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Marktkommentar – Ein Blick auf die Börsenwoche

Das zweite Quartal wird an der Börse mit einem Kursfeuerwerk eingeläutet. Wie lange dieses anhält, hängt von der Dauer des Krieges und der Höhe des Ölpreises ab. Auch diese Woche haben Unternehmen vor negativen Folgen gewarnt.

02.04.2026

Lichtblick an der Börse

Emotionen treiben die Börse an. Nach einem schwachen Monat und einem negativen ersten Quartal schöpfen Anlegerinnen und Anleger zu Beginn des zweiten Quartals Hoffnung. Ein mögliches Ende des Krieges im Iran hat die Kurse angetrieben. Gleichzeitig zeigte sich, dass der Nahostkonflikt bei den Unternehmen angekommen ist. So beim Vakuumventilhersteller VAT, der wegen unterbrochener Lieferketten eine Umsatzwarnung ausgesprochen hat. Oder bei den Jungfraubahnen, die über einen schwächeren Jahresstart berichteten. Der Aktienkurs hat dies zumindest teilweise bereits vorweggenommen, denn seit seinem Rekordhoch Anfang März haben die Titel deutlich eingebüsst. Dennoch können sich die Aktionäre dank einem guten Jahresergebnis über eine Dividendenerhöhung freuen. Wie stark andere Unternehmen vom Krieg betroffen sind, zeigt sich ab kommender Woche, wenn die ersten Unternehmensergebnisse zum ersten Quartal bekannt gegeben werden.

 

Gleichgewichteter SMI

Der Swiss Market Index (SMI) ist konzentriert. Die Schwergewichte Novartis, Roche und Nestlé stellen rund die Hälfte des Index. Das ist Fluch und Segen zugleich. In schwierigen Phasen stabilisieren die defensiven Werte. Wenn ein Titel jedoch Mühe bekundet, krankt der ganze Index. Dem will die Börsenbetreiberin SIX nun entgegenwirken. Am Mittwoch hat sie einen gleichgewichteten Index lanciert, den SMI Equal Weight. Jedes der 20 Mitglieder ist lediglich mit 5% vertreten. Die Gewichtung der grossen drei reduziert sich somit auf 15%. Während die Diversifikationsvorteile zunehmen, geht dem neuen Barometer Charakter verloren.

 

Schweizer Wirtschaft trübt sich ein

Das Konjunkturbarometer des KOF-Instituts der ETH Zürich ist im März deutlich zurückgekommen und liegt nun unter dem langjährigen Schnitt, auf dem Niveau des letztjährigen US-Zollschocks. Treibend für die Abschwächung sind die Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem erhöhten Ölpreis. Dieser drückt die Stimmung im Industriesektor und lastet auf dem Konsum. Als vorlaufender Indikator verheisst der Rückgang nichts Gutes, dennoch ist der weitere Verlauf vor allem von der Dauer des Krieges abhängig.

Die Inflation ist zurück

In Deutschland ist die Teuerung auf den höchsten Stand seit über zwei Jahren geklettert. Um 2.7% haben sich Waren und Dienstleistungen im März gegenüber dem Vorjahr verteuert, nach 1.9% im Februar. Ausschlaggebend sind die aufgrund des Krieges im Iran höheren Energiekosten. Auch in der gesamten Eurozone ist die Inflation wieder auf dem Vormarsch. Sie stieg im März von 1.9% auf 2.5%. Damit droht dem Wirtschaftsraum wieder eine restriktivere Geldpolitik durch die Europäische Zentralbank (EZB), welche die Wirtschaftsentwicklung bremst. Die Konsequenzen sind einfach erklärt. Wenn die Zinsen steigen und der Einkaufskorb teurer wird, bleibt weniger für den Konsum, die wichtigste Säule jeder Wirtschaft, übrig. Ob die Konjunktur in eine Stagflation oder gar eine Rezession abrutscht, ist davon abhängig, wie lange der Ölpreis über dem langjährigen Schnitt notiert.

 

Der Osterhase wird zum Luxusgut

Schokohasen werden auch dieses Jahr die Osternester bevölkern. Erstaunlich ist dabei, dass der Kakaopreis zwar rund Dreiviertel unter dem Preis vom Vorjahr notiert, die Osterhasenpreise in Deutschland jedoch im Schnitt einen Viertel über jenen des Jahres 2025 liegen, wie die Verbraucherzentrale in Hamburg ermittelte. In der Tendenz dürfte diese Preisentwicklung auch für die Schweiz zutreffen. Das liegt daran, dass der aktuell verarbeitete Kakao bereits früher und damit zu höheren Preisen eingekauft wurde. Laut dieser Argumentation müssten die Preise im kommenden Jahr also deutlich sinken. Dass der Goldhase von Lindt zunehmend zum Luxusgut wird, zeigte sich jüngst daran, dass er bei einem Detailhändler wegen des hohen Preises aus dem Regal gekickt wurde. Übrigens, dass Timing nicht nur an der Börse zählt, zeigt sich schon am Dienstag nach Ostern, wenn die meisten Hasen deutlich günstiger erhältlich sind. In diesem Sinne wünscht Ihnen das CIO Office von Raiffeisen Schweiz frohe Ostern.

Auf der Agenda

US-Teuerung im Fokus

Kommende Woche werden in den USA die Inflationsdaten für den März bekannt gegeben. Dann zeigt sich, wie stark die gestiegenen Energiepreise die Teuerung bereits angekurbelt haben.

Aufgefallen

Optimistischere Schweizer KMU

Der von Raiffeisen erhobene Einkaufsmanagerindex kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU-PMI) in der Schweiz hat im März weiter zugelegt. Dennoch ist die Stimmung wegen des Krieges im Iran gedämpft.

Chart der Woche

Grosse Performanceschere

Tops und Flops im SMI im ersten Quartal

Chart der Woche

Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Die Börse spricht Klartext: Der Krieg im Iran hat den Swiss Market Index (SMI) im ersten Quartal ins Minus gedrückt. Von 20 Titeln notieren nach drei Monaten nur vier in der Gewinnzone. Gleichzeitig ist die Performanceschere weit offen. Im aktuell unsicheren Umfeld sind die Valoren des Telekomunternehmens Swisscom gefragt. Sie überzeugen durch ein stabiles Geschäft, ein begrenztes Auslandgeschäft und eine attraktive Dividende. Dagegen belasten regulatorische Unsicherheiten und hohe Kosten die Grossbank UBS. Die Aktien des Bauzulieferers Sika und des Luxusgüterherstellers Richemont leiden indes unter der konjunkturellen Verlangsamung.

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