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Marktkommentar – Ein Blick auf die Börsenwoche

In den USA ist keine baldige Zinssenkung geplant. Entsprechend haben die Aktienmärk-te nach ihren jüngsten Kursgewinnen eine Verschnaufpause eingelegt. Für den Schweizer Franken rückt derweil die Parität zum Euro in greifbare Nähe.

Berichtssaison nähert sich dem Ende

Der Schweizer Aktienmarkt entwickelte sich diese Woche ohne klare Richtung. Die Protokolle zur jüngsten Sitzung der US-Notenbank Fed förderten keine neuen Erkenntnisse zutage. Diese will erst einen nachhaltigen Inflationsrückgang sehen, bevor sie eine Leitzinssenkung ins Auge fasst. Zudem fehlt es angesichts der auslaufenden Berichtssaison unternehmensseitig weitgehend an Kursimpulsen. Im ersten Quartal fast 5% mehr umgesetzt hat die Apothekengruppe Galenica. Als wachstumsdämpfend erwiesen sich aber die Mehrverkäufe von Generika und Biosimilars. Solide ins Jahr gestartet ist Swiss Life. Der Lebensversicherer steigerte die erwirtschafteten Gebühren um 8% auf 639 Millionen Franken. Die Prämieneinnahmen stagnierten bei 7.5 Milliarden Franken. Für 2024 sieht sich das Unternehmen auf Kurs. Für eine Enttäuschung sorgte Julius Bär. Die Privatbank hat zuletzt kaum frische Kundengelder an Land gezogen. Immerhin stiegen die verwalteten Vermögen. Der Medizinaltechnik-Spezialist Ypsomed verbuchte in dem Ende März abgeschlossenen Geschäftsjahr 2023/24 nicht nur mehr Umsatz und Gewinn, sondern ist auch profitabler geworden. Zudem kündigte er die Abspaltung seiner Diabetes-Sparte an. Bei den Aktionären kam das gut an. Ein Stabwechsel findet beim Biotech-Unternehmen Idorsia statt: Finanzchef André Muller übernimmt das Ruder von Firmenpatron Jean-Paul Clozel.

 

Gut, besser, Nvidia

Der US-Tech-Gigant Nvidia hat die Erwartungen einmal mehr übertroffen. Dank des Booms um die Künstliche Intelligenz (KI) verzeichnete er im Frühlingsquartal einen Rekordumsatz von 26 Milliarden US-Dollar, mehr als drei Mal so viel wie im Vorjahresquartal. Der Gewinn stieg auf fast 15 Milliarden US-Dollar, nach 2 Milliarden vor einem Jahr. In der Folge knackte die Aktie die 1'000-Dollar-Marke. Anleger sollten aber vorsichtig sein. Die Luft nach oben wird immer dünner. Das zeigt der Umstand, dass sich die Nvidia-Papiere dieses Jahr im Kurs zwar verdoppelt, seit März aber nur noch minimal zugelegt haben.

Parität rückt in Reichweite

Der Euro kostete diese Woche zeitweise 0.9915 Franken. Damit hat die Gemeinschaftswährung dieses Jahr zum Schweizer Franken um 6.5% aufgewertet. Diesen belastet die Leitzinssenkung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) im März, welche die Zinsdifferenz zur Eurozone erhöht hat. Zudem häufen sich die spekulativen Wetten gegen die hiesige Währung. Wir gehen jedoch davon aus, dass es sich um keine nachhaltige Frankenschwäche handelt. Mit der bevorstehenden Zinswende der Europäischen Zentralbank (EZB) dürfte wegen der sich reduzierenden Zinsdifferenz der Aufwärtsdrang des Euros abflauen. Auch das unsichere Marktumfeld spricht mittelfristig für den Franken.

 

Gold setzt Rekordjagd fort

Mit 2'450 US-Dollar pro Unze hat der Goldpreis eine Höchstmarke erreicht. Seit Anfang Jahr hat sich das Edelmetall um 17% verteuert. Hinter dieser Rally stehen zum einen die Notenbankkäufe aus diversen Schwellenländern. Zum anderen ist Gold wegen der chinesischen Immobilienkrise bei vielen Privatanlegern aus Fernost gefragt. Darüber hinaus profitiert es von den geld- und geopolitischen Risiken. Letztere erhielten durch den Tod des iranischen Präsidenten Ebrahim Raisi frischen Nährboden.

 

Britische Inflation sinkt deutlich

Die Verbraucherpreise in Grossbritannien verteuerten sich im April um 2.3%, nach 3.2% im Vormonat. Damit ist die Inflation so tief wie letztmals im Sommer 2021. Sollte sich der Trend als nachhaltig erweisen, könnte bei der Bank of England (BoE) in Bälde eine erste Zinssenkung auf der Agenda stehen.

 

Europa schreitet bei KI-Regulierung voran

Die Europäische Union (EU) hat das weltweit erste Gesetz zur Regulierung von Künstlicher Intelligenz verabschiedet. Dieses soll gewährleisten, dass KI-Anwendungen möglichst transparent, nachvollziehbar, nicht-diskriminierend und umweltfreundlich sind. Ein wichtiger Aspekt ist, dass sie nicht von anderen Technologien, sondern stets von Menschen überwacht werden. 

Auf der Agenda

Wirtschaftsleistung Schweiz

Am 30. Mai veröffentlicht das Bundesamt für Statistik (BFS) seine Schätzung für das Wachstum des Brutto­inlandsproduktes (BIP) im ersten Quartal.

Aufgefallen

Pizza gegen Bitcoin

Am 22. Mai 2010 kaufte ein US-Programmierer für 10'000 Bitcoin, umgerechnet gut 40 US-Dollar, zwei Pizzen und tätigte damit die erste dokumentierte Transaktion mit der Kryptowährung. Heute wären das rund 700 Millionen Dollar. Es bleibt zu hoffen, dass der damalige Pizzakurier die Bitcoin nicht gleich veräussert hat!

Chart der Woche

Schöne, heile Aktienwelt!

Entwicklung des MSCI World Index

Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Der MSCI World Index ist auf ein Rekordhoch von 3'484 Punkten gestiegen – und das trotz mauer Welt­wirtschaft, Ukraine-Krieg und Nahost-Konflikt. Seit Anfang Jahr summiert sich sein Wertzuwachs auf fast 10%. Anleger scheinen sich am unsicheren Markt­umfeld derzeit wenig zu stören. Schlechte Konjunktur­daten interpretieren sie positiv, als Zeichen für eine baldige Zinswende der Notenbanken, die geopolitischen Risiken blenden sie weitgehend aus. Das ist gefährlich. Die weit gelaufenen Aktienkurse bieten Korrekturpo­tenzial, insbesondere angesichts des traditionell schwächeren Börsensommers.

Publikation «Marktkommentar»

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