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Marktkommentar – Ein Blick auf die Börsenwoche

Die Berichtssaison zum dritten Quartal läuft auf Hochtouren. Trotz der langen Liste an Risikofaktoren können viele Schweizer Unternehmen mit erfreulichen Geschäftszahlen aufwarten. Das spiegelt sich in der Entwicklung des heimischen Aktienmarktes.

23.10.2026

Volatile Börsen

Die Stimmung an den Finanzmärkten präsentierte sich passend zur Jahreszeit durchwachsen. Neben der Energiekrise und der Gefahr einer langfristig über den Notenbankzielwerten liegenden Inflation standen die Unruhen in Frankreich im Fokus der Anlegerinnen und Anleger. Für zusätzliche Verunsicherung sorgten die hohen Bewertungen der Technologieaktien. Viele Marktteilnehmer hinterfragen angesichts der Investitionen im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz (KI) und der steigenden Kreditkosten die Tragfähigkeit der Geschäftsmodelle. Die Berichtssaison sowie vage Hoffnungen auf eine Friedenslösung im Irankrieg drückten diese Belastungsfaktoren zeitweise aber in den Hintergrund.

 

Schweizer Unternehmen überzeugen

Der Schweizer Aktienmarkt schwang wie schon in der Vorwoche obenaus. Er profitierte dabei von seinem defensiven Charakter und den erfreulichen Geschäftszahlen vieler heimischer Firmen. Die Analystenerwartungen geschlagen haben die beiden Indexschwergewichte Nestlé und Roche. Der weltgrösste Nahrungsmittelhersteller konnte im dritten Quartal seine Absatzmengen deutlich steigern und organisch um 4.0% wachsen. Für Schwung sorgten mitunter das Geschäft mit Tierfutter und Wasser sowie die gute Entwicklung bei Nahrungsmitteln. Der Pharmakonzern profitierte seinerseits insbesondere von dem zuletzt schwächeren Schweizer Franken. Der Ausbau von Rechenzentren zur Nutzung von KI bescherte ABB ein Auftragseingangsplus von 40%. Beim operativen Gewinn auf Stufe EBITA und der Profitabilität legte der Industriekonzern ebenfalls zu. Infolgedessen hat er seine Finanzziele für das Gesamtjahr leicht nach oben revidiert. An der Börse lösten die Zahlen keine Begeisterungsstürme aus. Mit einem Plus von gut 20% zählen die Aktien aber nach wie vor zu den stärksten Titeln im Swiss Market Index (SMI). Auch beim Halbleiterzulieferer Comet, dem Verbindungsspezialisten Huber + Suhner und dem Logistiker Kühne + Nagel sorgte der KI-Boom für gut gefüllte Auftragsbücher. Zugleich konnten alle drei Unternehmen ihren Umsatz spürbar steigern. Abseits der Berichtssaison stand Lindt & Sprüngli im Fokus der Investoren. Der Schokoladenhersteller hat CEO Adalbert Lechner wegen seiner verfehlten Preispolitik entlassen. Interimistisch übernimmt der Vizepräsident des Verwaltungsrates, Dieter Weisskopf, das Steuer.

 

Made in Switzerland bleibt gefragt

Die heimischen Uhrenexporte haben im September weiter zugelegt. Konkret stiegen sie gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 11.7% auf über 2.2 Milliarden Franken. Haupttreiber war der US-Absatzmarkt (+86%). Bei den Preiskategorien zogen die Ausfuhren von günstigeren Uhrenmodellen deutlich stärker an als jene aus dem teuersten Segment.

 

Licht und Schatten im Technologiesektor

Die Facebook-Mutter Meta steigerte ihre Erlöse im dritten Quartal um ein Viertel auf 64.6 Milliarden US-Dollar. Das ist mehr als die Analysten erwartet hatten. Beim Gewinn resultierte wegen Rückstellungen für einen Rechtsstreit ein Rückgang. Zugleich hat das Unternehmen seine Investitionsprognose für 2026 auf 135 bis 145 Milliarden US-Dollar angehoben. Die Finanzierung des KI-Infrastrukturausbaus soll über die Ausgabe neuer stimmrechtsloser Aktien erfolgen. Die Erwartungen ebenfalls übertroffen hat IBM. Nachholeffekte beim Auftragseingang bescherten dem Technologiekonzern ein Umsatz- und Gewinnwachstum von 4.7% respektive 11%. Der Elektroautobauer Tesla schloss derweil das Quartal mit einem Gewinneinbruch von 43% ab. Am Rande der Ergebnispräsentation sprach sich Firmenchef Elon Musk für eine Fusion mit dem Schwesterunternehmen SpaceX aus. Dieses wartete mit glänzenden Geschäftszahlen auf.

 

Chinas Wirtschaft überrascht

Dank des brummenden Exportgeschäfts hat sich die chinesische Wirtschaft im dritten Quartal stärker als erwartet entwickelt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs verglichen mit dem Vorjahr um 4.5%. Nichtsdestotrotz schwächelt die Binnenkonjunktur weiterhin. Viele Verbraucherinnen und Verbraucher halten sich wegen der Immobilienkrise mit Ausgaben zurück. Zugleich kommen die Investitionen nur schleppend voran.

Auf der Agenda

Folgt Warshs zweiter Streich?

Kommenden Mittwoch berät die US-Notenbank Fed über ihre Geldpolitik. Trotz des jüngsten Inflationsanstiegs erwartet der Markt erst für Dezember eine weitere Zinserhöhung.

Aufgefallen

Grünes Licht für Schweizer Bitcoin-ETF

Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) hat den ersten direkt in die Kryptowährung Bitcoin investierenden Publikumsfonds bewilligt. Gleichzeitig warnt sie Investoren vor den Risiken.

Chart der Woche

Des einen Freud, des anderen Leid

Entwicklung des MSCI World Energy Index und des MSCI World Index, indexiert

Chart der Woche

Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Viele Wirtschaftszweige kämpfen mit dem massiven Anstieg der Öl- und Gaspreise. Ganz anders die Energiekonzerne. Sie sind direkte Profiteure der durch den Irankrieg drohenden Versorgungsengpässe. Das spiegelt sich an der Börse: Der Energiesektor, gemessen am MSCI World Energy Index, hat im laufenden Jahr um rund 50% zugelegt und im Zuge dessen ein Allzeithoch markiert. Für den Weltaktienmarkt (MSCI World Index) hingegen ging es «nur» um gut 12% nach oben. Damit schneidet der globale Energiesektor sogar besser ab, als die vom Hype um Künstliche Intelligenz getriebenen Technologiewerte.

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