Schweizer Aktien: Unternehmensqualität und -nähe zentral

Werden Anlegerinnen und Anleger an der Schweizer Börse auch dieses Jahr einen wilden Ritt erleben? Der Fondsmanager des Raiffeisen Futura – Swiss Stock sieht das Anlageumfeld weiterhin von Unsicherheiten geprägt, ist aber zuversichtlich für Aktien von Schweizer Qualitätsunternehmen. Er verrät, worauf er bei der Auswahl der Unternehmen achtet und warum er im Fonds Firmen aus defensiven und zyklischen Branchen mischt.

Fondsmanager

Marc Hänni
Senior Portfolio Manager, Leiter Aktien Schweiz

Marc Hänni

Marc Hänni leitet das Team Aktien Schweiz von Vontobel Asset Management seit Oktober 2011. Er verwaltet diverse Anlagefonds und Mandate, die in Schweizer Aktien investieren. Zum Team kam er 1998, bei Vontobel arbeitet er seit 1993. Nach der Banklehre studierte er berufsbegleitend an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) und schloss als Betriebsökonom FH ab. Er ist ausserdem Certified International Wealth Manager (AZEK-CIWM). Den 2001 lancierten Raiffeisen Futura – Swiss Stock verwaltet er seit 2003.

 

Was bedeutet eigentlich

SPI?
SPI ist die Abkürzung für Swiss Performance Index. Dieser Index umfasst jene Schweizer Firmen, deren Aktien an der Schweizer Börse gehandelt werden. Er bildet also den breit gefächerten Schweizer Aktienmarkt ab.

Defensiv versus zyklisch?
Das Börsensegment der Schweizer Large Caps umfasst viele Vertreter aus defensiven Branchen wie Nahrungsmittel, Gesundheit und Telekommunikation. Firmen, die in diesen Bereichen aktiv sind, bieten Produkte und Dienstleistungen an, die immer gebraucht werden. Deshalb halten sie einer Konjunkturabkühlung typischerweise besser stand als jene aus zyklischen Branchen. Hier überwiegen kleine bis mittelgrosse Firmen. Somit ist das Börsensegment der Schweizer Small & Mid Caps deutlich anfälliger für den Konjunkturzyklus.

Tabelle zum Thema

Wertentwicklung Raiffeisen Futura – Swiss Stock versus Schweizer Aktienmarkt (SPI)

Wertentwicklung Raiffeisen Futura – Swiss Stock versus Schweizer Aktienmarkt (SPI)

Die vergangene Performance ist kein zuverlässiger Indikator für die laufende oder zukünftige Performance. Der Wert des im Fonds angelegten Kapitals kann steigen oder fallen. Für die vollständige oder teilweise Rückzahlung des angelegten Kapitals gibt es keine Garantie. Die Performancedaten lassen die bei der Ausgabe und Rücknahme der Anteile erhobenen Kommissionen und Kosten unberücksichtigt.

Daten per 31.12.2023 (Rundungsdifferenzen).

Quelle: Vontobel Asset Management.

 

Wichtiger rechtlicher Hinweis:
Der Fonds investiert auch in Aktien anderer Firmen als den aufgeführten. Es darf nicht davon ausgegangen werden, dass eine Investition in die Aktien der aufgeführten Firmen rentabel war oder sein wird. Die Aktien und ihre Gewichte im Fonds können jederzeit ohne Ankündigung geändert werden.

Herr Hänni, das vergangene Börsenjahr war von Unsicherheit geprägt. Wird es dieses Jahr besser?

Das wünschen wir uns alle. Mit Blick auf die Wirtschaftslage ist die Inflation in den Industrieländern inzwischen unter Kontrolle. Doch die Zentralbanken sind immer noch restriktiv, was die Unternehmen in Form hoher Refinanzierungskosten spüren. Darunter leiden besonders kleine bis mittelgrosse Firmen. Die Weltkonjunktur kühlt weiter ab, was die Gewinne und Margen der Unternehmen unter Druck setzen könnte. Die US-Wirtschaft befindet sich nach meiner Einschätzung bereits in einer milden Rezession. In Europa ist das Bild gemischt. Besonders schwierig ist die Lage zum Beispiel in der Bau- und Autoindustrie Deutschlands, dem zweitwichtigsten Handelspartner der Schweiz. Der für die Welt wichtige Wirtschaftsmotor China stottert nach den langwierigen pandemiebedingten Stilllegungen entgegen meinen Erwartungen immer noch. Mit Blick auf die Geopolitik hält der Krieg in der Ukraine unvermindert an, in Nahost brodelt ein sich ausbreitender Krisenherd, der Konflikt zwischen China und Taiwan schwelt weiter, die Grossmächte bleiben uneins, während sich auch die Gesellschaft zusehends in zwei Lager teilt. Somit bleibt das Weltgeschehen ungewiss und das Anlageumfeld anspruchsvoll. Für Investitionen in Aktien halte ich deshalb einen mittel- bis langfristigen Anlagehorizont für sinnvoll.

