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Marktkommentar – Ein Blick auf die Börsenwoche

Die erneute Eskalation im Nahen Osten belastet die Stimmung der Anleger. Im Fokus steht dabei der neuerliche Anstieg des Ölpreises. An den Aktienmärkten überwiegt derzeit noch die Euphorie um Künstliche Intelligenz.

10.07.2026

Die Geopolitik belastet die Börsen

Der Ölpreis steigt, die gute Stimmung der Anlegerinnen und Anleger schwindet. Grund ist die Situation im Nahen Osten, die erneut zu eskalieren droht. Auslöser waren iranische Angriffe auf Handelsschiffe in der Strasse von Hormus, die von den USA mit Bombardierungen beantwortet wurden. US-Präsident Donald Trump hat daraufhin den Waffenstillstand für beendet erklärt. Ob die Friedensverhandlungen zwischen den USA und dem Iran damit vom Tisch sind, oder ob es sich um Verhandlungstaktik handelt, wird sich zeigen. In diesem Umfeld tendierten auch die Schweizer Aktienindizes nach einem verhaltenen Wochenstart negativ. Dennoch hielt sich der Kurstaucher in Grenzen. Unternehmensseitig stand der Schokoladenhersteller Barry Callebaut mit seinen Quartalszahlen im Fokus. Zum ersten Mal seit über zwei Jahren hat das Unternehmen den Schokoladenverkauf gesteigert. Die Jahresziele werden leicht nach oben angepasst. Die Jurassische Kantonalbank hat ein Halbjahresergebnis im Rahmen des Vorjahres vorgelegt und so dem herausfordernden Umfeld getrotzt. Der Rohrleitungsspezialist Georg Fischer hat den Verkauf ihrer Feinguss-Giesserei für die Luft- und Raumfahrt sowie Industriegasturbinen an die amerikanische Consolidated Precision Products Corp. bekanntgegeben. Georg Fischer erwartet daraus einen Mittelzufluss von 220 Millionen Franken, der für die Reduktion der Schulden verwendet werden soll. Mit diesem Verkauf ist der Prozess der Veräusserung aller nicht zum Kerngeschäft gehörenden Aktivitäten abgeschlossen.

 

Robuster Schweizer Arbeitsmarkt

Die wirtschaftlichen und geopolitischen Unsicherheiten sind für den Schweizer Arbeitsmarkt derzeit keine Belastung. Die Arbeitslosenquote ist im Juni von 3.0% auf 2.9% gesunken. Der Rückgang ist allerdings saisonal begründet, denn saisonbereinigt verharrte die Quote bei 3.1%. Aufgrund des guten Wetters steigt beispielsweise die Aktivität auf Baustellen. Wie stark der konjunkturelle Gegenwind den Arbeitsmarkt belastet, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.

Microsoft entlässt Mitarbeitende

Der Softwarekonzern Microsoft hat einen Abbau von 4’800 Stellen bekannt gegeben. Grund sind unter anderem KI-bedingte Produktivitätssteigerungen. Der Grossteil der Restrukturierung entfällt auf die Xbox-Gaming-Sparte, wo 3’200 Mitarbeitende betroffen sind, was rund einem Fünftel der Belegschaft dieses Bereichs entspricht. Dass der Konzern unter Druck ist, spiegelt sich seit längerem im Aktienkurs wider. Allein seit Anfang Jahr haben die Titel rund 20% an Wert eingebüsst. Anleger begründen das mit der Angst, dass Software stark von Künstlicher Intelligenz bedrängt wird.

 

Vorboten aus Südkorea

Die koreanische Börse steht dieses Jahr im Rampenlicht. Das liegt mitunter an der imposanten Performance. Nachdem sich der Leitindex KOSPI seit Anfang Jahr zunächst verdoppelte, liegt er derzeit immer noch gut 70% im Plus. Getrieben wurde dieser Kurssprung von den Aktien der Technologiekonzerne Samsung Electronics und SK Hynix, die im Sog der Euphorie um Künstliche Intelligenz (KI) stark zugelegt haben. Dass die Erwartungen mittlerweile sehr hoch sind, zeigte sich bei Samsung. Trotz einem neuerlichen Rekordquartal kam der Aktienkurs unter Druck. Das erhöht die Schwankungen des Gesamtmarktes, wie auch der Blick auf die Tagesbewegungen zeigt. 13-mal kletterte der KOSPI dieses Jahr an einem einzelnen Tag um mehr als 5%, 12-mal verlor er mehr als 5%. In den zehn Jahren zuvor kam es insgesamt 6- beziehungsweise 4-mal zu so starken Bewegungen – allerdings mehrheitlich während der von Unsicherheit geprägten Corona-Krise. Aufgrund der Schwankungen kann man aktuell durchaus von KI-bedingter Unsicherheit sprechen.

 

China kauft antizyklisch Gold

480’000 Unzen Gold hat die chinesische Notenbank im vergangenen Monat gekauft. Das ist der stärkste Zukauf seit Oktober 2023. Damit unterstreichen die Notenbanker einerseits ihre Absicht, die Goldreserven langfristig aufzubauen, andererseits nutzen sie antizyklisch Kursschwächen für beschleunigte Zukäufe.

Auf der Agenda

Berichtssaison kommt ins Rollen

Mit den Quartals- und Halbjahreszahlen der Zuger Kantonalbank, Richemont, ABB, Georg Fischer, Rieter, DKSH und Mikron nimmt die Berichtssaison hierzulande kommende Woche Fahrt auf.

Aufgefallen

Swiss Market Index wird noch gesundheitslastiger

Am 21. September wird die Zusammensetzung des SMI angepasst. Dabei werden Swisscom sowie Kühne + Nagel durch Galderma und Sandoz ersetzt.

Chart der Woche

Optimismus trotz brüchiger Waffenruhe

Entwicklung des VIX-Index

Chart der Woche

Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Trotz der Eskalation im Nahen Osten spielen Unsicherheiten an den Aktienmärkten derzeit eine untergeordnete Rolle. Das spiegelt der Volatilitätsindex VIX, der die Schwankungen des US-Aktienmarktes abbildet und auch als Angstbarometer bekannt ist. Der Indikator notiert auf dem Niveau von Anfang Jahr. Somit sind der Krieg im Iran und die damit verbundenen Risiken für die Weltkonjunktur für Anlegerinnen und Anleger vorerst vom Tisch. Während die Beruhigung mit steigenden Kursen einhergeht, ist der VIX-Index für viele auch ein Kontraindikator. Ob die von Künstlicher Intelligenz getriebene Euphorie anhält oder von der anstehenden Berichtssaison gebremst wird, wird sich zeigen.

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