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Marktradar – Die Midterms bringen die blaue Welle

Die Demokraten gewinnen sowohl das Repräsentantenhaus als auch den Senat und kontrollieren ab Januar 2027 den Kongress. In den USA droht ein politischer Stillstand.

04.11.2026

Matthias Geissbühler

Matthias Geissbühler

Chief Investment Officer, Raiffeisen Schweiz

Trotz deutlich höherer Wahlkampfausgaben und des persönlichen Engagements von US-Präsident Donald Trump erleiden die Republikaner bei den Zwischenwahlen (Midterms) eine herbe Niederlage. Die Demokraten gewinnen sowohl im Repräsentantenhaus als auch im Senat die Mehrheit. Damit droht Washington bis zu den Präsidentschaftswahlen 2028 ein politischer Stillstand («Gridlock»). Eine mehrheitsfähige Politik rückt in weite Ferne.

Die Börsen in Asien reagieren heute Morgen mit leichten Verlusten auf das Wahlergebnis und auch die Futures in Europa und den USA notieren im Minus. Der US-Dollar gibt ebenfalls nach. Auf der anderen Seite legt Gold deutlich zu.

Was bedeutet der Machtwechsel politisch? Im Fokus steht vor allem die Fiskalpolitik, da der Kongress über das Budget entscheidet. Weitere Steuersenkungen nach dem Muster der «Big Beautiful Bill» dürften in den kommenden zwei Jahren kaum mehrheitsfähig sein. Umgekehrt werden die Demokraten versuchen, Kürzungen bei Staatsausgaben und Medicare rückgängig zu machen. Das Budgetdefizit dürfte damit hoch bleiben, während die Schuldenobergrenze voraussichtlich bereits im Sommer 2027 erneut erreicht wird. Die Gefahr eines weiteren «Government Shutdowns» steigt entsprechend. Spannend wird auch die Regulierungspolitik. Die Demokraten dürften insbesondere in den Bereichen Künstliche Intelligenz (KI), Rechenzentren, Datenschutz sowie im Finanzsektor strengere regulatorische Leitplanken anstreben. Umgekehrt wird die Trump-Administration ihre deregulierungspolitische Agenda über Verordnungen weiter vorantreiben. Da der Präsident demokratische Gesetzesvorhaben mit seinem Vetorecht blockieren kann, steuert Washington auf einen politischen Stillstand zu.

Aussenpolitisch dürfte sich hingegen wenig ändern. Der US-Präsident verfügt als Commander-in-Chief über weitreichende Kompetenzen, weshalb die Zoll-, Handels- und Sicherheitspolitik auch nach den Midterms weitgehend in seiner Hand bleiben. Sowohl im Ukraine-Krieg als auch im Krieg mit dem Iran sind daher keine unmittelbaren Kurswechsel zu erwarten. Die grösste Unsicherheit bleibt der Nahe Osten, wo jede weitere Eskalation erhebliche Auswirkungen auf die Energiepreise und die Finanzmärkte haben würde. Die US-Aussenpolitik bleibt unter Donald Trump damit ein zentraler Unsicherheitsfaktor.

Politische Börsen haben bekanntlich kurze Beine. Dennoch zeigt sich auch in diesem Jahr das bewährte Muster: Im Vorfeld und rund um die Midterms steigt die Volatilität regelmässig an. Angesichts der starken Kursgewinne bei US-Aktien, der hohen Bewertungen und der politischen Unsicherheit haben wir Ende September unsere Aktienquote taktisch weiter reduziert. An dieser defensiven Positionierung halten wir vorerst fest. Innerhalb der Aktien bevorzugen wir den defensiven Schweizer Markt, während wir die USA, Europa und die Schwellenländer leicht untergewichten. Vorsichtig bleiben wir zudem bei Hochzinsanleihen. Übergewichtet sind wir aus Diversifikationsgründen weiterhin bei Schweizer Immobilienfonds und Gold. Ergänzend halten wir opportunistisch eine erhöhte Liquiditätsquote, um bei attraktiveren Einstiegsgelegenheiten flexibel agieren zu können.

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Wenn politische Entscheidungen die Wirtschaft langfristig beeinflussen.

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