Die SNB hält an der Nullzinspolitik fest
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat ihren Leitzins per 20. März 2026 erneut unverändert bei 0,0 Prozent belassen. Unser Chefökonom Fredy Hasenmaile erklärt, welche wirtschaftlichen Auswirkungen der Entscheid hat und beantwortet die wichtigsten Fragen.
19.03.2026
Allgemein und Wirtschaft
Warum hält die SNB an ihrer Nullzinspolitik fest?
Die Nationalbank zeigt sich zufrieden mit der Ausrichtung der Geldpolitik. Die Inflation bewegt sich zwar nur knapp über der Nulllinie, also am unteren Rand des SNB-Inflationszielbandes von 0 -2 Prozent. Dennoch bestehen keine grossen Deflationssorgen. Das Handelsabkommen mit den USA hat wieder gleichlange Spiesse gegenüber anderen Handelspartnern hergestellt. Die europäische Industriekonjunktur zeigt zunehmend Anzeichen einer Stabilisierung, und das bereits tiefe Schweizer Zinsniveau stimuliert die Wirtschaft. Daher geht die SNB weiterhin von einem Aufwärtstrend bei den Konsumentenpreisen in den kommenden Quartalen aus und sieht keinen Bedarf, die Zinsen weiter zu senken.
Was bedeutet der Iran-Konflikt für die Geldpolitik?
Der Konflikt beeinflusst die Weltwirtschaft vor allem über höhere Energiepreise, die auch für die Schweiz eine höhere Inflation bedeuten. Dies spricht auf den ersten Blick für höhere Leitzinsen. Allerdings schauen Notenbanken in der Regel durch einen vorübergehenden Energiepreisschub hindurch, da die Geldpolitik das Inflationsziel mittelfristig erreichen will. Zudem dämpft ein vorübergehender Preisausschlag auch die Konjunktur, was mittelfristig einen schwächeren Preistrend zur Folge haben kann. Bei stärkeren Konjunktureffekten wären dann eher Zinssenkungen gerechtfertigt, solange die Inflationserwartungen gut verankert bleiben. In der Schweiz mindert die Sichere-Hafen-Funktion des Frankens zudem den energiepreisbedingten Preisdruck. Ein weiterer Grund für die SNB, abzuwarten.
Könnte es doch noch Negativzinsen geben?
Dies hängt nicht zuletzt von der Wechselkursentwicklung ab. Eine kräftige und abrupte Frankenaufwertung führt zu importierter Deflation. In Verbindung mit einer geschwächten Nachfrage besteht dabei das Risiko eines breit abgestützten Preisrückgangs. Dies gilt jedoch nicht für vorübergehende, krisenbedingte Wechselkursausschläge. In einem solchen Fall präferiert die SNB, bei Bedarf zunächst mit Devisenmarktinterventionen gegenzusteuern. Auch im Zuge des Iran-Kriegs erklärte die SNB eine erhöhte Interventionsbereitschaft. Für einen dauerhaften Frankenschub müsste die Konjunktur in der Eurozone und den USA allerdings deutlich stärker in Mitleidenschaft gezogen werden, gefolgt von Leitzinssenkungen. Dies würde den Zinsabstand zur Schweiz verringern und den Franken attraktiver machen. Dann könnte auch die SNB ihren Leitzins nochmals senken. Die Hürde dafür bleibt jedoch hoch.
Hypothekarmarkt
Was bedeutet der Zinsentscheid für die Hypothekarzinsen?
Mit dem unveränderten Leitzins bleibt auch der darüber gesteuerte Tagesgeldsatz SARON unverändert. Entsprechend ist bei den Konditionen für SARON-Hypotheken kaum Bewegung zu erwarten. An den Zinsmärkten wird bereits seit Längerem auf Jahressicht kein SNB-Zinsschritt mehr erwartet – weder nach unten noch nach oben. Damit bleiben auch die Konditionen für mehrjährige Festhypotheken, abgesehen von moderaten Schwankungen, in einem Seitwärtstrend und auf tiefem Niveau. Daran hat auch der Iran-Krieg unmittelbar wenig geändert. In unserem Basisszenario sehen wir erst bei einer bestätigten, allmählichen Erholung der europäischen Konjunktur im späteren Jahresverlauf leichtes Aufwärtspotenzial für die Langfristzinsen.
Welchen Einfluss hat der Nullzins auf den Wohnimmobilienmarkt?
Die tiefen Zinsen bieten wieder sehr attraktive Finanzierungskonditionen für den kreditfinanzierten Kauf eines Hauses- oder einer Wohnung. Trotz des hohen Immobilienpreisniveaus ist im Zuge der Zinssenkungen die Zuversicht auf der Käuferseite zurückgekehrt. Dabei lässt sich eine Belebung der Nachfrage nach Wohneigentum beobachten. Diese Entwicklung dürfte durch die Beibehaltung des Nullzinses bestätigt werden. Zusammen mit dem knappen Wohnraumangebot dürfte das Immobilienpreiswachstum eher noch etwas stärker zulegen.
Welche Zinsbindung bietet sich bei der Verlängerung oder Neuaufnahme einer Hypothek an?
SARON-Finanzierungen bieten sowohl aktuell als auch über lange Zeiträume einen Zinsvorteil gegenüber Festhypotheken. Sie setzen jedoch eine ausreichende Risikofähigkeit sowie eine höhere Risikobereitschaft voraus. Längerfristige Festhypotheken können sinnvoll sein, wenn man von einer zügigeren als erwarteten Konjunkturerholung und zunehmenden Inflationsrisiken ausgeht. Insbesondere wenn eine fixe Kalkulationsgrundlage bevorzugt wird, bietet sich eine mehrjährige Festhypothek an. Kürzere Laufzeiten sind hingegen zu bevorzugen, wenn man eine anhaltende oder noch ausgeprägtere Konjunkturschwäche erwartet – einhergehend mit länger währenden Null- oder sogar Negativzinsen.
«Die SNB hält die Ausrichtung der Geldpolitik weiter für angemessen.»
Fredy Hasenmaile
Chefökonom Raiffeisen Schweiz