Marktradar – Krieg im Iran
Mit dem militärischen Angriff der USA und Israels auf den Iran ist die geopolitische Unsicherheit weiter angestiegen. Der höhere Ölpreis droht die Weltkonjunktur in Mitleidenschaft zu ziehen. Anlegerinnen und Anleger sollten an ihrer Anlagestrategie festhalten.
02.03.2026
Jeffrey Hochegger
Anlagestratege (CFA), Raiffeisen Schweiz
Am vergangenen Samstag haben die USA und Israel den Iran militärisch angegriffen. Ziel ist es, einen Regimewechsel herbeizuführen. Bei diesen Anschlägen wurde der iranische Religionsführers Ali Chamenei getötet. Der Iran hat dies als offene Kriegserklärung bezeichnet, Vergeltungsschläge angekündigt und teilweise bereits ausgeführt. Dazu gehören unter anderem Angriffe auf Städte und Einrichtungen in Israel, Katar, Pakistan, Dubai sowie auf einen Öltanker in der Strasse von Hormus. Diese ist für den Transport von Öl und Gas von strategischer Bedeutung, da rund 20% bis 25% des globalen Erdöls und Flüssiggases (LNG) über diesen Weg transportiert werden. Ein höherer Ölpreis belastet die Weltkonjunktur.
Auf eine mögliche Verknappung fossiler Energieträger hat der Ölpreis bereits reagiert. Am frühen Montagmorgen kostete ein Fass der Sorte Brent rund 80 US-Dollar, was einem Plus von etwa 10% seit vergangenem Freitag und einer Verteuerung um 27% seit Anfang Jahr entspricht. Perspektivisch dürfte der Ölpreis bis auf Weiteres erhöht bleiben oder weiter ansteigen. Auf welches Niveau er letztlich klettert, hängt davon ab, ob und wenn ja, wie lange die iranischen Revolutionsgarden die Strasse von Hormus schliessen. Aber auch auf dem aktuellen Preisniveau wirken die Energiepreise wieder inflationstreibend und belasten Konsumenten und Unternehmen weltweit, was konjunkturelle Einbussen mit sich bringt.
Inflationärer Ölpreis
Entwicklung des Ölpreises (Brent), in USD pro Barrel
Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office
In dieser Gemengelage bleibt Gold als sicherer Hafen und Portfoliodiversifikator gesucht. Wir halten an unserem Übergewicht im gelben Edelmetall fest und erwarten weiter steigende Kurse. Zur strukturell hohen Nachfrage kommt mit Ausbruch des Krieges kurzfristig ein zusätzlicher Nachfragetreiber hinzu. Vorerst ist auch hier mit erhöhten Schwankungen zu rechnen.
Zum heutigen Handelsstart sind deutliche Verluste an den Aktienmärkten zu erwarten. Die Börsen in Asien haben das bereits vorweggenommen und entsprechend negativ tendiert. Die Schweizer Börse dürfte zwar ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen werden, aufgrund der defensiven Ausrichtung aber weniger stark als andere Märkte. Unser ausgeprägter Home Bias kommt uns da zugute. Auch der Schweizer Franken dürfte unter Investoren gesucht bleiben und als Hort der Sicherheit fungieren.
Trotz dieser neuen geopolitischen Ausgangslage und den damit verbundenen Unsicherheiten empfehlen wir Anlegerinnen und Anlegern, ruhig zu bleiben und an ihrer Anlagestrategie festzuhalten. Diese ist langfristig ausgerichtet und die erhöhte Volatilität ist der Preis einer langfristig attraktiveren Rendite. Wer in einem negativen Umfeld seine Positionen verkauft, vergibt die Chance, an einer Erholung zu partizipieren. Wir empfehlen daher, das Portfolio mit ruhiger Hand durch die unsichere Zeit zu manövrieren.
Da die USA und Israel im Iran einen Regimewechsel herbeiführen wollen, ist mit einem länger anhaltenden Krieg zu rechnen. Von kurzfristigen Käufen und Verkäufen ist deshalb abzuraten, bis sich die Lage entspannt. Obwohl politische Börsen in der Regel kurze Beine haben, also keinen länger anhaltenden Einfluss auf die Finanzmärkte, könnte es aktuell etwas länger dauern, bis sich der Kriegsherd beruhigt.
Anlagetaktisch tragen wir den gegenwärtigen Unsicherheiten mit unserer defensiven Positionierung bereits Rechnung. Neben einem Untergewicht bei Aktien gehören dazu die Übergewichte in Schweizer Immobilienfonds, Gold und einem hohen Anteil in Schweizer Franken.
Publikation «Marktradar»
Anlageguide
Wie Dividendenaristokraten das Portfolio aufwerten.
Rechtliche Hinweise