 

Wie schätzen Sie die Lage für das laufende Jahr ein?

Soweit ich die weltweite Situation zum heutigen Zeitpunkt beurteilen kann, sollten die USA ohne schwere Rezession davonkommen. Die chinesische Wirtschaft dürfte im weiteren Jahresverlauf allmählich anziehen, auch dank Unterstützungsmassnahmen der dortigen Regierung. Nach dem kräftigen Schluss-Spurt, den die Aktienkurse 2023 hinlegten, nehmen sie in meinen Augen einen Teil der im laufenden Jahr erwarteten Leitzins-Senkungen bereits vorweg. Auf der Zinsseite erwarte ich erst in der zweiten Jahreshälfte 2024 eine Entspannung. Bis dahin werden die Unternehmen mit hohen Refinanzierungskosten konfrontiert bleiben. Falls die Zentralbanken in den kommenden Monaten ihre Leitzinsen senken, sollten besonders die kleinen bis mittelgrossen Unternehmen in der zweiten Jahreshälfte aufatmen können. Zudem könnte eine weitere Aufwertung des Schweizer Frankens lokale Anleger zu vermehrten Investitionen in Schweizer Unternehmen veranlassen. Alles in allem bin ich daher recht zuversichtlich.

 

Was ist Ihr Patentrezept für Anlagen in Schweizer Aktien?

Ich bin überzeugt, dass die Titelauswahl, die Diversifikation und aktives Management miteinander kombiniert über den Anlageerfolg entscheiden. Mein Patentrezept lautet demnach, äusserst sorgfältig ausgewählte Aktien von Schweizer Qualitätsunternehmen verschiedener Grösse aus verschiedenen Branchen in einem diversifizierten Portfolio so zu mischen, dass die Risiken gut verteilt sind, und diese Aktien-Positionen flexibel dem laufend ändernden Anlageumfeld anzupassen. Das erfordert fundierte Kenntnisse der Unternehmen und ihrer direkten Konkurrenten, der wirtschaftlichen und geopolitischen Lage sowie der weltweiten Finanzmärkte. All dies untersuche ich zusammen mit meinem auf Schweizer Aktien spezialisierten Team tagtäglich intensiv in mehreren Dimensionen. Dazu gehören detaillierte Analysen und Modelle zu den einzelnen Unternehmen, genaues Erörtern ihrer Wettbewerbssituation, zum Beispiel auf Fachmessen, der rege Meinungsaustausch mit anderen Analysten und – aus meiner Sicht am wichtigsten – regelmässige Kontakte mit Vertretern der Geschäftsleitungen und den Verwaltungsräten der Firmen sowie Betriebsbesichtigungen direkt vor Ort. Daraus nehme ich jedes Mal wichtige Erkenntnisse mit. Durch diese fortwährende Nähe zu den Unternehmen kann ich mir einen Wissensvorsprung verschaffen. Dank ihm kann ich rasch reagieren und die zugehörige Aktien-Position im Portfolio so verändern, wie ich es für angebracht halte. So handhabe ich das für den Raiffeisen Futura – Swiss Stock seit eh und je.

 

Welche Punkte stehen auf Ihrer Qualitäts-Checkliste?

Unter Qualität verstehe ich Firmen mit führender Weltmarktstellung, starker Bilanz mit geringer Verschuldung, Innovationskraft, Preissetzungsmacht, stabilen Margen, vorbildlicher Unternehmenskultur und nachhaltiger Dividendenpolitik. In wirtschaftlich unsicheren Zeiten wie jetzt bevorzuge ich Unternehmen, die nur wenig von der Konjunktur- oder der Zinsentwicklung abhängen, weil sie nebst den genannten Qualitätseigenschaften auch über ein widerstandsfähiges Geschäftsmodell verfügen. Nur wenn ich nach eingehender Prüfung all diese Punkte auf meiner Checkliste abhaken kann, kommt eine Anlage im Raiffeisen Futura – Swiss Stock in Frage, sonst nicht.

 

Bevorzugen Sie grössere oder kleinere Unternehmen?

