Märkte & Meinungen

Marktkommentar – Ein Blick auf die Börsenwoche

Den Börsen scheint etwas die Luft ausgegangen zu sein. Nach einer Rekordjagd während der letzten Wochen nehmen Anleger Gewinne mit. Die steigenden Corona-Infektionen belasten derweil den Tourismussektor.

Chart der Woche

Riesige Performanceunterschiede

Tourismus- und Technologieaktien im Vergleich, indexiert

Riesige Performanceunterschiede

Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Die erneut steigenden Corona-Infektionen und der Lockdown in Österreich belasten den Tourismussektor. Die Aktien von Tui, Lufthansa & Co. haben deshalb vergangene Woche teils zweistellige Einbussen erlitten. Ein Ende scheint nicht in Sicht. Seit Anfang 2020 liegt der Tourismussektor fast 30 % hinter dem breiten europäischen Markt (Stoxx 600), während der Technologiesektor über 40 % besser abgeschnitten hat. Das ist auch der Grund, weshalb viele Aktienmärkte immer noch nahe um ihre Allzeithochs handeln. Für sie scheint Corona abgehakt. Vorerst.

Aufgefallen

Gefragtes Homeoffice

Gute Quartalszahlen bei den IT-Unternehmen Dell und HP spiegeln den Corona bedingten Trend zum Homeoffice.

 

Auf der Agenda

Konjunkturbarometer

Am 30. November veröffentlicht die Konjunkturforschungsstelle der ETH KOF das Konjunkturbarometer für den November.

Die Schweizer Börse legt eine Pause ein

Von einer Jahresendrally ist nichts zu spüren. Der Schweizer Aktienmarkt tendierte im Wochenverlauf richtungslos mit einer leicht schwächeren Tendenz. Nachdem der Swiss Market Index (SMI) vergangene Woche auf ein Rekordhoch geklettert war, bestimmten Gewinnmitnahmen sowie fehlende Impulse das Börsengeschehen. Trotz dieser Richtungslosigkeit entwickelten sich die einzelnen Indexmitglieder alles andere als homogen. Die Titel des Versicherungskonzerns Swiss Life gehörten zu den Gefragtesten. Das Unternehmen hat sich neue, höhere Finanzziele gesteckt. Zudem wird der Anteil des Gewinns, der in Form einer Dividende an Investoren ausgeschüttet werden soll, erhöht. Ebenso in der Gunst der Anleger standen die Telekomanbieterin Swisscom und der Zementhersteller Holcim. Dagegen haben bisherige Outperformer diese Woche Federn gelassen. Dazu gehörten der Sanitärtechniker Geberit, der Pharmazulieferer Lonza und der Investmentspezialist Partners Group.

 

Zinsen auf dem Vormarsch

Es sind zaghafte Bewegungen, aber die Richtung scheint klar: Die US-Zinsen steigen. Seit vergangenem Freitag kletterten die Renditen für 10-jährige US-Staatsanleihen zeitweise um 0,1 %. Nicht viel, aber es genügt, um die Preise der entsprechenden Anleihen um rund ein Prozent zu drücken. Bei einer Rendite auf Verfall von 1,54 % fallen bereits kleine Veränderungen ins Gewicht. Deutlich weniger stark ausgeprägt ist der Zinsanstieg in der Schweiz. Noch immer verharren die Zinsen für Schweizer Staatsanleihen über das gesamte Laufzeitenspektrum im negativen Bereich.

 

Aussichten trüben sich ein

Lieferengpässe, gestiegene Energiepreise und die Angst vor erneuten Lockdowns drücken die Stimmung der Unternehmen in Deutschland. So verbuchte der Ifo-Geschäftsklimaindex zum fünften Mal in Folge einen Rückgang. Dabei wurde nicht nur die aktuelle Lage, sondern auch die Erwartungen pessimistischer eingeschätzt. Für einen Lichtblick sorgte derweil der seit längerem gebeutelte Automobilsektor.

 

Deutschland hat eine neue Regierung

Jetzt ist es offiziell: Deutschland hat eine neue Regierung. Unter Kanzler Olaf Scholz wird die Ampel-Regierung von SPD, Grünen und FDP das Land die kommenden vier Jahre regieren. Ziele sind die Sicherung der Renten, Lösungen zum Klimaschutz, ein höherer Mindestlohn und die kontrollierte Abgabe von Cannabis. Tatsächlich geht es als Erstes aber wohl darum, die Corona-Situation im Land in den Griff zu bekommen. Zudem wartet mit dem russischen Truppenaufmarsch in der Nähe der ukrainischen Grenze weiteres Ungemach.

 

Die USA geben Ölreserven frei

Der hohe Ölpreis treibt die Inflation und drückt die Stimmung der Konsumenten, weil das Tanken immer teurer wird. Besonders betroffen sind die USA. Um Gegensteuer zu geben, hat die US-Regierung nun beschlossen, 50 Millionen Fässer Öl aus den strategischen Reserven freizugeben. Ob der Preis dadurch nachhaltig beeinflusst werden kann, bleibt abzuwarten – bislang ist eine Reaktion ausgeblieben. Das liegt wohl daran, dass die USA pro Tag gut 20 Millionen Fässer verbrauchen.

 

Jerome Powell bleibt noch vier Jahre

Der US-Präsident Joe Biden hat den amtierenden Notenbank Chef Jerome Powell für eine zweite Amtszeit nominiert. Die Börsen nahmen den Entscheid wohlwollend auf. Allerdings wartet auf den Notenbanker eine herausfordernde Aufgabe: Er muss die expansive Geldpolitik drosseln, ohne dabei die Wirtschaftsentwicklung abzuwürgen.