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Marktkommentar – Ein Blick auf die Börsenwoche

Die Hoffnung auf ein rasches Ende des Iran-Konfliktes schwindet. Entsprechend geht den Aktienmärkten trotz guter Unternehmenszahlen der Schnauf aus. In den USA führt die Blockade der Strasse von Hormus zu einem kräftigen Inflationsschub.

15.05.2026

Trump unter Druck

Der Iran und die USA haben zu Beginn der Auffahrtswoche ihre gegenseitigen Entwürfe eines Friedensvertrages abgelehnt. Erneut zeigt sich, wie weit auseinander die Positionen der Parteien liegen und dass keine der Seiten zu Zugeständnissen bereit ist. Zugleich erhält die Waffenruhe zunehmend Risse. Die Strasse von Hormus bleibt entsprechend blockiert, was die Energiepreise und den inflationären Druck hoch hält. Angesichts dessen befinden sich die Umfragewerte von Donald Trump im freien Fall. Die im Herbst anstehenden Zwischenwahlen dürften für ihn wohl kaum noch zu retten sein. Auch aussenpolitisch steht der US-Präsident mit dem Rücken zur Wand. Er findet derzeit weder militärisch noch diplomatisch einen Weg, aus dem Krieg auszusteigen. Zudem stärkt Trump damit indirekt die strategischen Positionen von China und Russland. Am derzeit in Peking stattfindenden Gipfeltreffen dürfte Präsident Xi entsprechend selbstbewusst auftreten.

Die Aktienmärkte zeigen sich ob der Situation im Nahen Osten nach wie vor erstaunlich resilient. Allerdings sollte die Gefahr einer Korrektur nicht unterschätzt werden. Denn die Kurse werden nicht von Fundamentaldaten gestützt, sondern primär vom Optimismus der Börsianer. Zugleich steigen mit jedem Tag, an dem keine Schiffe die Passage von Hormus durchfahren, die Stagflationsrisiken für die Weltwirtschaft. Das unterstreichen die in den USA und Europa klar über ihren Niveaus von Jahresanfang liegenden Zinskurven.

 

US-Inflation auf 3-Jahres-Hoch

Die erhöhten Energiepreise schlagen sich zusehends auf die US-Inflation nieder. Im April kletterte die Teuerungsrate auf Konsumentenebene von 3.3% auf 3.8% – den höchsten Wert seit Mai 2023. Die Analysten hatten einen Anstieg auf 3.7% erwartet. Die Produzentenpreise verteuerten sich gar um 6.0% (März: +4.0%).

Robuste Geschäftszahlen

Der Versicherungskonzern Zurich profitierte zum Jahresstart von Tariferhöhungen sowie den Wachstumsinitiativen bei den Spezialversicherungen und Firmenkunden. Mit einem Umsatzplus von 11% entwickelte sich vor allem die Schaden- und Unfallsparte stark. Trotz des schwierigen Marktumfeldes hält das Unternehmen an seinen bis 2027 gesetzten Zielen fest. Im ersten Quartal ebenfalls gewachsen ist Adecco. Der Gewinn stieg von 60 auf 69 Millionen Euro. Zugleich gelang es dem Personaldienstleister, sich weitere Marktanteile zu sichern. Bei Sunrise resultierte ein Nettoverlust von 39.4 Millionen Franken, nach einem Minus von 1.3 Millionen im Vorjahreszeitraum. Hauptgründe dafür sind höhere Restrukturierungskosten und der Wegfall von Devisenkursgewinnen. Mit den Zahlen hat der Telekomanbieter die Analystenschätzungen dennoch geschlagen. Der Immobilienkonzern PSP Property legte in den Monaten Januar bis März beim Liegenschaftsertrag zu. Zugleich kletterte der Reingewinn um 8.4% auf 54.2 Millionen Franken. Dank Effizienzverbesserungen und einer stärkeren Positionierung als Premium-Marke hat der Laufschuhspezialist On seinen Gewinn um 45% gesteigert. Die Bruttomarge lag bei rekordhohen 64%. Infolgedessen wurde der Ausblick für 2026 angehoben.

 

Dünne Marktbreite

Der südkoreanische KOSPI-Index ist auf ein Rekordhoch gestiegen. Seit Anfang Jahr summiert sich sein Plus auf 80%. Getrieben wird die Rally vom Optimismus im Bereich Künstliche Intelligenz. Entsprechend finden sich an der Spitze des Tableaus mehrheitlich Werte aus dem Technologie- und Halbleitersegment. Mit diesem Phänomen steht der asiatische Leitindex nicht allein da. Auch in den USA wird die Börsenentwicklung primär von Technologietiteln getragen. Die Marktbreite ist also dünn. Das unterstreicht ein Blick auf die Anzahl Indexmitglieder, die über ihrem 200-Tage-Durchschnitt notieren. Im S&P 500 Index sind es aktuell 56%, als solider Wert gelten 70% bis 90%. Diese Dominanz des Tech-Sektors erhöht die Klumpenrisiken und kaschiert zugleich Schwächen des übrigen Marktes.

Auf der Agenda

The sky is the limit?

Am 20. Mai publiziert Nvidia seine Geschäftszahlen. Die zentrale Frage ist, ob der US-Chipgigant die Erwartungen erneut schlagen kann. Mit dem jüngsten Rekordhoch der Aktie preist der Markt viel ein.

Aufgefallen

Historische Schlappe für Honda

Infolge seiner gescheiterten Elektrostrategie verbuchte der japanische Autobauer Honda im Geschäftsjahr 2025/26 erstmals seit 1957 einen Verlust: umgerechnet rund 3.4 Milliarden Franken. Die Dividende bleibt aber stabil, was die Aktionäre freut.

Chart der Woche

Trendwende voraus?

Aktienkursentwicklung von Swatch, Richemont und LVMH, in CHF und indexiert

Chart der Woche

Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Der Schweizer Uhrenhersteller Swatch bringt in Kooperation mit Audemars Piguet eine günstige Variante des ikonischen Luxusmodells «Royal Oak» heraus. Angesichts dieses Marketing-Coups hat die Aktie ihren Lauf fortgesetzt. Mit einem Plus von über 20% im laufenden Jahr stellt sie die Valoren der Rivalen LVMH und Richemont klar in den Schatten. Ob das allerdings die von vielen Anlegerinnen und Anlegern erhoffte Trendwende ist, bleibt abzuwarten. Denn die Swatch-Papiere sind trotz der jüngsten Rally gerade mal ein Drittel so viel wert, wie zu ihrem Höchststand im Jahr 2013.

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