Veralteter Gebäudepark: Wie hoch ist der Sanierungsbedarf bei Schweizer Immobilien wirklich?

Weit über die Hälfte der Immobilien in der Schweiz sind älter als 40 Jahre. Deshalb verwundert es nicht, dass rund 1.5 Millionen Häuser energetisch dringend sanierungsbedürftig sind. Die Sanierungsquote hingegen ist tief: Aktuell liegt sie bei nur rund 1 Prozent jährlich. Somit würde es 100 Jahre dauern, bis in der Schweiz alle Gebäude einen langfristig nachhaltigen Standard erreicht hätten. Wir zeigen, wie Bund, Kantone und Banken gegen den Sanierungsstau vorgehen und was das für Eigenheimbesitzer bedeutet.

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  •   Infographik: Über 40% des gesamten Energieverbrauchs in der Schweiz verantwortet der Gebäudepark.
    Infographik: Über 40% des gesamten Energieverbrauchs der Schweiz werden von Immobilien verursacht.
  •  Infographik: Trotz Subventionen wird in der Schweiz pro Jahr nur jede hundertste Immobilie energetisch saniert.
    Infographik: Trotz Subventionen wird in der Schweiz pro Jahr nur jede hundertste Immobilie energetisch saniert.
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    Wie kann der Sanierungsstau gelöst werden?

    Das Durchschnittsalter der Schweizer Häuser und Wohnkomplexe liegt bei ziemlich genau 45 Jahren, ein beträchtlicher Teil stammt sogar aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg. Rund 1.5 Millionen Häuser sind nicht oder kaum gedämmt und damit energetisch dringend sanierungsbedürftig. Zudem werden drei Viertel der Gebäude heute noch immer fossil oder direkt elektrisch beheizt. Es herrscht akuter Sanierungsstau.

    Um den gegenwärtigen Sanierungsstau zu lösen, sind laut Experten Investitionen von rund CHF 50 Milliarden notwendig. Um diesem Sanierungsstau in der Realität entgegenzutreten, haben Bund und Kantone verschiedene Massnahmen lanciert. Die «Energiestrategie 2050» des Bundes als Blaupause sieht vor, dass bis ins Jahr 2035 der Schweizer Energiebedarf um 43% und der Strombedarf um 13% gesenkt werden müssen. 

    Die grössten Problemfälle

    Vor allem bei Vorkriegsbauten und unzähligen «Problemfällen» aus den 60er und 70er Jahren geht dieser Sanierungsstau richtig ins Geld. In dieser Zeit wurde hierzulande aufgrund des rekordgünstigen Heizöls sorglos gebaut und in Sachen Isolierung und Dämmung teils nachweislich gepfuscht. Rund 1,5 Millionen Immobilien genügen den heutigen energetischen Standards bei weitem nicht mehr! 

    Der Bund zahlt Förderbeiträge

    Den Stau auflösen sollen Fördermassnahmen und Subventionen, die der Bund Hausbesitzern im Rahmen des Gebäudeprogramms in Aussicht stellt. Gefördert werden bauliche Massnahmen, die den Energieverbrauch oder CO2-Ausstoss der Immobilie verringern. Dazu gehören etwa die Wärmedämmung der Gebäudehülle oder der Ersatz von fossilen oder direkt elektrischen Heizungen durch Heizsysteme mit erneuerbaren Energien. Überdies sollen ab 2020 die Subventionen durch Lenkungsabgaben ersetzt werden. Im Rahmen des Gebäudeprogramms sind von 2010 bis 2017 1.5 Milliarden Franken Förderbeiträge ausbezahlt worden. Der grösste Teil wurde für die Wärmedämmung von Einzelbauteilen (60 Prozent) sowie für die Installation effizienter Haustechnik (20 Prozent) ausbezahlt.

