Auf der Agenda
Schweizer Konsumentenstimmung
Am 9. Oktober werden Daten zur Schweizer Konsumentenstimmung publiziert.
Micron brillierte mit sehr guten Quartalszahlen und einem optimistischen Ausblick. Gleichzeitig zeigen die Entwicklungen bei Lindt & Sprüngli und mehrere verschobene Börsengänge, dass die gute Stimmung bei den Anlegern bröckelt.
02.10.2026
Der Swiss Market Index (SMI) verabschiedete sich mit Abgaben aus dem dritten Quartal. Für Aufsehen sorgte der Schokoladenhersteller Lindt & Sprüngli, der Anlegerinnen und Anleger diese Woche mit einer Umsatzwarnung schockierte. Anstelle der geplanten 4% bis 6% stellt der Lindorkugel-Hersteller für das laufende Jahr noch ein Umsatzwachstum von 0% bis 2% in Aussicht. Begründet wird der Schritt mit dem heissen Sommer und einer zunehmenden Preissensitivität der Konsumenten. Zwar hat das Unternehmen an seinen Mittelfristzielen festgehalten, dennoch sind die Aktien zwischenzeitlich auf den tiefsten Stand seit über fünf Jahren gesunken. Aufgeatmet haben die Börsianer bei der Privatbank Julius Bär. Nachdem die Finanzmarktaufsicht Finma die Aufarbeitung des Signa-Debakels für abgeschlossen erklärte, hievten Investorinnen und Investoren die Titel auf ein Allzeithoch. Die Aussicht auf ein beim Regulator bereits beantragtes Aktienrückkaufprogramm wiegt stärker als der erneute Tadel. Das Biopharmaunternehmen Santhera hat im ersten Halbjahr seinen Umsatz mehr als verdoppelt, die Erträge aus Lizenzen und Meilensteinzahlungen haben sich sogar mehr als vervierfacht. Dennoch erwirtschaftete das Unternehmen unter dem Strich einen Verlust von 6.6 Millionen Franken. Im Vorjahr betrug der Verlust allerdings gar 35.4 Millionen.
Die Ökonomen des KOF Instituts haben die Wachstumsprognosen für das Schweizer Bruttoinlandsprodukt von 0.8% auf 1.9% angehoben. Für 2027 und 2028 erwarten die KOF-Spezialisten ein Wirtschaftswachstum von jeweils 1.7%. Grund für die Aufwärtsrevisionen sind starke Zahlen im zweiten Quartal, die insbesondere von Pharmaexporten getrieben wurden. Mit derselben Argumentation hatten auch wir bei Raiffeisen unsere Konjunkturprognosen angehoben. Wir erwarten für 2026 ein Wachstum von 1.7%. Für 2027 sind wir mit einer Schätzung von 1.3% etwas vorsichtiger. Kein Grund zur Sorge bleibt derweil die Inflation. Im September sind die Preise gegenüber dem Vormonat nicht weiter angestiegen, gegenüber dem Vorjahr lag die Teuerung bei 1.0%.
Der Quartalsabschluss des Halbleiterherstellers Micron Technology kann als Gradmesser für die Dynamik im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) und Investorenerwartungen betrachtet werden. Und Micron hat, trotz der hohen Erwartungen, geliefert. Umsatz, Gewinn und Ausblick lagen über den Prognosen der Analysten. Dass sich die Aktie nach der Publikation der Quartalszahlen nur geringfügig bewegte, spricht allerdings dafür, dass der Markt insgeheim doch mehr erwartet hat.
Es muss nichts bedeuten, ist aber dennoch ein Signal: Der Smart-Ring-Hersteller Oura hat seinen Börsengang verschoben. Begründet wird der Schritt mit Unsicherheiten am IPO-Markt. Insgesamt wollte das Unternehmen bis zu 2.2 Milliarden Dollar einsammeln. Das ist vergleichsmässig ein bescheidener Betrag, vor allem mit Blick auf die erwarteten Börsengänge der KI-Unternehmen Anthropic und Open AI, die sich von Investorinnen und Investoren ein Vielfaches dieser Summe wünschen. Nun scheint das Geld nicht mehr so locker zu sitzen. Dafür sprechen auch die bereits verschobenen IPOs des Rechenzentrumsbetreibers SB Energy und des Nukleartechnologiekonzerns Holtec.
Die Konsumenten in den USA trotzen der hohen Inflation, konsumieren munter und stützen damit die Konjunktur. So legte der private Konsum im August weiter zu. Die Gretchenfrage bleibt, ob dies so anhält, zumal das Konsumentenvertrauen im September unter Druck geraten ist. Letzteres ist auch auf die erhöhten Energiepreise im abge-laufenen Monat zurückzuführen und könnte perspektivisch die Ausgabenfreude belasten, weil das verfügbare Einkommen schrumpft. Die Inflation, gemessen am PCE-Index, verharrte derweil bei 3.4%. Das Niveau liegt deutlich über dem Zielband der Notenbank Fed, aber unter den erwarteten 3.7%. Dennoch sind weitere Zinserhöhungen so gut wie sicher.
Auf der Agenda
Schweizer Konsumentenstimmung
Am 9. Oktober werden Daten zur Schweizer Konsumentenstimmung publiziert.
Gefragte Kreuzfahrten
Der Veranstalter von Kreuzfahrten, Carnival, hat seine Jahresprognose aufgrund der starken Nachfrage angehoben. Obwohl die Aktien gut 13% zugelegt haben, notieren sie seit Anfang Jahr 18% im Minus.
Gewaltige Schere
Aktienkursentwicklung von Nike verglichen mit dem S&P 500, in USD und indexiert
Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office
«Just do it», das weltweit bekannte Motto des Sportartikelherstellers Nike soll Menschen dazu motivieren, aktiv zu werden. Alles andere als motivierend ist die Aktienkursentwicklung von Nike. Während sich der breite US-Markt seit Anfang 2021 mehr als verdoppelte, büssten die Nike-Valoren über 70% ihres Wertes ein. Die Umsätze sind rückläufig, das China-Geschäft und die Margen unter Druck. Dass Starstürmer Kylian Mbappé nun neu bei On unter Vertrag steht, hat auch nicht geholfen. Bis die neue Strategiegreift wird es noch dauern. Aber wie heisst es so schön: Wenn die Nacht am dunkelsten ist, ist die Dämmerung am nächsten, obwohl die jüngsten Ergebnisse dies noch nicht zeigen.