Anlageklasse im Fokus: Obligationen
Die gestiegene Inflation zwingt die Fed und die EZB zu einem geldpolitischen Kurswechsel. In der Schweiz akzentuiert sich derweil der Anlagenotstand.
03.07.2026
Leitzinssenkungen sind wegen der Inflation vom Tisch
Während die US-Notenbank Fed im Januar noch über Zinssenkungen nachgedacht hat, sind diese nun kein Thema mehr. So haben die Währungshüter im Juni geschlossen für eine Verlängerung der Zinspause gestimmt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihre Leitzinsen gar um 25 Basispunkte angehoben. Auslöser für den geldpolitischen Kurswechsel ist die wegen des Nahost-Konfliktes gestiegene Inflation. Mit Blick auf die zweite Jahreshälfte gehen wir davon aus, dass die Notenbanken den ohnehin schon stotternden Wirtschaftsmotor nicht noch weiter belasten wollen. Entsprechend dürfte es weder in den USA noch in Europa eine Zinserhöhung geben.
Leitzinserwartungen des Marktes für Ende Jahr und effektiver Leitzins zu Anfang Jahr in den USA und in der Eurozone
Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office
Der Inflationsdruck hatte auch für die Kapitalmarktzinsen Implikationen. Um den damit verbundenen realen Kaufkraftverlust ihres Geldes auszugleichen, forderten Anlegerinnen und Anleger höhere Nominalrenditen ein.
Der Iran-Krieg ging nicht spurlos an den Kapitalmärkten vorbei
Infolgedessen haben sich die Zinskurven im ersten Halbjahr zeitweise deutlich nach oben verschoben. Wegen der Entspannungstendenzen im Nahen Osten sind sie zuletzt aber wieder zurückgekommen. Dennoch gibt es Unterschiede. So sind die Kapitalmarktzinsen in den USA nach wie vor gegenüber Jahresanfang klar erhöht.
Zinskurve von USD-Staatsanleihen, aktuell, zu Mitte Mai und zu Beginn des Jahres
Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office
Ihre Schweizer-Franken-Pendants dagegen bewegen sich am kurzen Ende marginal über dem Niveau von Januar, für die mittleren bis langen Laufzeiten sind die Zinsen teilweise einen Tick tiefer. Das liegt zum einen an der Nachfrage aus dem Ausland nach Eidgenossen als sicherer Kapitalhafen, zum anderen am dank des starken Frankens und der Energieeffizienz geringeren Inflationsdruck.
Das Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran hat ein Kriegsende greifbar gemacht, viele Punkte sind aber ungeklärt. Zudem wird es wohl längere Zeit dauern, bis sich die Lieferketten am Rohstoffmarkt normalisieren. Der Inflationsdruck wird nur langsam abflauen. Für Schweizer-Franken-Investoren bedeutet das, dass sie nun entlang der gesamten Zinskurve mit negativen Realrenditen konfrontiert sind. Der Anlagenotstand hat sich also verschärft.
Publikation «Anlageguide»
Rechtliche Hinweise