Vermögensverwaltungsmandat

Portfolio Manager Report

Im zweiten Quartal 2022 hat sich die Situation um die hohe Inflation weiter verschärft. Die Notenbanken waren und bleiben gezwungen, der ausufernden Inflation mit Leitzinserhöhungen rasch entgegenzuwirken und riskieren damit auf der anderen Seite eine deutliche Abschwächung der Wirtschaftsleistung.

Video-Podcast 2. Quartal 2022

 

Kernbotschaften

Kernbotschaften
  • Eine rigorose geldpolitische Trendwende ist eingeläutet; sowohl durch die US- als auch von der Schweizerischen Nationalbank.
  • Unabhängig von der gewählten Anlagestrategie haben sämtliche Investoren im ersten Halbjahr bisher einen ähnlich hohen Buchverlust hinnehmen müssen. 
  • Durchhalten und der langfristigen Anlagestrategie treu bleiben, denn es ergeben sich zunehmend interessante Opportunitäten, sowohl bei den Aktien als auch bei den Obligationen.

Performance

Grafik: Performance Q2 2022

Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz Portfolio Management

 

Rückblick

Das erste Halbjahr verlief aus Investorensicht nicht erfreulich. Mit Ausnahme von Gold haben im ersten Halbjahr sämtliche Anlageklassen deutlich an Wert eingebüsst. Der Hauptgrund für die Korrektur liegt in der hartnäckig hohen Inflation, welche durch den Ukraine-Krieg und die strikte Null-Covid-Strategie in China stark befeuert wurde. Die Notenbanken reagierten mit einer restriktiveren Geldpolitik. Insbesondere die US-Notenbank hat eine rigorose geldpolitische Trendwende eingeläutet. Die Leitzinsen wurden insgesamt bereits um 1.50 Prozent erhöht. Im Juni überraschte zudem die Schweizerische Nationalbank mit einem Zinsschritt um 50 Basispunkte. Vor diesem Hintergrund sind auch die starken Kurskorrekturen bei den Obligationen, den Aktien und den Immobilienfonds zu erklären. Die steigenden Zinsen führten zu einer Bewertungskorrektur. 

Weil sämtliche Anlageklassen einen ähnlichen hohen Wertverlust erlitten haben, zeigt sich derzeit ein sehr aussergewöhnliches Bild: Unabhängig von der gewählten Anlagestrategie ist die Halbjahresperformance überall im ähnlichen Ausmass negativ ausgefallen. Es machte beispielsweise keinen wesentlichen Unterschied, ob man im ersten Halbjahr in Obligationen oder Aktien investiert war.

Die temporären Buchverluste bei den Obligationen werden sich über die Zeit neutralisieren, da diese bei Fälligkeit wieder zu 100 Prozent zurückbezahlt und dann zu aktuellen Marktkonditionen in neue Obligationen reinvestiert werden. Da der Kapitalmarkt mittelfristig bereits wieder von sinkenden Zinsen ausgeht, haben wir Ende Juni unser starkes Untergewicht bei den Obligationen mit hoher Kreditqualität etwas reduziert. 

Bei den Aktien blieben wir weiterhin defensiv positioniert und favorisierten innerhalb der Aktienquote den Schweizer Aktienmarkt. Wir haben im April unsere Wachstumsaktien nochmals zugunsten von Value-Aktien reduziert. Mitte Juni führten wir bei den Aktien zudem ein «Rebalancing» durch und haben so unsere taktischen Zielgewichtungen wieder hergestellt. 

Bei Schweizer Immobilienfonds, beim Gold und auch bei der Liquidität blieben wir während des gesamten Quartals taktisch übergewichtet. Gold und Immobilien gehören aus unserer Sicht weiterhin in ein diversifiziertes Portfolio.

Ausblick

In den aktuellen Kursen werden derzeit viele negative Ereignisse vorweggenommen. Einiges spricht dafür, dass auch die zweite Jahreshälfte harzig beginnen könnte. Ein Grund dafür ist die bevorstehende Gewinnsaison. Aufgrund des hohen Margendrucks und der abnehmenden Wachstumsdynamik sehen wir im Hinblick auf die Quartalszahlen Enttäuschungspotenzial. Die Analystenschätzungen sind aus unserer Sicht noch zu hoch und müssen nach unten revidiert werden. Bis dieser Prozess abgeschlossen ist, dürfte die Volatilität an den Aktienmärkten hoch bleiben.

Die Normalisierung des Zinsniveaus hat aber auch ihre gute Seite. Nach jahrelangen künstlichen Marktverzerrungen durch die Liquiditätsschwemme der Notenbanken, kehren wir in eine Welt zurück, in der plötzlich wieder die fundamentalen Fakten zählen. 

Auch wenn unsere Nerven und unsere Geduld noch etwas weiter strapaziert werden könnten, dürften sich für langfristige Anlegerinnen und Anleger damit zunehmend interessante Opportunitäten eröffnen – und zwar sowohl bei Aktien als auch bei den Obligationen.

Video-Podcast 1. Quartal 2022

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