    Als Eigenheimbesitzer profitieren Sie gleich doppelt von diesen Förderbeiträgen. Zum einen kann die Förderung durch den Bund bis zu 15 Prozent der Investition ausmachen. Zum anderen lassen sich in einem typischen Einfamilienhaus dank einer energetischen Sanierung jährlich gut 1'800 Franken Heizkosten einsparen. Erfahren Sie, wie Sie Förderbeiträge richtig beantragen.

    Mehr als 2'000 Förderbeiträge verfügbar

    Die Schweizer Kantone und Gemeinden sehen insgesamt mehr als 2'000 Förderbeiträge für energetische Sanierungen vor. Von welchen Beiträgen Sie als Eigenheimbesitzer wie profitieren können, erfahren Sie auf der Website des Gebäudeprogramms.

    Auf den Websites der Kantonalen Energie- und Umweltfachstellen findet man zusätzlich zum Gebäudeprogramm weitere Möglichkeiten für Finanzierungshilfen, zum Beispiel für den Ersatz eines Elektroboilers oder einer Umwälzpumpe für die Heizung. Einige Gemeinden gewähren auch ergänzende Finanzierungsmöglichkeiten: erkundigen Sie sich bei der Gemeinde des Gebäudestandortes.

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    •  Infographik: Über ein Drittel der Hausbesitzer in der Schweiz kennen den Energiestandard Ihres Eigenheims nicht.
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    • Infographik: Über 50% der Schweizer befürworten einen obligatorischen GEAK-Ausweis bei Handänderungen.
      Infographik: Über 50% der Schweizer befürworten einen obligatorischen GEAK-Ausweis bei Handänderungen.
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      Die Kantone verschärfen die Vorschriften

      Neben positiven Anreizen sollen auch neue Vorschriften dafür sorgen, dass die Ziele der Energiestrategie erreicht werden. Ein Anfang ist gemacht. Im Januar 2015 hat die Konferenz der kantonalen Energiedirektoren (EnDK) eine Revision der Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich MuKEn deutlich angenommen und damit die harmonisierten Energievorschriften der Kantone verschärft. MuKEn 2014 schreibt beispielsweise vor, dass Besitzer eines Gebäudes unterhalb der Gesamtenergieeffizienzklasse D beim Ersatz ihres bestehenden Wärmeerzeugers für die neue Lösung mindestens 10 Prozent des Energiebedarfs mit erneuerbaren Energien decken müssen. Finden Sie heraus, welches die richtige Form der Heizungsmodernisierung für Ihr Zuhause ist.

       

      Die Raiffeisenbanken sensibilisieren

      Attraktive finanzielle Anreize und sanierungsfreundliche kantonale Gebäudestandards nützen der Energiestrategie 2050 indes nur wenig, wenn die Hausbesitzer zu wenig Gebrauch davon machen. Genau dies ist allerdings der Fall. Gemäss der Umfrage «8. Kundenbarometer Erneuerbare Energien», welche die Universität St. Gallen, HSG und Raiffeisen herausgegeben haben, planen immerhin 17% der Schweizer Hausbesitzer eine Sanierungsinvestition binnen der nächsten 24 Monate. Doch an erster Stelle stehen meist Investitionen in offensichtliche Schwachpunkte der Liegenschaft wie Küche, Bad, Böden etc. Falls dann noch Kapital zur Verfügung steht, wird allenfalls noch in energetische Massnahmen wie Dämmung investiert.

       

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      • Infographik: Immobilienbesitzern ist es oft zu kompliziert und zu teuer in erneuerbare Technologien zu investieren.
        Infographik: Immobilienbesitzern ist es oft zu kompliziert und zu teuer in erneuerbare Technologien zu investieren.
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        Hier setzt Raiffeisen künftig verstärkt den Hebel an. «Wir sensibilisieren unsere Kunden in der Beratung dahingehend, dass bei einem Liegenschaftskauf immer auch der energetische Zustand sowie die Kosten für dessen Verbesserung in der Entscheidungsfindung mit zu berücksichtigen sind», erklärt Roland Altwegg, Leiter Produkte & Kooperationen bei Raiffeisen Schweiz.

