Portfolio Manager Report

Die Zinswende ist da. Aufgrund der rekordhohen Inflation erhöhen die Notenbanken rund um den Globus weiter ihre Leitzinsen. Dies führt zu Bewertungskorrekturen an den Finanzmärkten.

Video-Podcast 3. Quartal 2022

 

Kernbotschaften

Kernbotschaften
  • Solange die Notenbanken an der Zinsschraube drehen, bleibt der Gegenwind an den Finanzmärkten bestehen.
  • Höhere Zinsen führen zu einer Bewertungskorrektur in allen Anlageklassen. 
  • Eine echte Trendwende zeichnet sich noch nicht ab und die Volatilität an den Märkten dürfte auch im vierten Quartal hoch bleiben.

Performance

Grafik: Performance Q3 2022

Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz Portfolio Management

 

Rückblick

Ein weiteres herausforderndes Quartal liegt hinter uns. Seit Jahresbeginn befinden sich mit Ausnahme von Gold sämtliche Anlageklassen zweistellig in der Verlustzone. Die Gründe sind schnell gefunden: Neben Krieg, Inflation und Geldpolitik belastet insbesondere die sich verschärfende Energiekrise die Konjunktur. Die hohe Inflation drückt auf die Kauflaune, die Konsumentenstimmung hat sich weiter eingetrübt. Zur Bekämpfung der hohen Inflationswerte drehen die Zentralbanken, trotz zunehmender Rezessionsgefahr, weltweit an der Zinsschraube. Solange die geldpolitische Kehrtwende anhält, bleibt auch der Gegenwind an den Finanzmärkten bestehen.

Langfristig ist die Zinsnormalisierung positiv zu deuten – vor allem für Sparer. Kurzfristig ist sie jedoch aufgrund des Neubewertungsbedarfs für alle Anlageklassen schmerzhaft. Für die Berechnung des Zeitwerts eines Investments werden die künftigen Cash-Flows dieses Investments mit dem aktuellen Zinssatz abdiskontiert. Je höher dieser Zinssatz ist, desto tiefer resultiert der Zeitwert des Investments.

Bei Obligationen sind es die Coupons, die mit dem höheren Zinssatz abdiskontiert werden müssen. Je länger die Restlaufzeit der Obligation, desto grösser ist die Bewertungskorrektur, respektive der Buchverlust. Sofern die Obligation bis zur Fälligkeit gehalten wird und der Schuldner bis zu diesem Zeitpunkt zahlungsfähig bleibt, kann der Buchverlust ignoriert werden, denn die Obligation wird in der Regel zu 100 % zurückbezahlt. In der Vermögensverwaltungsportfolios haben wir die Obligationen taktisch auch im dritten Quartal weiterhin untergewichtet belassen und die Restlaufzeiten kürzer gehalten.

Auch die globalen Aktienmärkte haben im letzten Quartal an Wert eingebüsst. Besonders zinssensitiv sind Unternehmen im Wachstumssegment. Für die Zeitwertberechnung müssen die erwarteten Gewinne, die bei diesen Gesellschaften oft erst in weiter Zukunft anfallen, ebenfalls mit einem höheren Zinssatz abdiskontiert werden. Wir haben in den letzten Monaten die Aktien deshalb nochmals defensiver ausgerichtet, indem wir besonders zinssensitive zugunsten weniger sensitiven Aktien abgebaut haben. Insgesamt blieben wir auch bei Aktien über die ganze Periode untergewichtet investiert. 

Bei den Alternativen Anlagen ist es bei den Immobilienfonds in den letzten drei Monaten zu einer starken Bewertungskorrektur gekommen. Der Wert einer Immobilie nimmt ab, wenn die Mieteinnahmen mit einem höheren Zins abdiskontiert werden müssen. Hierzulande sind die Mieten aber an den Referenzzinssatz (durchschnittlicher Zinssatz aller Hypotheken) gekoppelt. Das bedeutet, dass es bei steigenden Zinsen mittelfristig auch zu einer Anpassung der Mieten kommt, was sich positiv auf die Anlageklasse auswirken dürfte. Wir gehen davon aus, dass die zinsbedingte Korrektur am Schweizer Immobilienmarkt weit fortgeschritten ist. Darüber hinaus ist das «Betongold» ein valabler Inflationsschutz. Wir halten daher an unserem taktischen Übergewicht bei dieser Anlageklasse fest.

Ausblick

Die anhaltenden Lieferkettenprobleme und die hohen Energie- und Rohstoffpreise befeuern die Inflationsdynamik weiter. Eine echte Trendwende zeichnet sich noch nicht ab und die Volatilität an den Märkten dürfte entsprechend hoch bleiben. Aus diesem Grund gehen wir mit einer weiterhin defensiven Ausrichtung ins vierte Quartal. Sobald sich jedoch eine Bodenbildung abzeichnet, werden wir die sich ergebenden Opportunitäten für unsere Anlegerinnen und Anleger nutzen.

Video-Podcast 2. Quartal 2022

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