

Mühles Paket war schnell geschnürt: Die Bank befürwortete die Installierung einer Rahmenlimite von 1,5 Millionen für die Anschaffung. So erweiterte Armin Mühle im Jahr des Neubaus den Fuhrpark, ohne Eigenkapital anzugreifen. Der Recyclist konnte die Zinssätze entsprechend der unterschiedlichen Laufzeiten festlegen, da die Amortisation je nach Einsatzzweck zwischen drei und fünf Jahren liegt. Marc Hintermeister: «Die Raten können vom laufenden Ertrag des Leasingobjekts bezahlt und dem Betriebsaufwand steuerwirksam belastet werden. In einer Vollkostenrechnung schneidet Leasing in vielen Fällen häufig besser ab als ein Kredit.» Der Grund: Mit der monatlichen Rate werden laufend Amortisationen geleistet – ein Vorteil gegenüber der verzögerten Amortisationsstruktur eines endfälligen Investitionskredits.

 

Aebi Schmidt nutzt Vendor-Partnerschaft

Eben rollt aus der Fabrik in Burgdorf der Bestseller der Traditionsmarke Aebi: der Terratrac. Robust sieht er aus, der rote Hang-Geräteträger, überwindet auf dem Testparcours mühelos ein Geländehindernis. «Weltspitze im Steilhang», heisst es von ihm, und offenbar stimmt der Schweizer Bauernstand zu. Denn die Landwirtschaft ist weiterhin wichtigster Abnehmer der Maschinen- und Gerätemarke, deren Produkte dank vieler Anbaugeräte das ganze Jahr über eingesetzt werden können. Doch die Erträge der Bauern stehen durch den Preiszerfall auf unsicheren Füssen. Kostendruck und Abhängigkeit von teuren Maschinen nehmen zu. Darum leasen immer mehr Bauern. Dabei können die Raten auf die Zyklen der Direktzahlungen oder Ernteerträge abgestimmt werden.

Aebi Terratrac leasen dank Raiffeisen Partnerschaft

Der Terratrac ist der Bestseller der Traditionsmarke Aebi. Dank der Partnerschaft mit Raiffeisen ist eine Vorfinanzierung der Aebi-Geräte möglich.

Vorfinanzierung der Aebi Landmaschinen 

In Burgdorf, unweit vom heutigen Werkstandort entfernt, begann die Geschichte von Aebi 1883 mit der ersten Werkstatt. Weiterentwicklung ist hier noch immer gross geschrieben. Nicht nur in der Modifikation der Modelle. Auch in den Zahlungsmodalitäten. Erstmals stützt man sich im Verkauf auf eine Vendor-Partnerschaft zur Vorfinanzierung der Geräte bei den Händlern. «Das 3-Phasenmodell ist für alle Beteiligten noch neu», erklärt Urs Ritter, der CEO Aebi Schmidt Schweiz, «aber die ersten Erfahrungen sind gut.» Der Händler kann mit dem Modell die Aebi-Geräte, die er erst im kommenden Jahr verkaufen wird, schon jetzt zur Demonstration in Bestand und Showroom aufnehmen. 

Die wertbeständigen Landmaschinen haben am Ende der Laufzeit oft einen hohen Restwert. Bei der Neuanschaffung kann dieser Wert in den neuen Leasingvertrag eingebracht werden. Bei manchen Händlern liegt der Leasing-Anteil gemäss BauernZeitung bereits bei über 50 Prozent. Die Landwirtschaft trägt mittlerweile rund 4 Prozent zum gewerblichen Leasingmarkt in der Schweiz bei. 

Aebi ist heute Teil einer international tätigen Gruppe. Den Heimmarkt hat man aber in Burgdorf nicht aus den Augen verloren. Das flexible Vertriebsinstrument setzt nicht nur Investitionspotenzial aufseiten der Händler frei, es eröffnet auch Absatzchancen auf der Seite der Anbieter. In einer Zeit, die Flexibilität sowohl von Produzenten wie auch von Kunden verlangt, zeigt Leasing zunehmend Vorteile als Investitionsmodell.