Inklusion leicht gemacht: Technologien, die Barrieren abbauen
Technologie kann die Inklusion von Menschen mit Behinderungen in der Arbeitswelt fördern und unterstützen. Von KI & Co können jedoch nicht nur Menschen mit körperlichen, sensorischen, psychischen oder kognitiven Behinderungen profitieren, sondern alle Menschen im Unternehmen. HSG-Forscherin Louisa Riess zeigt, wie mit Technologie Barrieren abgebaut werden können, wenn sie richtig genutzt werden.
03.08.2026
1. Digitalisierung erleichtert Job Crafting
Mit der zunehmenden Digitalisierung ist Job Crafting – also das Anpassen der Arbeit an die eigenen, individuellen Bedürfnisse und Stärken – leichter geworden. Das funktioniert zum Beispiel, indem neue Technologien wie Künstliche Intelligenz genutzt werden, um Aufgaben an die eigenen Stärken und Schwächen anzupassen oder die eigene Arbeit besser zu organisieren. Die Arbeitsfähigkeit kann so wirkungsvoll unterstützt werden. Auch hybride Arbeitsmodelle können den Alltag erleichtern. Wichtig hierbei ist, dass sich Teams für die hybride Zusammenarbeit selbst klare Regeln geben, was beispielsweise Erreichbarkeit und gemeinsame Präsenztermine betrifft. «Für Mitarbeitende mit Familie, Pflegeverantwortung oder Therapieterminen bieten Job Crafting und flexible Arbeitsmodelle wichtige Chancen, um ihren Alltag besser gestalten.», meint Louisa Riess.
2. KI eröffnet Chancen für mehr Inklusion auf dem Arbeitsmarkt
Der zunehmende Einsatz von KI in Unternehmen öffnet Chancen für mehr Inklusion. KI-gestützte digitale Tools können beispielsweise für Menschen mit Hörbehinderungen die automatische Untertitelung von Videokonferenzen ermöglichen oder Dokumente barrierefrei aufbereiten, etwa durch automatisch generierte Bildbeschreibungen für blinde Menschen. Auch in Bewerbungsverfahren, kann KI - sofern richtig trainiert und genutzt – unterstützen. Viele Führungskräfte tendieren dazu, unbewusst ein «Mini-Me» zu wählen und Herausforderungen bei der Integration neuer Arbeitskräfte zu vermeiden. Das kann Menschen mit Behinderungen unnötig benachteiligen. Anders die KI: Richtig trainiert, kann sie Bewerberinnen und Bewerber neutral und mit weniger Bias beurteilen und filtern. «Das erleichtert eine fairere Auswahl nach klaren Kompetenzkriterien», ist Louisa Riess überzeugt. Zwar werde KI auch zum Verlust leicht automatisierbarer Arbeitsplätze führen, doch auch hier sieht die Inklusions-Expertin Potenziale: «Der menschliche Aspekt gewinnt in vielen Branchen an Bedeutung, was ein neues Feld für Inklusion öffnet: So können beispielsweise Menschen mit Down-Syndrom genau die Empathie mitbringen, die es in der Pflege braucht.»
«Gerade für Menschen mit körperlichen Behinderungen können die Barrieren am Arbeitsplatz dank neuer Technologien mehr und mehr beseitigt werden.»
Louisa Riess
Inklusionsforscherin an der HSG
3. KI wird zum «inklusiven» Ratgeber
Nicht nur bei Personalentscheidungen kann KI ein inklusives Arbeitsklima unterstützen, sondern auch bei der täglichen Arbeit. Firmen können ihren Mitarbeitenden so KI-Agenten zur Verfügung stellen, die im Geschäftsalltag beraten und unterstützen. «Solche Firmen-Chatbots können so ausgestaltet werden, dass sie auf gegenseitige Wertschätzung achten und zu einer inklusiveren Arbeitskultur beitragen», erklärt Louisa Riess. So kann die KI zum Beispiel ein Mail, das man im Ärger formuliert hat, gegenchecken und Anpassung vorschlagen. Die KI hilft so, potenzielle Konflikte zu vermeiden und die Diskussion auf eine neutrale Ebene zu bringen. Entscheidend hierbei ist, dass die KI richtig trainiert ist und selbst inklusive und diskriminierungsfreie Sprache verwendet.
4. Technologien beseitigen Barrieren
Die Kombination von KI mit anderen Technologien eröffnet Menschen mit Behinderungen immer bessere Möglichkeiten, an der Arbeitswelt teilzuhaben. So entwickelt beispielsweise das Start-up «Inclusive Brains» mithilfe von KI eine neuartige Gehirn-Maschine-Schnittstelle, welche die Interaktion mit Computern ohne Tastatur möglich macht. «Gerade für Menschen mit körperlichen Behinderungen können die Barrieren am Arbeitsplatz dank neuer Technologien mehr und mehr beseitigt werden», ist Louisa Riess erfreut. Nun gilt es diese technologischen Fortschritte auch zu nutzen.
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Louisa Riess
Inklusionsforscherin an der HSG
Louisa Riess ist Senior Research Associate am Competence Center für Diversity, Disability & Inclusion der Universität St. Gallen (CCDI-HSG). Sie beschäftigt sich in ihrer Forschung vor allem mit der Frage, was Führungskräfte und Mitarbeitende konkret für ein inklusives Arbeitsklima tun können. Nach ihrem Studium in Management und Maschinenwesen an der Technischen Universität München und Berufserfahrung in der Automobilindustrie, promovierte Sie 2022 im Bereich Organizational Behavior an der WHU – Otto Beisheim School of Management.