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Marktkommentar – Ein Blick auf die Börsenwoche

Der Krieg im Nahen Osten wirft seinen Schatten auf die Börsen. Zusätzlich belasten die Zinserwartungen der Marktteilnehmer die Stimmung. Hierzulande muss der Pharmariese Novartis zwei Rückschläge in der Medikamentenforschung verdauen.

11.09.2026

Sorgencocktail für die Börsianer

Die Gefechte zwischen dem Iran und den USA sowie die Angriffe der Huthi-Rebellen auf Saudi-Arabien haben an den Börsen die Sorgen über eine längerfristige Störung der Rohstoffversorgung aus dem Nahen Osten wachsen lassen. Das spiegelte sich im Ölpreis (Brent), der erneut über die Marke von 100 US-Dollar kletterte. Zusätzlich dämpften die erwarteten Leitzinserhöhungen durch die grossen Notenbanken die Risikobereitschaft der Anlegerinnen und Anleger. Vor diesem Hintergrund tendierten die Aktienmärkte über weite Strecken tiefer. Dass die Kurse in Asien und den USA dabei nicht stärker nachgaben, ist auf das nach wie vor bestehende Interesse der Investoren an Technologiewerten mit Bezug zu Künstlicher Intelligenz (KI) zurückzuführen.

 

Novartis scheitert gleich zweimal

Nach dem Rekordhoch von vergangener Woche liessen die Forschungsrückschläge mit zwei Hoffnungsträgern, dem Herzmittel Pelacarsen und dem Wirkstoff Del-desiran gegen die Muskelkrankheit Myotone Dystrophie, die Aktie von Novartis am Dienstag um fast 11% absacken. Damit sind an einem einzigen Handelstag rund 24 Milliarden Franken an Marktkapitalisierung verpufft. Zugleich ist es der grösste Kursverlust seit Frühjahr 2020. Wegen des hohen Gewichts des Pharmariesen im Swiss Market Index (SMI) kam dieser ebenfalls unter Druck. Der Elektroinstallateur Burkhalter verbuchte derweil für das erste Semester bei gehaltenem Umsatz einen im Vergleich zum Vorjahr klar höheren Reingewinn. Fast 19 Millionen Euro weniger verdient und damit die Analystenschätzungen verfehlt hat Medacta. Hauptgrund dafür war der schwächelnde US-Markt. Nichtsdestotrotz hält das Ortho-pädieunternehmen an seinen Finanzzielen für dieses Jahr fest.

 

EZB dreht an der Zinsschraube

Die Europäische Zentralbank (EZB) nimmt die hohe Inflation im Währungsraum (August: +3.3%) ernst. Wie von uns erwartet, hat sie am Donnerstag ihre Leitzinsen um 25 Basispunkte erhöht. Beim Blick nach vorne möchten sich die Währungshüter aber auf keinen Pfad festlegen, sondern von Sitzung zu Sitzung entscheiden. Entgegen dem Konsens rechnen wir auf 12-Monats-Sicht mit keiner weiteren Straffung der Geldpolitik. Denn zum einen würde die EZB Gefahr laufen, das ohnehin schon bescheidene Wirtschaftswachstum abzuwürgen. Zum anderen fusst die Teuerung bislang primär auf den gestiegenen Energiepreisen, was den disinflationären Effekt höherer Zinsen reduziert.

 

Sentix-Barometer steigt deutlich

Die geopolitischen Risiken scheinen die Anlegerinnen und Anleger bei ihrer Beurteilung der Wirtschaftsaussichten kaum zu beeindrucken. Das von der Beratungsfirma Sentix erhobene Barometer für die Konjunkturerwartungen im Euroraum kletterte im September um 4.2 Zähler auf 5.1 Punkte, den höchsten Stand seit Februar 2022.

 

Licht und Schatten im Reich der Mitte

Der chinesische Aussenhandel hat im August weiter Fahrt aufgenommen. Die Exporte stiegen, mitunter dank des boomenden KI-Geschäfts, im Vergleich zum Vorjahr um 25.0%, die Importe um 28.2%. Unter dem Strich resultierte ein Überschuss von umgerechnet gut 96.4 Milliarden Franken. Die Inflation kletterte derweil von 0.5% auf 0.8%. Die Kernrate, welche Energie- und Nahrungsmittelpreise ausklammert, zog überraschend von 0.9% auf 1.0% an. Für die schwächelnde Binnenkonjunktur sind das schlechte Neuigkeiten. Die Konsumschwäche im Reich der Mitte spüren auch die hiesigen Luxusgüterhersteller wie Richemont und Swatch.

 

Zinserwartungen stärken Yen

Mit 0.5289 Franken war der japanische Yen zeitweise über 4% teurer als zu Monatsanfang. Zugleich markierte er den höchsten Stand seit Herbst 2025. Kurstreiber waren die Zinserwartungen der Börsianer: Wegen der jüngsten Konjunkturdaten preisen sie für nächste Woche eine weitere geldpolitische Straffung durch die Bank of Japan ein.

Auf der Agenda

Folgen Warshs Worten Taten?

Kommenden Mittwoch beraten sich die US-Währungshüter über die Geldpolitik. Nach den falkenhaften Aussagen von Kevin Warsh geht es auch um die Glaubwürdigkeit der Fed.

Aufgefallen

Auf die Rakete gekommen

Die Porsche SE steigt beim US-Raketenbauer Stoke Space ein. Nach Isar Aerospace ist es das zweite Investment des Autoherstellers in eine Raumfahrtfirma.

Chart der Woche

Kurzfristige Rücksetzer gehören dazu

Wertentwicklung von Lindt & Sprüngli und dem SPI, inkl. Dividenden und indexiert

Chart der Woche

Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Die Aktien von Lindt & Sprüngli haben im laufenden Jahr rund einen Viertel an Wert eingebüsst. Trotz dieses Rücksetzers liegt die annualisierte Rendite seit 2000 aber bei 10.8% – das ist doppelt so hoch wie jene des Swiss Performance Index (SPI). Die langfristige Qualität des Goldhasenproduzenten unterstreicht zudem der Fakt, dass das Unternehmen seit über 25 Jahren seine regulären Ausschüttungen stetig erhöht hat und somit zu den heimischen Dividendenaristokraten zählt. Und wen das immer noch nicht überzeugt: Besitzer einer Namensaktie erhalten als Sahnehäubchen alljährlich einen prallgefüllten Schokoladenkoffer geschenkt.

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