Selbst ist die Frau – gerade in der Vorsorge

Studie: So steht es um die Altersvorsorge von Frauen in der Schweiz

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Frauen ticken bei Finanzthemen oftmals anders als Männer. Das zeigt sich auch in der Vorsorge. Die Studie «Vorsorgebarometer 2021» macht zudem deutlich, dass Frauen im Hinblick auf die Pensionierung oftmals schlechter aufgestellt sind als Männer. Vorsorge-Expertin Andrea Klein ordnet die wichtigsten Erkenntnisse der Studie ein.

 

Fakt #1

Frauen kennen sich in der Vorsorge weniger gut aus – oder denken das zumindest

Frauen schätzen ihr Vorsorgewissen schlechter ein als Männer
Frauen schätzen ihr Vorsorgewissen schlechter ein als Männer

Über die Hälfte der befragten Frauen geben an, dass sie sich mit dem Thema Vorsorge überhaupt nicht auskennen oder nur über ein gewisses Basiswissen verfügen. Hingegen schätzen zwei Drittel der Männer ihr Vorsorgewissen als durchschnittlich oder überdurchschnittlich ein.

 

Das sagt die Expertin:

«Diese Einschätzung hat viel mit Selbstvertrauen zu tun. Frauen geben sich generell zurückhaltender, wenn es darum geht, das eigene Wissen einzuordnen. Dazu kommen aber auch durchaus handfeste Gründe: In vielen Partnerschaften ist der Mann auch heute noch der Hauptverdiener, entsprechend sind die Themen Geld, Finanzen und Vorsorge vorwiegend bei ihm angesiedelt. Die Verantwortung über die persönliche Vorsorge lässt sich aber nicht delegieren. Jede Frau sollte ihre Vorsorgesituation kennen und frühzeitig mit Vorsorgen beginnen. So kann sie einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, dass der gewohnte Lebensstandard beibehalten werden kann.»

 

Fakt #2

Frauen investieren deutlich weniger in die Säule 3a als Männer

Gründe für eine Säule 3a
Die wichtigsten Gründe von Frauen für eine Säule 3a

Gut zwei Drittel aller Frauen haben eine Säule 3a. Bei den Männern sind es über drei Viertel. Ähnlich gross sind die Unterschiede bei den Beiträgen, die in die private Vorsorge einbezahlt werden: Nur 46 Prozent der Frauen bezahlen den Maximalbetrag ein. Bei den Männern schöpfen hingegen über 59 Prozent das Maximum aus.

Das sagt die Expertin:

«Frauen arbeiten viel öfter Teilzeit als Männer oder sind gar nicht berufstätig. Gemäss Vorsorgebarometer haben nur 27 Prozent der befragten Frauen eine Vollzeitstelle. Als Folge davon verfügen die Frauen über deutlich weniger freie Mittel. Sie können sich die Einzahlung des Maximalbetrags in die Säule 3a oft schlicht nicht leisten. Die Säule 3a ist für Frauen aber besonders wichtig, da sich damit Beitragslücken bei AHV und insbesondere Pensionskasse abfedern lassen. Wenn Frauen ihre Erwerbstätigkeit wegen Mutterschaft für längere Zeit unterbrochen haben oder in einem geringen Teilzeitpensum arbeiten, sollten sie die private Vorsorge unbedingt nutzen, selbst wenn sie den Maximalbetrag nicht ausschöpfen können.» 

 

Fakt #3

Frauen legen Vorsorgegelder vorsichtiger und nachhaltiger an

Frauen legen weniger Wert auf Renditechancen
Frauen legen weniger Wert auf Renditechancen als Männer

Frauen investieren ihre Säule-3a-Gelder deutlich weniger oft in Wertschriften als Männer. Bei den 31 Prozent, die in Anlagelösungen wie Vorsorgefonds investieren, zeigt sich zudem, dass für sie ganz andere Kriterien im Vordergrund stehen als für Männer: Nachhaltigkeit ist Frauen deutlich wichtiger, hohe Renditechancen hingegen weniger.

Das sagt die Expertin:

«Die Studie zeigt: Viele Frauen schätzen ihr Wissen beim Anlegen als gering ein und verzichten deshalb darauf. Männer gehen das Thema selbstbewusster an und streben grundsätzlich auch eher nach Gewinnmaximierung. Durch die tiefen Zinsen werfen Säule-3a-Sparkonten kaum mehr Ertrag ab. Es lohnt sich deshalb, wenn auch Frauen Ihre Vorsorgegelder in Wertschriften investieren. Neben den höheren Renditechancen hat dies einen entscheidenden Vorteil: Mit nachhaltigen Anlagefonds können sie mit Ihrem Geld Positives bewirken.» 

 

 

Fakt #4

Frauen messen der Vorsorge im Zusammenhang mit Heirat und Wohneigentum weniger Bedeutung bei als Männer 

Lebensereignisse
Diese Ereignisse verbinden Frauen mit der Vorsorge

Das Thema Vorsorge erhält im Zusammenhang mit bestimmten Lebensereignissen eine grössere Relevanz. Was auffällt: Frauen schenken Vorsorgefragen bei der Heirat oder beim Kauf von Wohneigentum deutlich weniger Beachtung als Männer.

Das sagt die Expertin:

«Frauen sind sich offenbar noch zu wenig bewusst, welche Auswirkungen grössere Veränderungen in der eigenen Lebenssituation auf die Vorsorge haben können. Dass Frauen bei Ereignissen wie Heirat oder dem Kauf von Wohneigentum der Vorsorge weniger Beachtung schenken, könnte auch psychologische Gründe haben: Sie gehen solche Themen oft emotionaler und weniger rational an als Männer. Auch wenn Lebensereignisse wie die Familiengründung emotionale Themen sind, sollten sie die rationalen Aspekte nicht ausser Acht lassen. Die Konsequenzen für die eigene finanzielle Situation sind bei Frauen oft grösser als bei Männern. Auch eine Scheidung bringt Vorsorgerisiken mit sich, die gerne unterschätzt werden.»

Andrea Klein
Andrea Klein

Zur Person

Andrea Klein ist Vorsorge-Expertin bei Raiffeisen Schweiz. Sie leitet das Fachzentrum Finanzplanung.

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