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Anlageklasse im Fokus: Obligationen

Die Zeichen in der Eurozone stehen auf Zinswende. Allerdings wird die EZB ihre Geldpolitik nur vorsichtig lockern. Grund ist die Heterogenität der Euro-Staaten.

Beim Wirtschaftswachstum divergiert die Eurozone weit auseinander

«Einheit durch Vielfalt» – so der Leitsatz der Europäischen Union (EU). Denn trotz gemeinsamer Werte wie Freiheit und Solidarität sind ihre Mitgliedsstaaten alles andere als homogen. Nicht nur leben nirgends auf der Welt so viele verschiedene Menschen und Kulturen auf so engem Raum zusammen, sondern auch in Sachen Wirtschaft geht die Schere weit auseinander. So schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) von Deutschland im ersten Quartal dieses Jahres gegenüber der Vorjahresperiode um 0.2%. Ganz anders Spanien, wo die Wirtschaft zum Jahresauftakt um 2.4% wuchs. Gravierende Unterschiede werden auch beim Thema Inflation deutlich. Während sich die Konsumentenpreise in Litauen im April um gerade mal 0.4% verteuerten, waren es in Belgien satte 4.9%. Die Staatsverschuldung in Europa bewegt sich derweil zwischen gut 20% des BIPs im Falle Estlands und rund 160% bei Griechenland.

 

Wachstumsraten ausgewählter Euro-Staaten im 1. Quartal 2024, gegenüber der Vorjahresperiode

Quellen: Eurostat, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Die Heterogenität des Währungsraumes spiegelt sich in den Kapitalmarktrenditen wider

Diese Heterogenität spiegelt sich auch an den Kapitalmärkten wider. Während sichere deutsche Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren derzeit um 2.6% rentieren, werfen ihre südeuropäischen Pendants teils deutlich über 3% ab.


Aktuelle Renditen von 10-jährigen Staatsanleihen ausgewählter Euro-Staaten

Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Für die Europäische Zentralbank (EZB) gilt es, diese Unterschiede bei all ihren Entscheiden mitzuberücksichtigen. Das macht das System träge. So warteten die Währungshüter trotz stetig anziehender Inflation nach der Corona-Pandemie lange zu, ehe sie sich zu einer Straffung der Geldpolitik durchringen konnten. Und auch wenn die Zeichen aktuell auf Zinswende stehen, so dürften die Leitzinsen nicht im Eilzugtempo, sondern vorsichtig gesenkt werden. Denn während etwa für die deutsche Wirtschaft eine rasche Lockerung der Finanzierungsbedingungen wünschenswert wäre, könnte eine solche Länder mit einer immer noch hohen Inflationsrate vor ernsthafte Probleme stellen. Trotzdem: Für Investoren ergeben sich aufgrund der Aussicht auf sinkende Zinsen bei europäischen Obligationen Kaufgelegenheiten. Dabei sollten sie jedoch die länderspezifischen Risiken im Auge behalten.

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