        Raiffeisen will Hauseigentümern in Beratungsgesprächen deutlicher aufzeigen, dass Immobilien Anlagen darstellen, die es auch energetisch zu unterhalten gilt. Mit guten Gründen: Der Wert der Liegenschaft kann langfristig erhalten oder im optimalen Fall sogar gesteigert werden. Eine durchdachte Sanierung ist somit sehr gut investiertes Geld. Sie bringt neben dem finanziellen Eigennutzen auch eine ökologische Rendite im Rahmen der Energiewende. 

        Nutzen Sie die Wohneigentumsberatung durch Ihre Raiffeisenbank für eine individuelle und umfassende Beratung, welche insbesondere Ihre kurz- und langfristigen Wünsche und Ziele rund um Ihr Eigenheim berücksichtigt.

         

        ✓ Tipp: Jetzt handeln

        Sei es aufgrund der verschärften Gesetzeslage oder aus rein ökologischen Gründen: Langfristig kommen Sie als Eigenheimbesitzer nicht darum herum, sich mit dem energetischen Zustand Ihrer Immobilie auseinanderzusetzen. Wir stehen Ihnen dabei unterstützend zur Seite. Als Hausbesitzer können Sie sich zudem schon vor einem Beratungsgespräch mit dem Raiffeisen Energieeffizienzrechner einen Überblick über den energetischen Zustand Ihres Eigenheims verschaffen.

        5 gute Gründe, warum sich eine energetische Sanierung lohnt

         

        1. Sie sichern den Wert der Liegenschaft.

         

        2. Sie senken die Nebenkosten (Heizung, Strom).

         

        3. Sie profitieren von einer Verbesserung des Wohnklimas.

         

        4. Sie leisten einen Beitrag zum Klima- und Umweltschutz.

         

        5. Sie profitieren von Fördergeldern und können die Investitionen bei den Einkommenssteuern abziehen.

        Raiffeisen-Experte Roland Altwegg gibt Auskunft

        Interview: Pius Schärli

         

        Banken werden gemäss der HSG Studie als kompetente Partner bei der Evaluierung von Chancen und Risiken im Bereich erneuerbare Energien wahrgenommen. Wie erklären Sie sich das, Herr Altwegg?

        Roland Altwegg: Diese Einschätzung freut uns natürlich. Sie ist dadurch zu erklären, dass eine energetische Sanierung immer mit einer finanziellen Investition verbunden ist. Wir sind Marktleader bei den Hypotheken und da liegt es auf der Hand, dass sich sanierungswillige Kunden immer öfter an eine Raiffeisenbank wenden, um zusammem mit ihr die Sanierung zu finanzieren.

         

        Wie kann Raiffeisen ihre Kunden bei energetischen Massnahmen unterstützen?

        Der Kundenberater ist in der Lage, den Investitionsbedarf in Bezug zur finanziellen Situation des Kunden zu setzen und einen auf die jeweilige Situation optimal abgestimmten Finanzierungsvorschlag auszuarbeiten.

         

        Wie profitiert der Kunde von solchen Massnahmen?

        Er erhält oder steigert die Wertigkeit des Wohneigentums und senkt gleichzeitig die Energiekosten.

         

        Wie soll ein Immobilienbesitzer nun konkret vorgehen?

        Am besten lässt er sich einen GEAK-Ausweis (Gebäudeenergieausweis der Kantone) ausstellen. Ein Beratungsbericht zeigt den energetischen Zustand einer Immobilie auf, und es werden konkrete, sinnvolle Sanierungsmassnahmen vorgeschlagen. Ich persönlich empfehle die Erstellung eines GEAK Plus. Dieser beinhaltet nebst dem Beratungsbericht eine Analyse des Investitionsbedarfs. Zudem zeigt er die Wirkung der Massnahmen auf, beispielsweise in Bezug auf die Energiekosten.

          

        Zur Person

        Roland Altwegg, Leiter Produkte & Kooperationen bei Raiffeisen Schweiz.