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Anlageausblick 2026 – Ein Jahr der Bewährung

Bei den herrschenden Nullzinsen verliert Geld nach Abzug der Inflation an Kaufkraft. Wer sein Vermögen steigern will, kommt deshalb nicht um Investitionen in Sachwerte herum. Neben Aktien gehören auch Schweizer Immobilienfonds und Gold in ein diversifiziertes Portfolio.

08.01.2026

Jenga-Turm

Der Weltaktienindex auf Achterbahnfahrt

2025 war ein erfreuliches, aber auch volatiles Börsenjahr. Nach einem starken Auftakt sorgte die Ankündigung von Handelszöllen durch die US-Administration für teils heftige Kurskorrekturen. Von Mitte Februar bis Mitte April büsste der globale Aktienindex fast 20% an Wert ein.

Entwicklung des MSCI World Index, in CHF

Entwicklung des MSCI World Index, in CHF

Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Anlegerinnen und Anleger wurden auf eine harte Probe gestellt. Die Zinssenkungen der Notenbanken, die Hoffnung auf eine Entspannung der geopolitischen Lage und die Euphorie um das Thema Künstliche Intelligenz (KI) sorgten indes für eine Erholung und viele Anlageklassen markierten in der zweiten Jahreshälfte neue Allzeithöchststände. Wer Ruhe bewahrte und an der Anlagestrategie festhielt, konnte profitieren. So wiesen alle unsere Anlagestrategien im Jahr 2025 eine positive Performance auf.

Im Hinblick auf 2026 stehen verschiedene Themen im Fokus: Werden die fiskalpolitischen Stimulusmassnahmen die globale Wirtschaft ankurbeln? Wird die Geldpolitik weiter gelockert? Droht ein erneuter Inflationsanstieg? Hält die KI-Euphorie an oder kommt es zu einer (temporären) Ernüchterung? Und wie geht es in der Geopolitik und im Zollkonflikt weiter? Diese Entwicklungen werden die Börsen massgeblich beeinflussen. Nach den vergangenen drei starken Börsenjahren wird 2026 deshalb zu einer Bewährungsprobe.

Positives Wachstum, aber unter Potenzial

Die Pandemie hat die Verwundbarkeit der globalen Lieferketten offengelegt. Seither versuchen Unternehmen, ihre Bezugsquellen und Absatzmärkte zu diversifizieren. Zusätzlich setzen die USA den Freihandel mit ihrer protektionistischen Zoll- und Handelspolitik unter Druck. Die Folgen sind ein schwächeres Wirtschaftswachstum und steigende Preise – weltweit. Dem steht eine expansive Fiskalpolitik gegenüber. Global klettern die Rüstungsausgaben in die Höhe, Deutschland hat die Schuldenbremse gelockert und investiert in den kommenden Jahren Milliarden in die marode Infrastruktur. In den USA liebäugelt der Präsident im Hinblick auf die Zwischenwahlen im November 2026 – trotz hohem Budgetdefizit – mit der Verteilung von Checks an die Bevölkerung. Der Grund: Ohne starke Wirtschaft drohen die Republikaner die Mehrheit im Repräsentantenhaus zu verlieren. Viele dieser fiskalpolitischen Massnahmen benötigen aber Zeit, bis sie sich auf die Konjunktur auswirken. Gemäss unseren Prognosen dürfte die globale Wirtschaft in diesem Jahr erneut unter Potenzial wachsen.

BIP-Wachstum 2024 sowie Prognosen

BIP-Wachstum 2024 sowie Prognosen

Quellen: Raiffeisen Schweiz Economic Research, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Negative Realzinsen machen Anlegen alternativlos

In den USA kommt die hartnäckige Inflation hinzu. Die Zölle werden zunehmend in Form von Preiserhöhungen an die Konsumentinnen und Konsumenten weitergegeben. Für 2026 rechnen wir mit einer Teuerung von gut 3%, was deutlich über dem Ziel der US-Notenbank Fed liegt. Das limitiert ihren Handlungsspielraum. Allerdings ist der politische Druck auf die Währungshüter hoch. Im Mai endet die Amtszeit von Jerome Powell. Es ist klar, dass Donald Trump als Nachfolger einen Fed-Chef von seinen Gnaden einsetzen wird. Die Unabhängigkeit der Notenbank wird damit auf die Probe gestellt. 

Zuversichtlich stimmt, dass der Vorsitzende den Leitzinsentscheid nicht allein trifft, sondern ein Gremium von zwölf stimmberechtigten Mitgliedern. Zudem wirkt der Kapitalmarkt disziplinierend. Sollten trotz anhaltend hoher Inflation die Leitzinsen stark gesenkt werden, besteht ein hohes Risiko, dass die langfristigen Zinsen nach oben schiessen, was kaum im Sinne des US-Präsidenten ist. In der Schweiz und in Europa sind die Zinssenkungszyklen derweil weitestgehend abgeschlossen. Wir rechnen mit einer längeren Phase von Nullzinsen seitens der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Mit sicheren Staatsanleihen oder Geld auf dem Konto ist also nichts mehr zu verdienen. Im Gegenteil: Nach Abzug der Inflation resultieren negative Realzinsen. Wer sein Vermögen langfristig steigern will, muss daher nach Alternativen suchen.

