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Marktkommentar – Ein Blick auf die Börsenwoche

Die Situation im Nahen Osten verunsichert. Die Frage nach der Energieversorgungssicherheit rückt zunehmend in den Fokus. Das sorgt für volatile Börsen. In den USA verharrt derweil die Inflation über dem 2%-Zielwert der Notenbank Fed.

13.03.2026

Börsen im Zeichen des Iran-Krieges

Die De-facto-Blockade der Meerenge von Hormus trieb den Ölpreis (Brent) zu Wochenstart auf über 100 US-Dollar pro Fass. Bei den Börsianern löste das Nervosität aus. Der Volatilitätsindex (VIX) notierte mit zeitweise über 30 Zählern auf dem höchsten Stand seit April 2025. Grund ist die Angst vor einer Energieknappheit. Sollte es so weit kommen, würde das einen neuerlichen Inflationsschub auslösen und die Weltwirtschaft spürbar belasten. Donald Trumps Ankündigung eines kurzen Krieges und die Freigabe staatlicher Ölreserven von bis zu 400 Millionen Barrel durch die Internationale Energieagentur (IEA) sowie die Aussicht auf mehr saudische Öllieferungen drückten den Preis des schwarzen Goldes dann wieder etwas. Angesichts eines drohenden Flächenbrandes im Nahen Osten war die Entspannung aber nur von kurzer Dauer. Der Swiss Market Index (SMI) rutschte im unsicheren Umfeld erstmals seit Mitte Dezember wieder unter die Marke von 13’000 Punkten. Per Freitagmorgen resultierte für den Leitindex ein Wochenminus von 1.9%. Der Goldpreis hielt sich derweil um 5’200 US-Dollar pro Unze.

 

Berichtssaison in der Schweiz läuft auf Hochtouren

Der Versicherer Swiss Life hat die Analystenerwartungen im Jahr 2025 erfüllt und steigerte seinen Betriebsgewinn um 3% auf 1.83 Milliarden Franken. Während das Gebührengeschäft weniger Geld abwarf, erwies sich das Versicherungsgeschäft mitunter dank höherer Prämieneinnahmen als verlässliche Stütze. Die Dividende soll infolgedessen von 35 auf 36.5 Franken je Aktie steigen. Ebenfalls mehr Dividende erhalten die Aktionäre von Geberit. Der Sanitärtechnikkonzern legte beim Gewinn zu. Wegen einer Werkschliessung war die Marge jedoch leicht rückläufig. Dank seiner starken Marktposition konnte der Schokoladenhersteller Lindt & Sprüngli die hohen Kakaopreise an die Kunden weitergeben und höhere Preise durchsetzen. Unter dem Strich resultierte ein Betriebsgewinn von 971 Millionen Franken. Das entspricht einem Plus von fast 10%. Anteilseigner kommen in den Genuss einer Dividendenerhöhung um 300 Franken auf 1’800 Franken pro Aktie. Die Valoren gaben wegen der gesenkten Aussichten für 2026 am Dienstag dennoch um fast 10% nach. Trotz des schwierigen Wirtschaftsumfeldes erhöhte sich beim Industriekonzern Huber+Suhner der Auftragseingang 2025 um fast 14%. Zugleich wurde das Unternehmen profitabler. Mehr Dividende und ein Aktienrückkaufprogramm kündeten Avolta wie auch Accelleron an. Der Reisedetailhändler steigerte seinen Gewinn um 4.5%, der Turboladerhersteller gar um 22.6%.

Tschüss Genussschein!

Der Pharmariese Roche hat an der Generalversammlung beschlossen, seine Genussscheine (GS) per 16. März 2026 abzuschaffen und durch Partizipationsscheine (PS) mit einem Nennwert von 0.1 Rappen zu ersetzen. Für das Unternehmen hat das den Vorteil, dass es künftig neue PS emittieren kann, um etwa frisches Kapital für Übernahmen aufzunehmen.

 

Volkswagen in der Krise

Die US-Zölle und der erbitterte Wettbewerbskampf im E-Automarkt haben Volkswagen (VW) das schlechteste Ergebnis seit einer Dekade eingebrockt. Der Gewinn sank 2025 um 44% auf 6.9 Milliarden Euro. Bei der Sportwagentochter Porsche brach er um über 90% ein. Als Konsequenz davon sollen konzernweit zehntausende Stellen gestrichen werden. Auf die Aktienkurse von VW und Porsche hatten die Zahlen indes kaum Auswirkungen, da bereits viel Negatives eingepreist war.

 

US-Inflation bleibt stabil

Die Konsumentenpreise in den USA haben sich im Februar, wie schon im Vormonat, erwartungsgemäss um 2.4% verteuert. Auch die Kerninflation, bei der die besonders volatilen Preise für Energie und Lebensmittel unberücksichtigt bleiben, verharrte auf ihrem Januar-Wert (2.5%). Mit dem Iran-Krieg und den in der Folge höheren Rohölnotierungen dürfte perspektivisch aber wieder mehr Druck in die Inflationspipeline kommen. Die Notenbank Fed wird das mit Argusaugen beobachten.

Auf der Agenda

Zinsentscheid SNB

Am 19. März berät die Schweizerische Nationalbank (SNB) über ihre geldpolitische Strategie. Wir erwarten keine Anpassung des Leitzinses.

Aufgefallen

Chinas Aussenhandel überrascht

Zum Jahresauftakt stiegen die chinesischen Exporte in US-Dollar um 21.8%, die Importe um 19.8%. Damit resultiert trotz schwächelnder Konjunktur und geopolitischer Spannungen ein Handelsüberschuss von 213.6 Milliarden US-Dollar.

Chart der Woche

Eidgenossen unter Druck

Renditeentwicklung von 10-jährigen Schweizer Bundesobligationen

Chart der Woche

Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Für gewöhnlich gelten Staatsanleihen in Krisenzeiten als sicherer Hafen. Nicht so momentan. Angesichts des wohl längere Zeit andauernden Krieges im Iran ist diese Anlageklasse weltweit wenig gefragt. So sind etwa die Renditen für 10-jährige Eidgenossen bis auf knapp 0.4% geklettert, den höchsten Stand seit Sommer 2025. Grund für dieses atypische Verhalten sind die im Zuge des Nahost-Konfliktes deutlich gestiegenen Rohölpreise. Diese wecken bei den Anlegerinnen und Anlegern die Sorge um eine perspektivisch erneut anziehende Inflation und in der Folge höhere Kapitalmarktzinsen.

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