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Marktkommentar – Ein Blick auf die Börsenwoche

Die Stimmung an den Börsen ist gut, die Kurse steigen. Gleichzeitig mahnen erste Umsatzzahlen und Prognoseanpassungen zur Vorsicht. Auch der Chef der US-Notenbank Fed gibt sich zurückhaltend beim Thema Zinssenkungen.

Optimistische Börse

Die Börse klettert scheinbar unaufhaltsam. In den USA markierten sowohl der breite S&P 500 als auch der technologielastige Nasdaq neue Rekorde. Bei Schweizer Aktien ist die Stimmung zwar nicht ganz so euphorisch, aber ebenfalls positiv. Wie stark die Halbjahreszahlen die Gemütslage beeinflussen, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Erste Indikationen mahnen zur Vorsicht. Enttäuscht reagierten Investoren auf die Volumen- und Umsatzzahlen des Schokoladenherstellers Barry Callebaut. Der höhere Kakaopreis liess den Umsatz zwar um 16% auf 7.3 Milliarden Franken ansteigen, die Volumen entwickelten sich allerdings lediglich seitwärts. Auch die von DocMorris veröffentlichen Absatzzahlen liessen die Aktienkurse einbrechen, obwohl sich der Umsatz der Onlineapotheke in den ersten sechs Monaten des Jahres um 5.7% erhöhte. Einen vollen Zahlenkranz legte die Hypothekarbank Lenzburg vor. Sie vermochte im wichtigen Zinsgeschäft deutlich zuzulegen, erwirtschaftete gegenüber dem Vorjahr – aufgrund von Investitionen – allerdings weniger Gewinn. Der Zementhersteller Holcim punktete derweil mit der Übernahme der belgischen Firma Mark Desmedt und baut so das Geschäft im Bereich Bauschutt-Recycling aus. Trotz einer schwachen Jahresperformance kehren die Aktien des Personalvermittlers Adecco ab Herbst in den Swiss Leader Index (SLI) zurück. Vor einem Jahr wurden sie von Sandoz aus dem Index der 30 grössten Schweizer Titel verdrängt. Jetzt übernehmen sie den Platz der Inhaberaktien von Roche.

 

VW reduziert die Aussichten

Volkswagen erwägt die Schliessung ihres Werkes in Brüssel. Grund ist die schwache Nachfrage nach dem Oberklasse-Elektroauto Q8 e-tron. Der Konzern rechnet in diesem Zusammenhang mit Kosten von bis zu 2.6 Milliarden Euro. Details werden mit der Publikation der Halbjahreszahlen am 1. August bekannt gegeben. Der Aktienkurs hat diese Nachrichten verhältnismässig locker weggesteckt, was aber vor allem daran liegt, dass die Titel allein dieses Jahr 6% und in den vergangenen 3 Jahren 50% ihres Wertes eingebüsst haben. Enttäuschende Nachrichten sind somit weitgehend in den Kursen enthalten.

 

Boeing bekennt sich schuldig

Der Flugzeugbauer Boeing soll sich wegen Verabredung zum Betrug schuldig bekennen. Damit würde das Unternehmen weitere Untersuchungen des Justizministeriums verhindern. Es geht um zwei Flugzeugabstürze in Indonesien und Äthiopien in den Jahren 2018 und 2019, bei denen 346 Menschen ums Leben kamen. Sollte es zu einer Vereinbarung kommen, würde Boeing eine Strafe von 243.6 Millionen US-Dollar aufgebrummt. Zudem müssten im Verlauf der kommenden drei Jahre 455 Millionen US-Dollar in die Verbesserung der Sicherheits- und Compliance Programme investiert werden.

US-Inflation ebnet Weg für Zinssenkungen

Die Teuerung in den USA betrug im Juni gegenüber dem Vorjahr 3.0%. Das ist immer noch deutlich über der Notenbank-Obergrenze von 2%. Sie entwickelt sich aber in die richtige Richtung und ist stärker zurückgekommen als erwartet. Dasselbe gilt für die Kernrate, welche die stark schwankenden Nahrungsmittel- und Energiepreise ausklammert. Aktuell prognostiziert der Markt eine erste Zinssenkung in Übersee im September. Verhalten gab sich diesbezüglich der Chef der US-Notenbank Fed, Jerome Powell, vor dem US-Senat. Obwohl bei der Inflationsbekämpfung Fortschritte gemacht würden, warnte er vor einer zu schnellen Lockerung der Geldpolitik. Er erwähnte auch den sich abkühlenden Arbeitsmarkt. Das zeigt die Gratwanderung zwischen Inflationsbekämpfung und dem Abwürgen der wirtschaftlichen Aktivität, auf der sich die Währungshüter befinden.

 

Teure KI

Eine mögliche Zusammenarbeit zwischen dem Softwarekonzern Oracle und dem auf Künstliche Intelligenz (KI) fokussierten Startup xAI von Elon Musk ist geplatzt. Dem Vernehmen nach gingen die Ansichten über die Bauzeit des Datenzentrums zu stark auseinander. Das Geschäft hatte einen Wert von rund 10 Milliarden Dollar, was zeigt, wie kostenintensiv KI ist. Wer erfolgreich sein will, benötigt viel Geld. Daher dürften sich vor allem die grossen Technologiewerte den KI-Kuchen untereinander aufteilen.

Auf der Agenda

Berichtssaison nimmt Fahrt auf

Kommende Woche geben mit Richemont, ABB und Novartis gleich drei Unternehmen aus dem SMI einen Einblick ins abgelaufene Quartal.

Aufgefallen

Archegos-Chef droht lange Haft

Bis zu 200 Jahre Haft drohen dem Chef des US-Hedgefonds Archegos. Er wurde des Betrugs und der Marktmanipulation schuldig gesprochen. Machen-schaften, die die Credit Suisse nachhaltig schädigten.

Chart der Woche

Völlig losgelöst

Aktienmarkt und Konjunktur divergieren

Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Das Bild ist klar: Die konjunkturellen Erwartungen der Investoren werden seit rund einem Quartal nicht mehr erfüllt, was am Citigroup Economic Surprise Index abgelesen werden kann. Die anhaltend restriktive Geldpolitik bremst zunehmend die Wirtschaft. Dass die US-Börse, gemessen am breiten S&P 500, gleichzeitig von einem Rekord zum nächsten klettert, ist erstaunlich. Wie weit die Schere zwischen Aktienmarkt und Wirtschaftsdaten noch auseinander geht, wird sich zeigen. Nachhaltig ist der Trend nicht.

Publikation «Marktkommentar»

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