Nachfolgetipps

Revision des Erbrechts erleichtert die Unternehmensnachfolge

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Das Erbrecht wurde modernisiert und gewährt dem Erblasser mehr Freiheiten. Raiffeisen-Nachlass-Experte Robert Guthauser erläutert die Vorteile mit Blick auf die Unternehmensnachfolge.
 

Was ändert sich im neuen Erbrecht?

Robert Guthauser: Die wesentlichste Änderung betrifft die Pflichtteile – das sind die Anteile am Erbe, auf die Kinder, Ehegatten oder Eltern heute Anspruch haben. Der Pflichtteil für die Kinder wird reduziert, derjenige für die Eltern fällt vollständig weg. Dadurch wird die freie Quote für den Erblasser erhöht. Er hat somit eine grössere Freiheit, den Nachlass zu verteilen.

 

Erbrechtsrevision: Pflichtteilsrecht

Erbrechtsrevision: Mehr Freiraum in der Nachlassplanung

Änderung der Pflichtteile bringt mehr Freiraum in der Nachlassplanung


Was heisst das konkret für die Unternehmensnachfolge?

R. G.: Durch die tieferen Pflichtteile wird die Unternehmensnachfolge erleichtert – vor allem innerhalb der Familie. Mit der höheren freien Quote kann der Unternehmer dasjenige Kind, das den Betrieb übernimmt, stärker begünstigen. Der Anspruch der Geschwister wird kleiner. Betriebswirtschaftlich ist die neue Regelung sinnvoll. Denn oft kommt es vor, dass ein Kind den Marktwert der Firma gar nicht finanzieren und die anderen Geschwister nicht auszahlen kann. In seinem Testament hat der Unternehmer die Möglichkeit, dem Nachfolger die freie Quote zuzuweisen und ihn somit zu stärken.

 

Dann wird die Nachfolgeplanung für den Unternehmer also viel einfacher?

R. G.: Auf der rechtlichen Ebene ja, denn der Unternehmer ist freier. Doch neben dem Recht sind auch die psychologischen Momente ganz entscheidend, wenn es ums Erben geht. Und diese müssen auch künftig bei Gesprächen am Familientisch ausgelotet werden. Insbesondere die bevorzugte Behandlung von Kindern und einseitige Begünstigungen sind Aspekte mit erheblichem Spannungspotenzial. Eine familieninterne Unternehmensnachfolge gelingt in der Regel am besten, wenn alle Familienmitglieder miteinbezogen und die erbrechtlichen Regelungen im Rahmen eines Erbvertrages festgelegt werden.

 

Welche Aspekte des neuen Erbrechts sind sonst noch relevant für die Unternehmensnachfolge?

R. G.: Ein wichtiger Punkt betrifft die angedachte neue Regelung bei der so genannten Stundung der Pflichtteile. Sobald ein grosser Teil des Vermögens im Unternehmen gebunden ist, können umfangreiche Ausgleichszahlungen notwendig werden. Diese werden neu nicht sofort fällig, sondern können bis zu fünf Jahre aufgeschoben werden. Mit dieser Stundung wird die Unternehmensnachfolge nochmals erleichtert: Das Kind, das die Nachfolge antritt, kann die übrigen Erben zum Beispiel über die laufenden Gewinnausschüttungen sukzessive auszahlen.

 

Ab wann können Unternehmer mit dem neuen Erbrecht planen und wann tritt es voraussichtlich in Kraft?

R. G.: Der Bundesrat hat an seiner Sitzung vom 19. Mai 2021 entschieden, das revidierte Erbrecht auf den 1. Januar 2023 in Kraft zu setzen. Mit dem neuen Recht können Erblasserinnen und Erblasser, wie schon erwähnt, künftig über einen grösseren Teil ihres Nachlasses frei verfügen. Um bei der erbrechtlichen Übertragung eines Unternehmens weitere Stolpersteine zu beseitigen, will der Bundesrat die Unternehmensnachfolge mit zusätzlichen erbrechtlichen Massnahmen erleichtern. Diese separate Vorlage soll noch im 2021 im Parlament behandelt werden. Darauf zu warten empfiehlt sich jedoch nicht. Die Erbrechtsrevision bringt dem Unternehmer aus erbrechtlicher Sicht mehr Verfügungsfreiheit, es gibt bereits heute Nachfolgekonzepte, welche insbesondere aus steuerrechtlicher Sicht interessant sind und umgesetzt werden können. Wir empfehlen daher die Nachfolgeplanung von einem Experten auf die geltende Rechtslage überprüfen zu lassen.

Robert Guthauser, Certified Financial Planner (CFP®), Inhaber Zürcher Notarpatent
Robert Guthauser, Certified Financial Planner (CFP®), Inhaber Zürcher Notarpatent

Der Raiffeisen Experte Robert Guthauser begleitet Kunden über alle Lebensphasen bei der umfassenden Vermögensplanung. Seine Spezialgebiete sind die Beratungen von Privatpersonen im Schweizerischen Privatrecht, insbesondere in den Themenbereichen Familien- und Erbrecht, Immobilien, Steuern und gemeinnützige Stiftungen.

 

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