Im Schnitt der letzten rund 30 Jahre rentierten Aktien von kleinen bis mittelgrossen Schweizer Firmen, die sogenannten Small & Mid Caps, besser als Aktien grosser Schweizer Firmen, die sogenannten Large Caps. Dies, weil zahlreiche anfänglich kleine bis mittelgrosse Schweizer Unternehmen aus verschiedensten Branchen dank erfolgreichem Wirtschaften über die Zeit die weltweite Marktführerschaft erlangten. Während der letzten fünf Jahre hingegen setzten der verschärfte Handelskrieg, die Pandemie, eingeschränkte Lieferketten, hohe Inflation, aggressive Leitzins-Erhöhungen der Notenbanken und geopolitische Instabilität den typischerweise stärker von der Konjunktur abhängigen kleineren Schweizer Firmen mehr zu als den eher defensiv ausgerichteten grossen. Doch mittel- bis langfristig überzeugen mich viele kleine bis mittelgrosse Schweizer Unternehmen mit ihrer Qualität weiterhin. Ein Vergleich der aktuellen Kurse an der Schweizer Börse zeigt, dass jene der kleineren Firmen nach der letztjährigen Schwächephase jetzt interessantes Aufholpotenzial bieten gegenüber jenen der grossen Firmen. Deshalb werfe ich jetzt besonderes auf Erstere ein Auge, ohne aber Letztere zu vernachlässigen.

 

Wie ist der Raiffeisen Futura – Swiss Stock derzeit positioniert und was änderten Sie zuletzt?

Gegenwärtig halte ich im Raiffeisen Futura – Swiss Stock Unternehmen aus defensiven und frühzyklischen Branchen zu etwa gleichen Teilen. Jüngst baute ich die bestehenden Positionen in Cembra, Lonza, PSP und Tecan aus. Im Gegenzug reduzierte ich die bestehenden Positionen in Adecco, Logitech, Partners Group, Straumann und VAT, indem ich Gewinne mitnahm aus dem starken Wertzuwachs, den diese Aktien 2023 vor allem auch dank der Jahresend-Hausse erzielt hatten. Durch seine ausgewogene jetzige Mischung ist der Fonds sowohl für die Abwärtsphase des Konjunkturzyklus gerüstet als auch für die Zeit, wenn dieser wieder ins Positive drehen wird.

Chancen

  • Nachhaltig: Der Fonds investiert in Schweizer Qualitätsunternehmen, die nachhaltig wirtschaften. Diese Unternehmen zeichnen sich verstärkt durch nachhaltige Geschäftsmodelle aus, welche längerfristige Risiken erkannt haben und Chancen frühzeitig nutzen. Somit können durch die systematische Berücksichtigung der Nachhaltigkeitskriterien diese Risiken gemindert und Chancen wahrgenommen werden.
  • Wissensvorsprung: Sie können auf Spezialisten zählen, die dank ihren regelmässigen direkten Firmenkontakten, Betriebsbesichtigungen, Fachmesse-Besuchen, Kontakten zu Konkurrenten und vielem mehr einen Wissensvorsprung gewinnen, um den Unternehmenswert einzuschätzen und abzuwägen, ob die aktuellen Aktienkurse ein Engagement rechtfertigen.
  • Begleitet: Ethos, die schweizerische Stiftung für nachhaltige Entwicklung, hält bei kritischen Ergebnissen der Nachhaltigkeitsprüfung die Firmen zu Verbesserungen an und vertritt bei den Generalversammlungen der Firmen, in die der Fonds investiert ist, die Stimmrechte in Ihrem Interesse als Anleger.
  • Anlegerschutz: Der Fonds ist dem Kollektivanlagegesetz unterstellt und das investierte Kapital gilt als Sondervermögen, was Sie als Anleger entsprechend schützt.
  • Durchschnittspreis-Effekt: Wenn Sie via Fonds-Sparplan investieren, erwerben Sie über die Zeit Fondsanteile zum geglätteten Durchschnittspreis, unabhängig von möglichen Preisschwankungen.

Risiken

  • Wertschwankungen: Es sind markt-, branchen- und unternehmensbedingte Wertschwankungen möglich. Aktien von kleinen bis mittelgrossen Unternehmen können weniger kursstabil sein als jene von grösseren Unternehmen.
  • Handelbarkeit: Aktien von kleinen bis mittelgrossen Unternehmen können allenfalls weniger gut handelbar sein als solche von grösseren Unternehmen.
  • Partizipation: Die Teilhabe am Aufwärtspotenzial pro Einzeltitel ist aufgrund der Diversifikation im Fonds beschränkt.
  • Anlageentscheide: Der Fonds berücksichtigt Nachhaltigkeitskriterien. Somit ist der Fondsmanager bei seinen Anlageentscheiden gebunden, was den Fondswert beeinträchtigen oder begünstigen kann. Weder die Analysen der einzelnen Unternehmen auf ihre Werte noch die aktiven Anlageentscheide des Fondsmanagers bieten eine Erfolgsgarantie.
  • Anteilswert: Der Fonds-Anteilswert kann unter den Kaufpreis fallen, zu dem Sie Ihren Anteil erworben haben.