Wissenswertes rund um Nachfolge

Nachfolgeproblematik in Schweizer KMU

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KMU sind das Rückgrat der Schweizer Wirtschaft und stellen einen Anteil von 99,8 Prozent an der Gesamtzahl der Schweizer Unternehmen. Die Zukunft von jedem einzelnen dieser Unternehmen hängt nicht unwesentlich von einer erfolgreichen Nachfolgeregelung ab.


Jedes siebte KMU mit «offener Nachfolge»

Die Schweizer KMU-Wirtschaft besteht heute aus rund 591'000 Unternehmen. Studien belegen, dass 20 Prozent dieser KMU innerhalb der nächsten fünf Jahre eine Nachfolge anstreben. Betroffen von einem bevorstehenden Eigentümerwechsel sind rund 600'000 Arbeitsplätze, was mehr als 13 Prozent der Beschäftigten im Land entspricht und damit eine grosse Verantwortung für die Schweizer KMU mit sich bringt.

Viele der betroffenen Betriebe tun sich mit der Nachfolge schwer. Laut der Studie «KMU Nachfolge Schweiz 2021» des Wirtschaftsinformationsdienstes Dun & Bradstreet haben in der Schweiz zurzeit 15,1 Prozent der Unternehmen ein sich anbahnendes Nachfolgeproblem, weil ihre Inhaber respektive Verwaltungsräte und Gesellschafter bereits über 60-jährig sind und sich noch nicht oder nur unzureichend um ihre Nachfolge gekümmert haben.

 

Die Kleinen und Mittleren trifft es am härtesten

Prozentual am stärksten betroffen von «offenen Nachfolgen» sind die mittleren Unternehmen mit bis zu 49 Mitarbeitenden. Laut Dun & Bradstreet sind von den Unternehmen mit 10 bis 49 Mitarbeitenden heute 15,4 Prozent von einer ungelösten Nachfolgeproblematik betroffen. Fast gleich stark mit 15,2 Prozent trifft es Kleinstunternehmen mit einer Grösse von 1 bis 9 Mitarbeitenden. Bei den grösseren Unternehmen mit 50 bis 249 Angestellten haben nur 7,8 Prozent die Nachfolge noch nicht geregelt.

Entsprechend nachvollziehbar ist, dass offene Nachfolgeregelungen am häufigsten Einzelfirmen (21,8 Prozent der Fälle) betreffen. Gefolgt von Aktiengesellschaften (15,8 %) und GmbHs (9,6 %). Die Kommanditgesellschaften (20,9 %) kämpfen intensiver mit offenen Nachfolgen als Kollektivgesellschaften (8,5 %).

Mittlere Unternehmen sind am stärksten von der Nachfolgeproblematik betroffen.

Mittlere Unternehmen sind am stärksten von der Nachfolgeproblematik betroffen.

 

Druckgewerbe mit häufigsten Nachfolgeproblemen

Das grösste Nachfolgeproblem besteht laut der Studie von Dun & Bradstreet im Druck- und Verlagsgewerbe, wo zurzeit 23 Prozent der Betriebe ein offenes Nachfolgeproblem haben. Gefolgt von den Architekturbüros (19 %), Reparaturdiensten (18,7 %) und Unternehmens- und Steuerberatern (18,4 %). Sehr hoch ist der Anteil und die absolute Zahl der betroffenen Firmen auch im Einzelhandel (17,8 %) und bei den Immobilienmakler- und verwaltungen (17,7 %).

Druckgewerbe mit häufigsten Nachfolgeproblemen

Druckgewerbe mit häufigsten Nachfolgeproblemen.

 

Nordwestschweiz mit dem grössten Anteil offener Nachfolgen

Betrachtet man die Schweizer Regionen, bewegt sich die Quote der offenen respektive ungeklärten Nachfolgeregelungen von Unternehmen in der Bandbreite zwischen 12,3 Prozent (Tessin) und 17,8 Prozent (Nordwestschweiz).

Die Nordwestschweiz mit den meisten offenen Nachfolgeregelungen

Nordwestschweiz mit der höchsten Quote an offenen Nachfolgen.

 

Welche Nachfolgelösung ist die häufigste?

Gemäss der Analyse von Dun & Bradstreet erfolgen in der Schweiz heute 41 Prozent aller Unternehmensnachfolgen familienintern, also mit einem «Family-Buy-Out» (FBO). Knapp dahinter mit einer Häufigkeit von 40 Prozent wird das Unternehmen von einem firmenexternen Management gekauft und übernommen, was einem «Management Buy-In» (MBI) entspricht. Mit 19 Prozent der Fälle rangiert das «Management-Buy-Out» (MBO), also die Übernahme des Unternehmens durch bestehende Mitarbeitende, an dritter Stelle.

Was die effektiv beanspruchte Zeit betrifft, unterscheiden sich die drei Nachfolgelösungen wesentlich voneinander. Die laut Dun & Bradstreet durchschnittliche Dauer zwischen Erstkontakt von Übergeber und Übernehmer beträgt bei einem Management Buy In (MBI) 1,6 Jahre, bei einem Management Buy Out (MBO) 3,3 Jahre und bei einem Family Buy Out (FBO) sogar 6,6 Jahre.

Familieninterne Nachfolgen dauern am längsten

 

Nachfolge konkret: Was rät der Experte?

Thomas Zimmermann, Nachfolgespezialist Raiffeisen Unternehmerzentrum (RUZ)
Thomas Zimmermann, Nachfolgespezialist Raiffeisen Unternehmerzentrum (RUZ)

Thomas Zimmermann verantwortet den Themenbereich Unternehmensnachfolge beim Raiffeisen Unternehmerzentrum (RUZ). Seine wichtigste Erkenntnis: Wenn eine Übergabe scheitert, hat das fast nie mit Verträgen und Finanzen zu tun, dafür aber sehr oft mit Emotionen. Deshalb ist es für den Unternehmer wichtig, einen wohlwollenden, aber auch kritischen Sparringpartner an der Seite zu haben.