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Die SNB kann abwarten

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat ihren Leitzins per 25. September 2026 erneut unverändert bei 0,0 Prozent belassen. Unser Chefökonom Fredy Hasenmaile erklärt, welche Auswirkungen der Entscheid hat und beantwortet die wichtigsten Fragen dazu.

24.09.2026

Allgemein und Wirtschaft

Wie entwickelt sich die Inflation?

Die Konsumentenpreise werden weltweit durch die stark gestiegenen Energiepreise in die Höhe getrieben. Die Hoffnungen auf eine schnelle Beilegung des Iran-Konflikts haben sich nicht erfüllt. Damit bleibt das globale Energieangebot erheblich eingeschränkt. Knappe Raffineriekapazitäten und niedrige Gaslagerbestände lassen die Endverbraucherpreise für Energieprodukte dabei mit zunehmender Dauer des Konflikts stärker ansteigen als den Rohölpreis.

Dies gilt auch für die Schweiz. Die Energiepreiseffekte fallen hierzulande, vor allem wegen des im internationalen Vergleich tiefen Anteils der Energieausgaben am Warenkorb der Konsumentenpreise, allerdings viel gedämpfter aus. Und ausser bei Ölprodukten ist in der Schweiz bislang kaum ein Anstieg der Teuerung festzustellen.

 

Muss die Geldpolitik auf den Energiepreisschock reagieren?

Allein auf einen Energiepreisanstieg muss die Geldpolitik nicht unbedingt reagieren. Denn der Preisschock schmälert zugleich die Kaufkraft und belastet die Konjunktur. Die Geldpolitik sollte erst die Zinsen erhöhen, wenn sich der Preisauftrieb verfestigt und breiter auf Verkaufspreise, Inflationserwartungen sowie Löhne übergreift.

Diese Gefahr ist derzeit deutlich geringer als 2022 nach dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs. Damals trafen breite Lieferengpässe bei vielen Gütern auf eine kräftige Nachfrage und einen angespannten Arbeitsmarkt. Diesmal konzentriert sich der Schock weitgehend auf Energieprodukte. Die Kapazitätsauslastung ist unterdurchschnittlich und der Lohndruck moderat.

Je länger aber die Energiekrise andauert, desto wahrscheinlicher werden zumindest gewisse verzögerte Zweitrundeneffekte. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihre Leitzinsen wegen der erhöhten Inflationsrisiken bereits massvoll erhöht.

 

Was bedeutet das für die SNB-Zinspolitik?

Die SNB kann vorerst abwarten. Der geringere energiepreisbedingte Inflationsanstieg, mit einer unterliegenden Inflation weiterhin im unteren Bereich des SNB-Inflationszielbandes von 0-2%, lässt keine grossen Inflationssorgen aufkommen.

Die Hauptsorgen der SNB waren bislang die globale Nachfrage und der Wechselkurs. Die Weltwirtschaft präsentiert sich allerdings erstaunlich resilient. Gleichzeitig hat der Franken angesichts der gestiegenen Zinserwartungen für die US-Notenbank und die EZB an Stärke verloren. In realer Rechnung weist der Franken mittlerweile keine spürbare Überbewertung mehr auf. Interventionsbedarf am Devisenmarkt, um einem stärken Franken vorzubeugen, besteht damit derzeit definitiv auch nicht mehr.

Ohne die Aussicht auf ein Über- oder Unterschiessen der Inflation, kann die SNB die Entwicklung im sehr volatilen Umfeld erst einmal guten Gewissens beobachten. Setzen die Eurozone und die Schweiz ihren konjunkturellen Erholungskurs trotz des Gegenwinds von den Energiepreisen fort, dürfte sich im kommenden Jahr aber ein Fenster für einen moderat positiven SNB-Leitzins öffnen. Der rekordhohe Zinsabstand zur Eurozone sollte ein Ende der sehr lockeren Nullzinspolitik erlauben, ohne dass der Franken zwangsläufig wieder deutlich aufwertet.

Hypothekarmarkt

Was bedeutet der SNB-Ausblick für die Hypothekarzinsen?

Solange die SNB noch an der Nullzinspolitik festhält, bleibt auch der darüber gesteuerte Tagesgeldsatz SARON unverändert. Entsprechend wird es bei den Konditionen für SARON-Hypotheken kurzfristig kaum Bewegung geben.

Für die längerfristigen Hypothekarzinsen ist hingegen weniger der aktuelle Leitzins als vielmehr die Leitzinserwartungen ausschlaggebend. Und da an den Finanzmärkten mittlerweile auf Jahressicht für die SNB ein moderat positiver Leitzins eingepreist ist, haben sich die Konditionen für Festhypotheken bereits etwas verteuert. Ohne Anzeichen für einen raschen und ausgeprägten Zinserhöhungszyklus der SNB gibt es darüber hinaus aber keinen Grund für einen markanten weiteren Anstieg der Langfristzinsen.

 

Welchen Einfluss hat dies auf den Wohnimmobilienmarkt?

Die tiefen Kurzfristzinsen und weiterhin moderaten Langfristzinsen bieten nach wie vor attraktive Finanzierungskonditionen für den kreditfinanzierten Haus- oder Wohnungskauf. Gleichzeitig zeigt sich jedoch, dass das hohe Preisniveau und die strengen Finanzierungsanforderungen zunehmend bremsend auf den Eigenheimmarkt wirken. Obwohl das Angebot weiterhin knapp bleibt und die Preise voraussichtlich weiter steigen, deutet vieles darauf hin, dass die Preisdynamik auf dem Eigenheimmarkt ihren Höhepunkt überschritten hat.

 

Welche Zinsbindung bietet sich bei der Verlängerung oder Neuaufnahme einer Hypothek an?

SARON-Hypotheken sind aktuell wie auch längerfristig in der Regel günstiger als Festhypotheken. Sie setzen jedoch eine ausreichende Risikofähigkeit und eine höhere Risikobereitschaft voraus. Längerfristige Festhypotheken können dann Sinn machen, wenn man von einer kräftiger als erwarteten Konjunkturerholung und einem weitergehenden Zinszyklus der SNB ausgeht. Vor allem wenn man eine fixe Kalkulationsgrundlage bevorzugt, bietet sich eine mehrjährige Festhypothek an. Kürzere Laufzeiten sind hingegen klar zu bevorzugen, wenn man stärkere negative Konjunktureffekte befürchtet, einhergehend mit länger währenden Null- oder sogar wieder Negativzinsen. 

Fredy Hasenmaile
«Die SNB hat keinen akuten Handlungsbedarf.»

Fredy Hasenmaile

Chefökonom Raiffeisen Schweiz

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