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In drei Schritten zur positiven Fehlerkultur

Fehler gehören zum Arbeitsalltag – entscheidend ist, wie Unternehmen damit umgehen. Prozess- und Fehlermanagement-Expertin Katja Maurer erklärt, wie Führungskräfte mit Offenheit, Objektivität und Systemdenken eine konstruktive Fehlerkultur schaffen, die Effizienz und Innovation stärkt.

19.01.2026

1. Gemeinsam aus Fehlern lernen

Führungskräfte spielen die zentrale Rolle für eine positiven Fehlerkultur. Sie sollten mit gutem Beispiel vorangehen, indem sie offen über ihre eigenen Fehler sprechen und zeigen, dass Fehler Teil des Lernprozesses sind.

Effektives Fehlermanagement bedeutet zudem nicht, Fehler einfach zu akzeptieren, sondern vor allem auch die dahinterliegenden Abläufe kontinuierlich zu hinterfragen und gemeinsam mit dem Team zu optimieren. «Die regelmässige Überprüfung und Vereinfachung von Abläufen ist eine der wichtigsten Stellschrauben zur Fehlerprävention», erklärt Katja Maurer. Durch Digitalisierung, den Abbau von unnötigen manuellen Arbeitsschritten oder die Beseitigung von Doppelspurigkeiten können Prozesse oft vereinfacht und effizienter gestaltet werden. Das spart Zeit und reduziert Fehlerquellen.

«Durch transparente und ehrliche Gespräche im Team wird ein Klima geschaffen, in dem sich alle trauen, Fehler anzusprechen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen», hält Maurer fest. So wird Fehlerkultur zum Motor für Innovation und nachhaltigen Unternehmenserfolg.

«Die regelmässige Überprüfung und Vereinfachung von Abläufen ist eine der wichtigsten Stellschrauben zur Fehlerprävention.»
Katja Maurer

Katja Maurer

Expertin für Prozess- und Fehlermanagement

2. Auf Fakten bauen statt aufs Bauchgefühl

Im Umgang mit Fehlern ist das Bauchgefühl kein verlässlicher Ratgeber. «In der Praxis zeigt sich häufig, dass Einschätzungen aus dem Bauch heraus, etwa zu Fehlerursachen oder geeigneten Lösungen, deutlich von der Realität abweichen», weiss Katja Maurer. Was sich auf den ersten Blick richtig anfühlt, hält der Wirklichkeit oft nicht stand. Deshalb gilt: Weg vom blossen Eindruck – hin zu objektiven Daten, klaren Kennzahlen und fundierter Analyse.

Wer Prozesse wirklich verstehen will, braucht Fakten. Eine systematische Betrachtung hilft, die tatsächlichen Ursachen zu identifizieren – statt vorschnell Massnahmen zu ergreifen, die das eigentliche Problem nicht lösen. Nur wenn klar ist, wo es im Ablauf hakt, lassen sich wirksame Verbesserungen anstossen.

 

3. Ursachen erkennen – nicht Schuldige suchen

«Wenn ein Fehler passiert, lautet die entscheidende Frage nicht: Wer war es? – sondern: Warum ist es passiert?», betont Katja Maurer. In rund 85 Prozent der Fälle liegt die Ursache nicht bei einzelnen Personen, sondern im System selbst.

Ein wirkungsvolles Werkzeug zur Ursachenanalyse ist die sogenannte 5-W-Methode. Dabei wird die Frage Warum? konsequent fünfmal hintereinandergestellt, um Schritt für Schritt vom offensichtlichen Symptom zur tieferliegenden Ursache zu gelangen. Katja Maurer nennt ein Beispiel: «Ein Kunde erhält ein defektes Produkt. Warum? Weil die Qualitätskontrolle übersprungen wurde. Warum wurde sie übersprungen? Weil die Produktion unter Zeitdruck stand. Warum? Und so weiter.»

So wird deutlich: Das Problem liegt nicht bei der Person, die den Fehler gemacht hat, sondern bei den Bedingungen, unter denen gearbeitet wird. «Diese Perspektive verhindert Schuldzuweisungen und öffnet den Raum für eine konstruktive Auseinandersetzung mit Fehlern», sagt Maurer. Sie ermöglicht es Teams, gemeinsam zu lernen, Prozesse neu zu denken und Verantwortung aktiv zu übernehmen – ohne Angst vor negativen Konsequenzen.

Katja Maurer

Katja Maurer

Expertin für Prozess- und Fehlermanagement

Katja Maurer ist Geschäftsführerin der Dr. Maurer GmbH und Expertin für Prozessmanagement und Fehlermanagement. Sie hat ein Diplom in Lebensmitteltechnologie, zwei Masterabschlüsse und promovierte in molekularer Medizin. Mit 20 Jahren Führungserfahrung in der Industrie berät sie Unternehmen, lehrt an Hochschulen und publiziert wissenschaftlich.

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