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Wasser – Unverzichtbare Ressource

Wasser wird zunehmend zu einer knappen und damit strategisch bedeutenden Ressource. Für Anlegerinnen und Anleger eröffnen sich daraus attraktive Anlagechancen.

02.10.2026

Wasserhahn

Teurer Schiffstransport – Frachtraten steigen stark

Es war einer der wärmsten und trockensten Sommer seit Beginn der meteorologischen Aufzeichnungen. Die Niederschlagsmengen lagen deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt. Der Pegel des Rheins verharrte während mehrerer Wochen auf so tiefem Niveau, dass die Schifffahrt stark eingeschränkt wurde und die Transportkosten markant anstiegen.

 

Spot-Frachtrate für Mineralöltransporte auf dem Rhein (Rotterdam–Basel), in EUR pro Tonne

Spot-Frachtrate für Mineralöltransporte auf dem Rhein (Rotterdam–Basel), in EUR pro Tonne

Quelle: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Kernkraftwerke mussten ihre Leistung teilweise drosseln oder vorübergehend vom Netz genommen werden, weil die Wassertemperaturen zu hoch waren. Ernteausfälle häuften sich und Privatpersonen wurde in manchen Regionen sogar die Bewässerung ihrer Gärten untersagt. Kurzum: Die Wasserknappheit und ihre weitreichenden Folgen rückten ins öffentliche Bewusstsein.

140 Liter pro Person und Tag – so nutzt die Schweiz ihr Trinkwasser

Die Schweiz gilt als Wasserschloss Europas. Allerdings verbraucht jede Person hierzulande durchschnittlich rund 140 Liter Trinkwasser pro Tag.

 

Verbrauch pro Person und Anwendung, in Liter/Tag

Verbrauch pro Person und Anwendung, in Liter/Tag

Quellen: Energie-Umwelt.ch, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Angesichts zunehmender Trockenperioden und eines steigenden Bedarfs wird deutlich, dass auch in der Schweiz eine vermeintlich unbegrenzt verfügbare Ressource nicht selbstverständlich ist. Neben dem Bevölkerungswachstum trägt zunehmend auch die Digitalisierung zur steigenden Wassernachfrage bei. Insbesondere Rechenzentren, die das Rückgrat von Cloud Computing und Künstlicher Intelligenz (KI) bilden, benötigen erhebliche Mengen Wasser zur Kühlung ihrer Server. Eine einzelne grosse Anlage kann dafür täglich bis zu 19 Millionen Liter Wasser verbrauchen, was dem Bedarf einer Kleinstadt mit mehreren Zehntausend Einwohnern entspricht. Der KI-Boom erhöht damit nicht nur den Strom-, sondern auch den Wasserbedarf der Weltwirtschaft.

Dies sorgt bereits für Spannungen. In mehreren Regionen der USA regt sich Widerstand gegen neue Rechenzentren. Besonders in wasserarmen Gebieten wie Arizona stellt sich zunehmend die Frage, ob knappe Wasserressourcen primär der Bevölkerung oder dem Betrieb digitaler Infrastruktur zur Verfügung stehen sollen.

Doch wem gehört Wasser eigentlich? Die Antwort ist komplexer, als es auf den ersten Blick scheint. In den meisten Ländern gilt Wasser als öffentliches Gut und steht unter staatlicher Aufsicht, auch wenn Nutzungsrechte an Unternehmen oder Privatpersonen vergeben werden können. Entscheidend ist daher oft nicht das Eigentum am Wasser selbst, sondern die Kontrolle über dessen Förderung, Aufbereitung und Verteilung. Die dafür notwendige Infrastruktur gewinnt angesichts wachsender Knappheit und steigender Nachfrage laufend an Bedeutung. Wasser wird damit nicht nur zu einer lebenswichtigen Ressource, sondern auch zu einem relevanten Wirtschaftsfaktor.