Entwicklung der Rendite 2-jähriger Eidgenossen (Nominalzinsen), der Inflation in der Schweiz und der Realzinsen

Entwicklung der Rendite 2-jähriger Eidgenossen (Nominalzinsen), der Inflation in der Schweiz und der Realzinsen

Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Obligationen bleiben aus Renditegesichtspunkten wenig attraktiv. Schweizer Investment-Grade-Unternehmensanleihen werfen derzeit je nach Laufzeit und Schuldnerqualität eine Rendite zwischen 0.5% und 1.5% ab. Allerdings helfen Obligationen von soliden Schuldnern, ein Portfolio zu stabilisieren. Innerhalb der Anlageklasse präferieren wir als Beimischung Schwellenländeranleihen. Schwellenländer gelten als Profiteure eines schwachen US-Dollars. Selbst nach Abzug der Kosten für die Währungsabsicherung bleibt eine Rendite von rund 3% übrig. 

Der Immobilienmarkt profitiert derweil vom Tiefzinsumfeld. Die angespannte Nachfrage-Angebot-Situation spricht weiterhin für moderat steigende Angebotsmieten und Immobilienpreise. Bei Schweizer Immobilienfonds kommt eine Ausschüttungsrendite von rund 2% hinzu. Wir bleiben deshalb bei der Anlageklasse taktisch übergewichtet und empfehlen eine Gewichtung von 6.5%. Ebenfalls positiv bleiben wir gegenüber Gold. Das Edelmetall war 2025 die beste Anlageklasse und konnte in Franken gerechnet rund 46% an Wert zulegen. Gold profitierte dabei von mehreren Faktoren. Eine hohe Nachfrage, sinkende Zinsen, ein schwacher US-Dollar, rasant steigende Schuldenberge sowie geopolitische Unsicherheiten bescherten mächtigen Rückenwind. Hinzu kommt, dass viele Staaten versuchen, ihre Abhängigkeit von den USA und dem US-Dollar zu reduzieren. Ein Resultat davon sind massive Goldkäufe von Notenbanken aus den Schwellenländern. Dabei werden US-Dollar-Währungsreserven abgebaut und Gold gekauft. Viele dieser Faktoren bleiben auch 2026 intakt. Wir empfehlen deshalb aus Diversifikationsgründen eine Goldquote von 7%.

Stolze Aktienbewertungen – die Selektion gewinnt an Bedeutung

Die Aktienmärkte sind in den vergangenen drei Jahren deutlich stärker gestiegen als die entsprechenden Unternehmensgewinne. Als Folge davon sind die Bewertungen, gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis, angestiegen und befinden sich in vielen Regionen über den langfristigen Durchschnittswerten.

Entwicklung des Kurs-Gewinn-Verhältnisses des MSCI World Index

Entwicklung des Kurs-Gewinn-Verhältnisses des MSCI World Index

Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Entsprechend gewinnt die Selektion an Bedeutung. Enttäuschungspotenzial sehen wir im Technologiesektor, insbesondere bei stark auf KI ausgerichteten Unternehmen. Die immensen Investitionen in Rechenzentren, die zirkulären Beteiligungen und die hohen Bewertungen mahnen zur Vorsicht. 2026 wird sich zeigen, ob sich diese Investitionen in profitables Geschäft ummünzen lassen können. Der Sektor als Ganzes steht also auf dem Prüfstand.

Auf der Aktienseite liegt unser Fokus auf soliden und dividendenstarken Werten. Vor diesem Hintergrund bleibt der Schweizer Aktienmarkt attraktiv. Die Dividendenrendite im Swiss Performance Index (SPI) liegt bei 3%, wobei wir für 2026 mit einer neuen Rekordausschüttung rechnen. Aussichtsreich ist insbesondere der Gesundheitssektor, der im SPI stark vertreten ist. Pharma- und Medtechunternehmen profitieren von den demographischen Entwicklungen und sind günstig bewertet. Anlegerinnen und Anleger sollten 2026 zudem die geopolitischen Entwicklungen eng verfolgen. Dass die Unsicherheiten weiter bestehen, zeigt der militärische Angriff der USA auf Venezuela zum Jahresauftakt. Auf der anderen Seite würde ein Ende des Ukraine-Krieges die Stimmung aufhellen und Infrastruktur- und Baufirmen beflügeln. 

Eine erhöhte Volatilität und rasche Sektorrotationen dürften das laufende Anlagejahr prägen. Mit einer aktiven Anlagetaktik werden wir auf diese zu erwartenden Entwicklungen reagieren. Darüber hinaus bleibt eine breite Diversifikation auch im neuen Jahr der Schlüssel zum Erfolg. 

Der CIO erklärt: Was heisst das für Sie als Anleger?

Mit Aktienanlagen konnte man in den vergangenen drei Jahren viel Geld verdienen. Der Weltaktienindex (MSCI World Index) stieg seit Ende 2022 in Schweizer Franken gerechnet um fast 55%, was einer annualisierten Rendite von 16% entspricht, und notiert auf einem Allzeithoch. Entsprechend gross sind auch die Erwartungen für 2026. Anlegerinnen und Anleger laufen dabei Gefahr, dem «Recency Bias» zu verfallen. Dabei werden die jüngsten Entwicklungen überbewertet. Klar ist: 16% Rendite pro Jahr sind keine realistische Annahme für die Zukunft. In den vergangenen 25 Jahren brachten Aktien eine annualisierte Rendite von knapp 5%. Eine solche Grössenordnung scheint für 2026 realistischer zu sein. Es wäre allemal mehr, als es auf dem Sparkonto zu holen gibt.

Matthias Geissbühler

Matthias Geissbühler

Chief Investment Officer Raiffeisen Schweiz

Seit Januar 2019 ist Matthias Geissbühler als Chief Investment Officer (CIO) von Raiffeisen Schweiz für die Anlagepolitik verantwortlich. Zusammen mit seinem Team analysiert er kontinuierlich die weltweiten Geschehnisse an den Finanzmärkten und entwickelt die Anlagestrategie der Bank.