Portfolio Manager Report
Nach einem turbulenten Jahresbeginn verzeichneten die Finanzmärkte im zweiten Quartal eine deutliche Erholung, die jedoch einseitig ausfiel und auf wackeligen Beinen steht. Hoffnung geben derweil die Iran-USA-Absichtserklärung sowie die Bemühungen um die Öffnung der Strasse von Hormus.
Kernbotschaften
- Die Finanzmärkte zeigten sich im letzten Quartal vom Iran-Konflikt unbeeindruckt und erholten sich. Wir haben das Untergewicht bei europäischen und Schwellenländeraktien reduziert.
- Die angestiegene Inflation lässt kaum Spielraum für eine Lockerung der Geldpolitik.
- Auch nach der Unterzeichnung der Absichtserklärung zwischen dem Iran und den USA bleibt die Lage unsicher. Wir bleiben insgesamt defensiv positioniert.
Performance
Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz Portfolio Management
Rückblick
Trotz grosser Unsicherheiten rund um den Konflikt im Nahen Osten haben sich die Märkte schnell von diesem Thema abgewendet. Mitte Juni gelang mit der Absichtserklärung ein Verhandlungsdurchbruch zwischen dem Iran und den USA. In dieser 14-Punkte-Erklärung bekräftigen die beiden Kriegsparteien, unter anderem auf ein sofortiges Ende des Krieges an allen Fronten sowie auf die Öffnung der Strasse von Hormus hinzuarbeiten. Letzteres ist für die Inflationsentwicklung und die Finanzmärkte sehr wichtig, weil durch diesen Seeweg 20% des weltweiten Öls und Erdgases sowie weitere wichtige Güter transportiert werden.
Die Folgen der Schliessung der Strasse von Hormus widerspiegeln sich inzwischen in den publizierten Inflationsdaten. Folglich stand die Reaktion der Notenbanken auf den Inflationsanstieg im Fokus. Als erste Notenbank hat die Europäische Zentralbank (EZB) Mitte Juni erstmals seit drei Jahren den Leitzins um 0.25 Prozentpunkte erhöht. Auch die Bank of Japan erhöhte ihre Leitzinsen um ein Viertel Prozent. Im Gegenzug haben sowohl die Schweizerische Nationalbank (SNB) wie auch die US-Notenbank Fed ihre Leitzinsen unverändert belassen. Mit grosser Spannung wurde der Auftritt des neuen Fed-Chairman, Kevin Warsh, erwartet. Einerseits gibt es in den USA politischen Druck für niedrigere Zinsen, andererseits sprechen die Inflationszahlen jedoch eher für eine restriktivere Geldpolitik. Da Leitzinssenkungen vorerst kein Thema mehr sind, bleiben wir bei den Obligationen insgesamt untergewichtet positioniert.
Der grösste Treiber für die Aktienmärkte war im zweiten Quartal wiederum der KI-Boom. Davon haben insbesondere die US-Börsen und Schwellenländeraktien stark profitiert. Auch der Schweizer und der europäische Aktienmarkt konnten im zweiten Quartal deutlich zulegen, aufgrund der geringeren Gewichtung des Technologiesektors allerdings weniger stark. Relativ gesehen erscheint uns der Schweizer Aktienmarkt attraktiver bewertet, weshalb wir an unserem Übergewicht festhalten. Anfang April hat sich ein Waffenstillstand im Iran-Krieg abgezeichnet. Im Zuge dieses positiveren Ausblicks haben wir unser Untergewicht bei europäischen und Schwellenländeraktien leicht reduziert. Des Weiteren haben wir Ende Mai die aufgelaufenen Gewinne aus der Erholungsrally realisiert.
An unserem Übergewicht in Schweizer Immobilien halten wir weiterhin fest, da uns die strukturellen Faktoren, das tiefe Zinsumfeld und die geringe Bautätigkeit, für diesen Sektor weiterhin positiv stimmen.
Die Aussicht auf höhere Zinsen der US-Notenbank Fed und der weiterhin stärkere US-Dollar haben den Goldpreis auch im zweiten Quartal weiter gedrückt. Gold als Realwert bietet Inflationsschutz, kann aber bei steigenden Zinsen kurzfristig unter Druck geraten. Die strukturellen Treiber – insbesondere die Nachfrage der Notenbanken wie auch die tiefe Korrelation zu anderen Anlageklassen – sind weiterhin intakt. Wir halten an unserem taktischen Übergewicht nach wie vor fest.
Ausblick
Auch nach der Unterzeichnung der Absichtserklärung zwischen dem Iran und den USA bleibt die Lage im Nahen Osten unsicher. Die Verhandlungen für ein Abkommen sind erst gestartet, wobei nach wie vor viele Unklarheiten bestehen. Entscheidend wird sein, wie schnell und auf welchen Niveaus sich Öl- und Gaspreise wieder normalisieren und sich die Inflation stabilisiert. Wir bleiben weiterhin defensiv positioniert und werden auch über die traditionell ruhigeren Sommermonate das Geschehen an den Märkten aktiv verfolgen.
Publikation «Portfolio Manager Report»
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