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Marktkommentar – Ein Blick auf die Börsenwoche

Die Berichtssaison fällt gemischt aus und veranlasst Investoren, Gewinne mitzunehmen. Immer mehr zeigt sich, dass die Erwartungen der Anleger zu hoch sind. Der Schweizer Pharmasektor präsentiert sich dagegen äusserst robust.

Gewinnmitnahmen an der Schweizer Börse

Der Swiss Market Index (SMI) hat diese Woche zwar geschwächelt, sich dank Roche aber gut gehalten. Der Pharmakonzern hat positive Studienergebnisse im Zusammenhang mit einem Wirkstoff gegen Fettleibigkeit publiziert. Im Gegensatz zu Konkurrenzprodukten wird das Roche-Medikament als Pille verabreicht und muss nicht gespritzt werden. Die Genussscheine von Roche haben daraufhin deutlich zugelegt. Auch die Konkurrentin Novartis brilliert derzeit und übertrifft mit den Zweitquartalszahlen die Erwartungen der Analysten. Der Ausblick ist ebenfalls intakt, denn wie nach dem ersten Quartal wird auch nach dem zweiten der Ausblick angehoben. Investoren nutzen die Gelegenheit für Gewinnmitnahmen, nachdem die Novartis-Aktien seit Anfang Jahr 18% zugelegt haben und erstmals über 100 Schweizer Franken notierten. Enttäuscht zeigen sich Anleger beim Industriekonzern ABB und dies, obwohl das Unternehmen Umsatz, Gewinn und Profitabilität im zweiten Quartal verbesserte und der Auftragseingang stabil blieb. Zudem hält das Unternehmen an seinen Prognosen fest.

Rund läuft es beim Halbleiterzulieferer VAT. Der Umsatz kletterte um 13.6% auf 251.1 Millionen Franken, was am oberen Ende der eigenen Erwartungen liegt. Erfreulich ist auch der Bestellungseingang, der um 74.5% auf 270.9 Millionen Franken kletterte. Die Profitabilität hat zwar ebenfalls angezogen, liegt aber unter den Markterwartungen. VAT hält am Ausblick fest, erwartet ein sich verbesserndes Geschäft im zweiten Halbjahr und weiteres Wachstum im Jahr 2025. Investoren nutzen jedoch auch hier die Gelegenheit, um Gewinne ins Trockene zu bringen. Positive Signale kommen ebenfalls vom Industriekonzern Sulzer. Dieser erhöhte neben den Bestellungseingängen auch die Umsatzprognosen für das Gesamtjahr. Der Turbolader-Hersteller Accelleron hat die Umsatz- und Profitabilitätsziele angehoben und so die Anleger überzeugt. Dass das Geschäft bei der ehemaligen ABB-Tochter floriert, spiegelt sich auch im Aktienkurs. Seit Anfang Jahr haben die Titel um 63% zugelegt. Georg Fischer vermochte im ersten Halbjahr nur dank der Übernahme der finnischen Uponor zuzulegen, enttäuschte aber die Erwartungen des Marktes.  

EZB kämpft mit der Inflation

Die Teuerung in der Eurozone hält sich hartnäckig. Im Juni lag sie im Jahresvergleich unverändert bei 2.5% und damit weiterhin über dem Notenbankziel von 2%. Entsprechend hat die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen vorerst nicht weiter gesenkt. Damit bewegt sie sich allerdings auf einem schmalen Grat, denn die anhaltend restriktive Geldpolitik droht die schwächelnde Konjunktur weiter zu belasten. Dass sich der Ausblick eingetrübt hat, zeigt sich beispielsweise am Konjunkturbarometer des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Dieses ist im Juli das erste Mal seit einem Jahr gesunken. Der Markt erwartet von der EZB im September und im Dezember je eine Zinssenkung von 25 Basispunkten.

 

Halbleiterindustrie unter Druck

Die Aktien des niederländischen Halbleiterherstellers ASML wurden trotz starken Quartalszahlen vom Markt abgestraft. Das zeigt, wie hoch die Kurse gestiegen sind und wie dünn die Luft für Enttäuschungen geworden ist. Trotz einer Korrektur von fast 11% liegen die Valoren immer noch 28% über dem Kurs von Anfang Jahr. Im Sog dieser Korrektur und aufgrund sich möglicherweise verschärfender US-Exportbeschränkungen verzeichneten auch die US-Konkurrenten Nvidia und Micron Gewinnmitnahmen und damit deutliche Kursrückgänge.

 

Gold klettert auf Allzeithoch

Nach einer Verschnaufpause ist Gold wieder gefragt. Der Preis pro Unze handelte im Wochenverlauf auf rekordhohen 2483 US-Dollar pro Unze. Dabei sind in den vergangenen Tagen vor allem passive Fonds als Käufer aufgetreten. Hinzu kommen die näher rückenden Zinssenkungen der US-Notenbank, welche die Opportunitätskosten für das Halten von Gold senken.

Auf der Agenda

Berichtssaison läuft auf Hochtouren

Neben den SMI-Schwergewichten Nestlé und Roche legen viele weitere Unternehmen ihre Quartals- und Halbjahreszahlen vor. Spannend wird dabei vor allem der Ausblick.

Aufgefallen

Was ist mit dem Yen?

Der japanische Yen hat sich von seinen Tiefständen gelöst. Gerüchte um Interventionen der japanischen Notenbank halten sich hartnäckig.

Chart der Woche

Luxus lahmt

Aktienkursentwicklung von Swatch und Richemont, indexiert

Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Swatch-Group-Aktien sind nach Bekanntgabe der Halbjahrszahlen stark unter Druck geraten. Damit summiert sich das Minus seit Anfang Jahr auf rund 25%. Grund sind schwache Verkaufszahlen aus China. Aus den gleichen Motiven wurden auch die Titel des Luxusgüterherstellers Burberry abgestraft. Das zeigt, wie angeschlagen Chinas Wirtschaft ist. Etwas besser läuft es für Richemont. Der Konzern leidet zwar auch unter dem rückläufigen Geschäft in China, eine breitere Diversifikation und der Fokus auf das Höchstpreissegment zahlen sich aber aus – denn wer Geld hat, ist weniger konjunktursensitiv.

Publikation «Marktkommentar»

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