Infrastrukturaktien sind gefragt – starke Wertentwicklung

Daraus ergeben sich Chancen für Unternehmen, die Lösungen für Wasseraufbereitung, Wasserrecycling und effiziente Kühlsysteme anbieten. Auch Schweizer Unternehmen sind in diesen Bereichen gut positioniert. So profitiert Georg Fischer vom Ausbau der Infrastruktur für Wassertransport und Kühlung, während ABB energie- und wassereffiziente Automatisierungs- und Steuerungslösungen bereitstellt. Sulzer liefert Pumpen und Aufbereitungstechnologien für Wasser- und Industrieanwendungen. Hinzu kommt Belimo, dessen Ventile, Sensoren und Regelungssysteme eine zentrale Rolle bei der energieeffizienten Steuerung moderner Heiz-, Lüftungs- und Kühlsysteme spielen. Gerade KI-Rechenzentren sind auf eine präzise Kühlung angewiesen, um Leistung, Energieverbrauch und Wasserbedarf zu optimieren. Ein Blick in den Rückspiegel zeigt, dass diese Titel – mit Ausnahme von Georg Fischer – den Swiss Performance Index (SPI) in den vergangenen zehn Jahren teils deutlich hinter sich gelassen haben.

 

Aktienkursentwicklung von ABB, Belimo, Georg Fischer und Sulzer verglichen mit dem SPI, indexiert

Aktienkursentwicklung von ABB, Belimo, Georg Fischer und Sulzer verglichen mit dem SPI, indexiert

Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Die zunehmende Wasserknappheit wirft unweigerlich auch die Frage nach dem Preis auf. Aus ökonomischer Sicht spricht vieles dafür, dass Wasser in zahlreichen Regionen der Welt nach wie vor zu günstig ist. Tiefe Preise verringern den Anreiz, sparsam mit der Ressource umzugehen oder in effizientere Technologien zu investieren. Gleichzeitig steigen die Kosten für Förderung, Aufbereitung und Verteilung von sauberem Trinkwasser. Wasser ist zwar ein Allgemeingut und darf deshalb nicht ausschliesslich nach marktwirtschaftlichen Kriterien bewertet werden. Dennoch dürfte die effiziente Bewirtschaftung dieser lebenswichtigen Ressource künftig einen höheren Stellenwert erhalten und zusätzliche Investitionen in Wasserinfrastruktur, Recycling- und Aufbereitungstechnologien anstossen.

Wasser ist kein gewöhnlicher Rohstoff. Es ist unverzichtbar, durch nichts ersetzbar und zunehmend knapp. Gerade deshalb dürfte sein strategischer Wert in den kommenden Jahren weiter steigen. Wer zu den Gewinnern dieses Trends zählen wird, entscheidet sich nicht am Wasserhahn, sondern bei den Unternehmen, die dessen effiziente Nutzung ermöglichen. Für Anlegerinnen und Anleger eröffnen sich daraus attraktive Anlagechancen.

Der CIO erklärt: Was heisst das für Sie als Anleger?

Die Inflation hält sich hartnäckig und eine nachhaltige Entspannung zeichnet sich nicht ab. Getrieben wird die Teuerung von einem deutlichen Anstieg der Rohstoffpreise. Der Ölpreis notiert gut 60% höher als zu Beginn des Jahres, während sich die Preise für Heizöl, Benzin und Diesel nahezu verdoppelt haben. Wasser wird zwar nicht an der Börse gehandelt. Wie wichtig die Ressource aber ist, zeigt die diesjährige Trockenheit. Viele Agrarrohstoffe haben sich aufgrund von Ernteausfällen verteuert. Weizen, Mais und Sojabohnen kosten inzwischen über 20% mehr. Die globale Aufrüstung sowie der KI-Boom erhöhen zudem die Nachfrage nach Metallen. Da sich bei den Rohstoffpreisen keine Trendwende abzeichnet, bleibt der Inflationsdruck hoch. Die Notenbanken kommen deshalb nicht darum herum, ihre Geldpolitik weiter zu straffen.

Matthias Geissbühler

Matthias Geissbühler

Chief Investment Officer Raiffeisen Schweiz

Seit Januar 2019 ist Matthias Geissbühler als Chief Investment Officer (CIO) von Raiffeisen Schweiz für die Anlagepolitik verantwortlich. Zusammen mit seinem Team analysiert er kontinuierlich die weltweiten Geschehnisse an den Finanzmärkten und entwickelt die Anlagestrategie der Bank.