Anlageklasse im Fokus: Obligationen
Anleger wollen für ihre Risiken entschädigt werden. Die dafür geforderte Prämie variiert je nach Marktumfeld und finanzieller Situation des Schuldners. Als solcher haben die USA an Vertrauen eingebüsst.
30.01.2026
Die USA leben über ihre Verhältnisse – Staatsdefizit als Dauerzustand
Es sind klare Zeichen: Einer der weltweit grössten Vermögensverwalter, PIMCO, hat aufgrund der unberechenbaren US-Regierung angekündigt, Kapital aus den USA abzuziehen. Ein schwedischer und ein dänischer Pensionsfonds haben dies ebenfalls bekannt gegeben und teilweise bereits vollzogen. Dieses abnehmende Vertrauen widerspiegelt sich in der steigenden Risikoprämie, die Investorinnen und Investoren vom US-Staat fordern. So notierten die Renditen für US-Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 10 Jahren im Januar zeitweise so hoch wie zuletzt Anfang September 2025.
Das ist kein Zufall. Neben der politischen Ungewissheit sind es vor allem finanzielle Herausforderungen, wie die steigende Staatsverschuldung, die solche Entscheide stützen. Dass die Vereinigten Staaten von Amerika über ihre Verhältnisse leben, zeigt sich an der Gegenüberstellung von Staatsausgaben und -einnahmen. Seit Jahren wird mehr Geld ausgegeben als eingenommen. Das Ergebnis ist eine stetig steigende Verschuldung. Hinzu kommt aktuell die abnehmende Konjunkturdynamik.
US-Staatsausgaben und -einnahmen, in Mrd. USD
Quellen: Statista, Raiffeisen Schweiz CIO Office
Die US-Zinslast wird zunehmend zum Problem
Politisch verunsichern auch die strafrechtliche Untersuchung gegen den Vorsitzenden der US-Notenbank Fed, die Frage, ob die von der US-Regierung erhobenen Handelszölle juristisch legal sind, die anhaltenden Annexionsgelüste gegenüber Grönland und die völkerrechtswidrige militärische Intervention in Venezuela. Diese Faktoren mahnen zur Vorsicht und könnten die Risikoprämie weiter ansteigen lassen, was die Kreditkosten der USA verteuern würde.
Damit droht sich die Situation weiter zu verschlechtern, denn bereits 2025 wurden Schätzungen zufolge fast 20% der US-Staatseinnahmen für Zinszahlungen aufgewendet. In Deutschland liegt die Quote bei rund 3%, in der Schweiz bei 1%.
Anteil der Zinsausgaben an den Einkünften
Quellen: Weltbank, Raiffeisen Schweiz CIO Office
Vor diesem Hintergrund relativieren sich auch die niedrigen Zinsen in der Schweiz. Sie sind der Preis der Sicherheit, den Investoren für einen gesunden Staatshaushalt, niedrige Inflation und politische Sicherheit zu zahlen bereit sind.
Publikation «Anlageguide»
Rechtliche Hinweise