Anlagewissen einfach erklärt

Gold glänzt in unsicheren Zeiten

Gold gilt als sicherer Hafen für Anleger. Es lockt immer dann, wenn Kursverluste, Inflation oder eine wirtschaftliche Rezession drohen. Doch warum gilt das Edelmetall als so krisenfest und wertbeständig? Und welchen Zweck erfüllt es im Portfolio?

Gold als klassische Krisenwährung

Die Unsicherheiten an den Finanzmärkten zeigen immer wieder: Gold ist auch in turbulenten Zeiten eine sichere Anlage. Die hohe Nachfrage nach einer sicheren Anlage treibt den Preis des Edelmetalls in die Höhe.

Dass Gold als klassische Krisenwährung dient, hat einen zentralen Grund: Es gilt als wertbeständig. Das Edelmetall ist ein begrenztes Gut – anders als Geld: Die Geldmenge kann von den jeweiligen Nationalbanken theoretisch endlos erweitert werden, was den Wert der entsprechenden Währungen verringert. Die Angebotsausweitung von Gold dagegen liegt relativ konstant bei 1 bis 2 % pro Jahr – so viel wie in den Minen jeweils geschürft wird.

Gold gilt daher auch als Absicherung gegen Inflation. Seit 1991 ist der Goldpreis von 380 auf rund 2'000 US-Dollar angestiegen. Das entspricht einem durchschnittlichen jährlichen Preiszuwachs von über 5 %. Im gleichen Zeitraum verteuerten sich die Schweizer Konsumentenpreise im Schnitt pro Jahr nur um 0.9 %. Der Goldpreis hat die Teuerung also nicht nur mitgemacht, sondern deutlich übertroffen.

Grosse Nachfrage aus der Industrie

Weltweite Goldnachfrage 2020 in Tonnen

Weltweite Goldnachfrage 2020 in Tonnen

Quelle: Statista, CIO Office Raiffeisen Schweiz

Im Jahr 2020 lag die weltweite Goldnachfrage bei 3'760 Tonnen. Gut die Hälfte des Goldes wird von Anlegerinnen und Anleger als Investition in Form von physischen Münzen, Barren oder Gold-Fonds gehalten. Ein weiterer grosser Abnehmer von Gold ist die Schmuck- und Uhrenindustrie, besonders in Indien, im Nahen Osten und in China. Die restliche Goldnachfrage entfällt auf die Zentralbanken sowie die Industrie.

Langfristige Stabilität, aber kurzfristige Schwankungen

Die langfristige Stabilität des Goldes darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch der Goldpreis gewissen Schwankungen unterliegt. Das hat sich beispielsweise während der Finanzkrise 2008 gezeigt, aber auch in den ersten Wochen der Corona-Pandemie: Aufgeschreckt durch die plötzlichen Kurskorrekturen am Aktienmarkt veräusserten Anleger Teile ihrer Goldreserven, um die Verluste zu kompensieren. Das hat den Goldpreis kurzfristig tauchen lassen.

Mittelfristig bewegt sich der Goldpreis in Phasen: Nach dem Platzen der Dotcom-Blase um die Jahrtausendwende beispielsweise war ein massiver Anstieg zu beobachten, später auch nach der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009. Der Goldpreis erreichte damals sein Allzeithoch von über 1‘900 US-Dollar pro Feinunze. Anschliessend stabilisierte er sich auf einem etwas tieferen Niveau und steigt nun seit etwa drei Jahren wieder an.

In der Krise legt Gold zu

Das Muster, das sich hier abzeichnet: Als Folge von Krisen legt Gold zu. Das bestätigt Matthias Geissbühler, Chief Investment Officer bei Raiffeisen Schweiz: «Es ist in der Tat so: Gold weist eine negative Korrelation zu anderen Anlageklassen auf. Das macht es so wertvoll als Teil eines diversifizierten Portfolios.» Konkret heisst das, dass Gold meist dann zulegen kann, wenn Aktien und andere Anlageklassen an Wert verlieren. Es ist darum eine gute Möglichkeit für Anleger, sich gegen Verluste abzusichern.

Entwicklung Goldpreis (in USD) und MSCI World ab 1991

Entwicklung Goldpreis (in USD) und MSCI World von 1980 bis 2020

Quelle: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Das hat sich während der Finanzkrise 2007/2008 bewahrheitet: Zwischen Oktober 2007 und März 2009 verzeichneten Aktien weltweit Verluste von über 50 Prozent; der Wert von Goldanlagen hingegen wuchs um über 15 %. Und auch im Frühjahr 2020 waren nach dem Einbruch aufgrund des Coronavirus steigende Goldpreise zu beobachten.

Tiefe Zinsen spielen dem Gold in die Hände

Gold profitiert aber auch von den tiefen Zinsen, wie sie derzeit in allen grossen Volkswirtschaften vorliegen. «Einer der Nachteile von Gold als Anlageklasse ist, dass es keine Rendite abwirft, keine Zinsen oder Dividenden», erklärt Matthias Geissbühler. Im jetzigen Tiefzins-Umfeld spielt das allerdings eine untergeordnete Rolle, was Goldanlagen zusätzlichen Auftrieb verleiht. 

Zudem sind Staatsanleihen, die in der Regel ebenfalls als sichere Werte im Portfolio gelten, aufgrund der restriktiven Geldpolitik in den letzten Jahren unattraktiv geworden. Die teils sogar negativen Zinsen zwingen Anlegerinnen und Anleger dazu, risikoreichere Investitionen zu tätigen – oder sie wenden sich dem Gold zu. Das kann einerseits in Form von physischen Münzen und Barren sein, oder aber in Form von sogenannten Gold-ETFs

Für welche Anleger Gold interessant sein kann

Gold ist als Mittel zur Diversifikation grundsätzlich eine sinnvolle Ergänzung für jedes Portfolio. Dennoch muss sich der Anleger bewusst sein, dass eine hohe Performance beim Gold nicht im Zentrum steht. Das Edelmetall hat vielmehr die Funktion, dem Anleger Sicherheit zu bieten: als Schutz vor Inflationsrisiken oder als Absicherung gegen Aktienkursverluste. Gold eignet sich also insbesondere für eher risikoaverse Anleger. Als Faustregel gilt: Je grösser das Sicherheitsbedürfnis ist, desto höher darf auch der Gold-Anteil im Portfolio sein. Experten empfehlen einen Anteil zwischen 5 und 10 %. Aufgrund der hohen kurzfristigen Volatilität ist Gold zudem eher als langfristige Anlage geeignet.

Konkret sprechen folgende Gründe für Gold im Portfolio:

  • Gold ist langfristig stabil und wertbeständig.
  • Der Goldpreis steigt während Krisen oft an.
  • Der Besitz von physischem Gold bietet Sicherheit.
  • Gold kann Anleger gegen Inflationsrisiken und Kursverluste absichern.

Anleger müssen auch folgende Einschränkungen im Auge behalten:

  • Gold wirft weder Zinsen noch Dividenden ab.
  • Der Goldpreis kann eine hohe Volatilität aufweisen.
  • Anleger sind einem Währungsrisiko ausgesetzt, da Gold in US-Dollar gehandelt wird.