Anlageklasse im Fokus: Obligationen
Hochzinsanleihen locken Investoren in der Regel mit hohen Renditen. Diese sind allerdings mit erhöhten Risiken verbunden. Zudem mahnen die historisch tiefen Risikoaufschläge zur Vorsicht.
28.08.2026
Im Non-Investment-Grade-Bereich bestehen erhöhte Ausfallrisiken
Trotz des jüngsten Zinsanstiegs werfen schweizerische Bundesobligationen je nach Laufzeit gerade mal eine Rendite zwischen -0.1% und 0.6% ab. Das macht sie – ebenso wie das Halten von Liquidität – aus Ertragsoptik für Anlegerinnen und Anleger wenig attraktiv. Unter Berücksichtigung der Inflation resultiert vielfach sogar ein Vermögensverlust. Entsprechend sind im Anleihesegment Alternativen gefragt.
Als eine solche rücken beispielsweise Hochzinsanleihen, also Schuldpapiere von bonitätsschwächeren Emittenten, in den Fokus der Investoren. Deren Verzinsung liegt aktuell bei rund 6% im Euroraum und etwas mehr als 7% im US-Markt. Die höheren Renditen gibt es allerdings nicht umsonst. Zwar ist der Markt für Hochzinsanleihen seit der Finanzkrise robuster geworden. Nichtsdestotrotz ist er im Vergleich zu Investment-Grade-Papieren (IG) nach wie vor mit höheren Risiken verbunden. Im langjährigen Durchschnitt entfiel laut der Ratingagentur S&P Global die Mehrheit der weltweiten Zahlungsausfälle auf Emittenten mit einem Non-IG-Rating.
Weltweite 1-Jahres-Durchschnitts-Default-Raten je Ratingkategorie im Zeitraum 1973 bis 2025
Quellen: S&P Global, Raiffeisen Schweiz CIO Office
Keine adäquate Entschädigung für die zusätzlichen Risiken
Darüber hinaus bewegen sich in Europa und den USA die Risikoprämien, sprich der Renditeaufschlag von Hochzinsanleihen gegenüber sicheren Staatsanleihen mit gleicher Laufzeit, nahe ihrer mehrjährigen Tiefststände. Mit anderen Worten: Wer in dieses Segment investiert, erhält für die zusätzlichen Risiken nur wenig Entschädigung. Das macht die Anlageklasse aus Bewertungssicht teuer.
Entwicklung der Risikoaufschläge für Hochzinsanleihen in den USA und in Europa
Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office
Die tiefen Risikoprämien sind gleich doppelt problematisch. Denn eine nachlassende Konjunkturdynamik bedeutet zwar grundsätzlich für alle Unternehmen Gegenwind. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt jedoch, dass besonders jene Unternehmen betroffen sind, die bereits zuvor finanziell angeschlagen waren. Die anhaltenden geopolitischen Spannungen dürften deshalb über kurz oder lang zu einer Erhöhung der Risikoaufschläge führen. Wer in diesem Umfeld Hochzinsanleihen im Portfolio hält, muss mit entsprechenden Kursverlusten rechnen. Wir bleiben daher bei dieser Anlageklasse taktisch stark untergewichtet.
Publikation «Anlageguide»
Rechtliche Hinweise