Anlageklasse im Fokus: Aktien
Die KI-Euphorie an den Börsen schwindet. Zugleich offenbart die Berichtssaison, dass auch in den Kursen technologieferner Titel viel Positives vorweggenommen wurde. Daher ist Vorsicht geboten.
31.07.2026
Die massiven KI-Investitionen bescheren Alphabet einen negativen freien Cashflow
Immer mehr Anlegerinnen und Anleger hinterfragen, ob sich die Investitionen der Technologiefirmen in Künstliche Intelligenz (KI) auszahlen werden. So konnte mit der Google-Mutter Alphabet ein erster Hyperscaler diese zuletzt, erstmals in 20 Jahren, nicht mehr aus dem freien Cashflow finanzieren.
Entwicklung der freien Cashflows von Alphabet, pro Quartal und in Milliarden USD
Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office
Angesichts dessen vermögen selbst starke Halbjahreszahlen, wie jene der Halbleitergiganten Intel und TSMC oder der heimischen KI-Profiteure Belimo und VAT, die Aktienkurse kaum noch anzuschieben. Das führte im vergangenen Monat dazu, dass technologielastige Indizes wie etwa der US-amerikanische Nasdaq-100 und der südkoreanische KOSPI deutlich tiefer tendierten. Letzterer notiert rund 40% unter seinem Rekordstand von Mitte Juni.
Der Swiss Performance Index (SPI) mit seinem massiv kleineren Anteil an Technologiewerten kletterte derweil Ende Juli auf ein Allzeithoch. Auf Monatssicht bewegte er sich nichtsdestotrotz überwiegend seitwärts. Und das, obwohl die Indexmitglieder mehrheitlich mit überzeugenden Geschäftszahlen aufwarteten.
So haben die defensiven Schwergewichte Nestlé, Novartis und Roche die Analystenerwartungen im ersten Halbjahr erfüllt, teilweise gar geschlagen. Auch viele Vertreter aus zyklischen Sektoren, beispielsweise der Logistikkonzern Kühne + Nagel, das Industriekonglomerat ABB und der Baustoffspezialist Sika, hielten sich trotz des konjunkturellen Gegenwinds beachtlich. Allerdings ist auch hierzulande nicht alles eitel Sonnenschein. Die Frankenstärke hinterlässt bei vielen exportorientierten Firmen ihre Spuren. Zudem hat wegen höherer Produktionskosten mancherorts die Profitabilität gelitten.
Die Quartalsergebnisse lieferten den Aktienmärkten keine zusätzlichen Impulse. Dies deutet darauf hin, dass die hohen Erwartungen der Anlegerinnen und Anleger grösstenteils eingepreist sind. Der Spielraum für weitere Kursavancen erscheint daher begrenzt. Für eine nachhaltige Fortsetzung der Aufwärtsbewegung wären entweder eine rasche Entspannung im Nahen Osten oder tiefere Zinsen erforderlich. Letztere sind aber ausserhalb der Schweiz im vergangenen Monat signifikant gestiegen.
Wir halten daher an unserem taktischen Untergewicht bei Aktien fest. Innerhalb der Anlageklasse präferieren wir weiter den Heimmarkt. Zum einen dürfte sich dieser wegen seines defensiven Charakters bei einer allfälligen Korrektur besser halten als die ausländischen Pendants. Zum anderen haben Schweizer Investorinnen und Investoren aufgrund der negativen Realzinsen kaum Anlagealternativen.
Publikation «Anlageguide»
Rechtliche Hinweise