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Warum alle von einer inklusiven Arbeitskultur profitieren

Inklusion geht uns alle an – nicht nur Menschen mit Behinderungen. Wie Diversität in Unternehmen wirkt und warum alle von einer inklusiven Arbeitskultur profitieren, erklärt Inklusionsforscherin Louisa Riess.

03.08.2026

1. Positive Effekte für die Reputation

«Diversität ist heute Fakt. Es liegt an uns, diese Ausgangslage bestmöglich zu nutzen», ist die HSG-Forscherin Louisa Riess überzeugt. Wenn Unternehmen soziale Verantwortung übernehmen und Menschen mit Behinderungen einstellen, zahlt sich das aus. So hat eine Studie von Forscherinnen und Forschern der Rutgers University und der ISM University of Management and Economics festgestellt, dass die Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen als soziale Verantwortung des Unternehmens wahrgenommen werden und so zu einem besseren Ruf des Unternehmens führen kann. In einer Supermarktkette zeigte sich so, dass Kundinnen und Kunden, die von Mitarbeitenden mit einer Behinderung bedient wurden, den Ruf des Unternehmens besser bewerteten als diejenigen, die von Mitarbeitenden ohne Behinderung bedient wurden. Die Ergebnisse zeigen: Wer Inklusion aktiv lebt, übernimmt nicht nur gesellschaftliche Verantwortung, sondern stärkt zugleich nachhaltig Reputation und Kundenwahrnehmung.

«Diversität ist heute Fakt. Es liegt an uns, diese Ausgangslage bestmöglich zu nutzen.»
Louisa Riess

Louisa Riess

Inklusionsforscherin an der HSG

2. Inklusion als Innovationstreiber

In einer Studie ihres Kollegen Prof. Dr. Stephan Böhm konnte erstmals nachgewiesen werden: «In Teams, in denen Mitarbeitende mit und ohne Behinderungen zusammenarbeiten, entstehen nachweislich mehr und auch bessere Ideen, insbesondere wenn sich Mitarbeitende in die Perspektive ihrer Kolleginnen und Kollegen mit Behinderungen reinversetzen.» Der Grund: Inklusive Teams bleiben nicht in alten Denkmustern verhaftet. «Wird in der Produktion eine Lösung für Mitarbeitende mit chronischen Rückenschmerzen gesucht, denken nicht diverse Teams in konventionellen Lösungen – beispielsweise an Hilfsmittel zum besseren Tragen von Werkzeug.» Ein inklusives Team denkt neu und fragt sich: «Wieso kommt nicht das Werkzeug zu den Mitarbeitenden»? und entwickelt einen mechanischen Arm, an dem die Werkzeuge per Magnet befestigt werden und so in bequemer Höhe bereitgestellt werden. Erklärt wird dieser positive Effekt der Diversität durch die sogenannte kognitive Flexibilität: Beobachten Mitarbeitende die Herausforderungen von Team-Mitgliedern mit Behinderungen, erhalten sie ganz neue Einblicke in zugrundliegende Schwierigkeiten und Bedürfnisse. Das hilft, neu zu denken und innovative Lösungen zu entwickeln.

 

3. Gesteigertes Wohlbefinden für alle

Mitarbeitende, die sich inkludiert fühlen, fühlen sich wohler. «Das sehen wir in unserer Forschung.», erklärt Louisa Riess. In einer bevölkerungsrepräsentativen Studie in Deutschland hat das CCDI-HSG herausgefunden: Auch mittel- bis langfristig wirkt sich ein inklusives Arbeitsklima positiv auf die Beschäftigten aus: «Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die sich inkludiert fühlen, fühlen sich gesünder. Und das unabhängig davon, ob jemand einer Minderheit im Unternehmen angehört oder nicht. Wir alle fühlen uns besser und gesünder, wenn wir uns zugehörig fühlen.» Ein inklusives Arbeitsklima führt zudem dazu, dass sich Mitarbeitende stärker engagieren und sich mehr einbringen können», weiss Louisa Riess. Inklusion kann so zum echten Vorteil für Unternehmen werden.

Wieso Inklusion kein Nischenthema ist

Louisa Riess ist überzeugt: «Eine inklusive Arbeitskultur kommt uns allen zugute – unabhängig von beispielsweise Geschlecht, einer Behinderung oder unserer Herkunft. Wir alle wollen uns zugehörig fühlen.» Heute haben laut Bundesamt für Statistik 40 Prozent der Schweizer Bevölkerung einen Migrationshintergrund und rund 18 Prozent der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter (16 – 64) lebt mit einer Behinderung. Dabei zählen als Behinderung Einschränkungen des normalen Alltagslebens wie sie zum Beispiel durch Migräne, Lese-/Rechtschreibschwäche, Autismus oder Querschnittslähmung verursacht werden.

4. Gegen den Fachkräftemangel

Inklusion wird heute oft mit der Anstellung von Mitarbeitenden mit Behinderungen gleichgesetzt. Für Louisa Riess ist das jedoch zu kurz gedacht: «Da die Wahrscheinlichkeit einer Behinderung im Alter höher ist, führt die zunehmende Alterung der Bevölkerung in allen Industrieländern rein statistisch dazu, dass über die nächsten Jahre mehr Menschen mit Behinderungen in den Unternehmen tätig sein werden.» Deshalb ist sie überzeugt: «Es ist es einfach nur smart, sich jetzt Gedanken zu machen, wie Mitarbeitende mit Behinderungen in den Unternehmen gehalten werden können. Denn es ist viel kostspieliger, Talente zu verlieren, als die Talente zu nutzen, die bereits im Unternehmen arbeiten».

Louisa Riess

Louisa Riess

Inklusionsforscherin an der HSG

Louisa Riess ist Senior Research Associate am Competence Center für Diversity, Disability & Inclusion der Universität St. Gallen (CCDI-HSG). Sie beschäftigt sich in ihrer Forschung vor allem mit der Frage, was Führungskräfte und Mitarbeitende konkret für ein inklusives Arbeitsklima tun können. Nach ihrem Studium in Management und Maschinenwesen an der Technischen Universität München und Berufserfahrung in der Automobilindustrie, promovierte Sie 2022 im Bereich Organizational Behavior an der WHU – Otto Beisheim School of Management.

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