KMU blicken wenig zuversichtlich ins neue Jahr

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Die KMU aus der Industrie starten mit wenig Optimismus ins neue Jahr. Die Geschäftszahlen sind trotz des schwierigen Umfelds zwar immer noch stabil. Aber der Ausblick ist aufgrund der schlechteren Auftragslage und des anhaltenden hohen Kostendrucks eindeutig eingetrübt.

 

Der Raiffeisen KMU PMI ist im Dezember von 50,1 auf 50,5 Indexpunkte gestiegen und hält sich damit weiterhin knapp über der Expansionsschwelle von 50. In den meisten europäischen Ländern notieren die Einkaufsmanagerindizes schon seit Monaten im Kontraktionsbereich. In der Schweiz ist die Geschäftslage der KMU aus der Industrie dagegen trotz des schwierigen Umfelds nach wie vor stabil, wie der PMI von Raiffeisen zeigt. Die Schweiz kommt besser durch die Energiepreiskrise, da die Gasabhängigkeit und die Energieintensität im Allgemeinen geringer sind als im Ausland. Zudem profitieren inlandorientierte KMU von einer stabilen Binnennachfrage, während die ausserordentlich hohe Inflation in weiten Teilen Europas immer mehr auf den Konsum durchschlägt und damit die Konjunktur ausbremst.

links: Raiffeisen KMU PMI Dezember 2022 / rechts: Raiffeisen KMU PMI Subkomponenten (I)

links: Raiffeisen KMU PMI Dezember 2022 / rechts: Raiffeisen KMU PMI Subkomponenten (I)

Sinkender Auftragsbestand als schlechtes Omen

Die Schweizer KMU können sich der Konjunkturabkühlung im Ausland aber nicht entziehen, wie der PMI von Raiffeisen ebenfalls zeigt. Die Wachstumsdynamik der kleinen und mittleren Betriebe aus der Industrie hat sich seit dem Spätsommer auch hierzulande deutlich verlangsamt. Zum Jahresende gab es zwar erstmals seit Monaten wieder einen Anstieg der Produktion, was sich aber primär dadurch erklären lässt, dass die Lieferketten wieder etwas besser funktionieren. Dass der Produktionsschub vom Dezember in den kommenden Monaten anhält, ist aber wenig wahrscheinlich. Denn wegen der Wachstumsverlangsamung im Ausland stockt das Neugeschäft. Der Auftragsbestand sinkt deshalb wieder, wie der KMU PMI zeigt. Die entsprechende Subkomponente verringerte sich zuletzt von 50,6 auf 47,3 Punkte. Auch die Beschäftigung ist erneut gesunken. Die entsprechende Komponente stieg zwar von 46,9 auf 48,6 Punkte an, blieb damit aber unter der Wachstumsschwelle von 50. Während die Beschäftigung im Dienstleistungssektor weiter wächst und der Arbeitsmarkt als Ganzes robust bleibt, zeigen sich bei den KMU in der Industrie demnach klare Bremsspuren.

 

Hoher Kostendruck hält an

Einen Rückgang verzeichnete zum Jahresende auch die Subkomponente zu den Lieferfristen. Mit 50,7 Punkten notiert diese so niedrig wie seit knapp zwei Jahren nicht mehr. Grund dafür ist die Entspannung bei der Lieferkettenproblematik, die auf die nachlassende globale Güternachfrage zurückzuführen ist. Doch auch wenn die Lieferengpässe nicht mehr so akut sind, gehen die hohen Einkaufspreise und damit die Beschaffungskosten vorerst nur langsam zurück. Und wenn Chinas Ausstieg aus der Null-Covid-Politik weiter chaotisch verläuft, dürften die globalen Lieferketten erneut unter Druck kommen.

Auch die Energiekrise ist noch längst nicht vom Tisch. Selbst in Branchen mit einem niedrigen Energiekostenanteil können Kostensteigerungen, wie sie 2022 erfolgten, schnell zu grossen Problemen und auch Konkursen führen. Neue Preisspitzen bei der Energie sind zwar unwahrscheinlich, aber die Preise dürften auch dieses Jahr hoch bleiben. Viele der von Raiffeisen befragten KMU berichten deshalb wenig überraschend über anhaltend hohen Kostendruck, zuletzt auch wegen steigenden Löhnen. Zusammen mit der Verschlechterung bei der Auftragslage ergibt dies eine herausfordernde Gemengelage, die zu anhaltendem Margendruck führt.

 

Raiffeisen KMU PMI – Subkomponenten (II)

 

Dez 22

Nov 22

Okt 22Sept 22Aug 22

Gesamtindex

50,5

50,1

50,050,0

50,6

Auftragsbestand

47.3

50,6

50,047,3

49,3         

Produktion

53.4

48,1

46,848,6

45,0

Beschäftigung

51.8

46,9

48,750,0

51,4

Lieferfristen

58.6

53,8

51,954,7

59,9

Einkaufslager

52.4

54,4

57,454,7

52,8


50 = Wachstumsschwelle

Domagoj Arapovic, Senior Economist Raiffeisen Schweiz
Domagoj Arapovic, Senior Economist Raiffeisen Schweiz

Domagoj Arapovic hat an der Universität Zürich Volkswirtschaft studiert und arbeitete anschliessend von 2007 bis 2012 bei der Schweizerischen Nationalbank im Economic Research und im Risikomanagement. Seit 2011 hält er das Chartered Financial Analyst- Diplom und seit 2013 ist er bei Raiffeisen Schweiz als Senior Economist tätig.

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