Die SNB sieht sich gut positioniert
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat ihren Leitzins per 19. Juni 2026 erneut unverändert bei 0,0 Prozent belassen. Unser Chefökonom Fredy Hasenmaile erklärt, welche wirtschaftlichen Auswirkungen der Entscheid hat, und beantwortet die wichtigsten Fragen.
18.06.2026
Allgemein und Wirtschaft
Was bedeutet der erneute Energiepreisschock für die Teuerung?
Vor dem Beginn des Iran-Konflikts lag die Inflation in der Schweiz nur knapp im positiven Bereich. Die Sperrung der Strasse von Hormuz hat das globale Energieangebot massiv beeinträchtigt und die Energiepreise stark steigen lassen. Dadurch ist auch der Preisdruck in der Schweiz gestiegen. Die Energiepreiseffekte fallen hierzulande, wegen des im internationalen Vergleich tiefen Anteils der Energieausgaben am Warenkorb der Konsumentenpreise, und wegen des starken Franken, allerdings wesentlich gedämpfter aus. Gründe dafür sind der vergleichsweise tiefe Anteil der Energieausgaben im Warenkorb sowie der starke Franken. Die Inflation steigt daher nur massvoll.
Muss die Geldpolitik auf den Iran-Konflikt reagieren?
Ein steigender Preisdruck spricht auf den ersten Blick für höhere Leitzinsen. Allerdings schauen Notenbanken in der Regel durch einen vorübergehenden Energiepreisschub hindurch. Denn die Geldpolitik will das Inflationsziel mittelfristig erreichen. Zudem bremsen höhere Energiekosten die Wirtschaft, was mittelfristig eine schwächere Preisdynamik zur Folge haben kann. Bei stärkeren Konjunktureffekten wären sogar eher Zinssenkungen gerechtfertigt, solange die Inflationserwartungen gut verankert bleiben. Da die Inflation sowohl kurz- als auch mittelfristig weiterhin komfortabel innerhalb des SNB-Inflationsziel-bandes von 0 - 2 Prozent erwartet wird, sieht die Nationalbank keinen Anpassungsbedarf beim Leitzins.
Wie bewertet die SNB die Inflationsrisiken?
Die SNB macht sich im Falle eines zeitlich begrenzten Konflikts keine Sorgen um die Inflation. Selbst bei einer länger andauernden Einschränkung der Energieversorgung sorgt sich die Nationalbank nicht so sehr um ein Ausreissen der Inflation nach oben, sondern eher um eine schwächere globale Nachfrage und eine mögliche Frankenaufwertung. Die SNB bleibt deshalb bereit, bei einer raschen und übermässigen Aufwertung des Frankens am Devisenmarkt einzugreifen. Nach wahrscheinlich moderaten Devisenkäufen unmittelbar zu Beginn des Iran-Kriegs gibt es derzeit keine Anzeichen für weitere Interventionen. Vielmehr haben die gestiegenen Erwartungen für mehrere EZB-Zinserhöhungen dem Euro etwas Rückenwind verliehen, womit sich die SNB zurückhalten kann. Dies gilt neben Devisenkäufen umso mehr für Negativzinsen – für welche die Hürde sowieso höher bleibt.
Hypothekarmarkt
Was bedeutet der Zinsentscheid für die Hypothekarzinsen?
Mit dem unveränderten Leitzins bleibt auch der darüber gesteuerte Tagesgeldsatz SARON unverändert. Entsprechend wird es bei den Konditionen für SARON-Hypotheken kaum Bewegung geben. Für langfristige Hypotheken sind die Zinsen zuletzt leicht gestiegen. Die Märkte erwarten jedoch erst später im nächsten Jahr eine Abkehr der SNB von ihrer Nullzinspolitik. Ohne Aussicht auf einen kräftigen Zinserhöhungszyklus sollte das Aufwärtspotenzial in den nächsten Monaten aber begrenzt bleiben. Insgesamt bewegen sich die Hypothekarzinsen weiterhin auf einem moderaten Niveau.
Welchen Einfluss hat der Nullzins auf den Wohnimmobilienmarkt?
Die weiterhin tiefen Zinsen bieten nach wie vor sehr attraktive Finanzierungskonditionen für den kreditfinanzierten Haus- oder Wohnungskauf. Trotz hoher Immobilienpreise bleibt die Nachfrage nach Häusern und Wohnungen hoch. Diese Entwicklung dürfte mit der Beibehaltung des Nullzinses anhalten. Zusammen mit dem knappen Angebot an Wohnraum dürfte das Immobilienpreiswachstum sogar eher noch etwas stärker zulegen.
Welche Zinsbindung bietet sich bei der Verlängerung oder Neuaufnahme einer Hypothek an?
SARON-Hypotheken sind aktuell wie auch längerfristig in der Regel günstiger als Festhypotheken. Sie setzen jedoch eine ausreichende Risikofähigkeit und auch eine höhere Risikobereitschaft voraus. Längerfristige Festhypotheken können dann Sinn machen, wenn man von einer zügiger als erwarteten Konjunkturerholung und zunehmenden Inflationsgefahren ausgeht. Vor allem wenn man eine fixe Kalkulationsgrundlage bevorzugt, bietet sich eine mehrjährige Festhypothek an. Kürzere Laufzeiten sind hingegen zu bevorzugen, wenn man eine anhaltende oder nochmals ausgeprägtere Konjunkturschwäche erwartet, einhergehend mit länger währenden Null- oder sogar Negativzinsen.
«Die SNB sieht keinen Anpassungsbedarf bei den Zinsen.»
Fredy Hasenmaile
Chefökonom Raiffeisen Schweiz