Anlageguide – Der Wegweiser für Ihr Vermögen

Zeit ist Geld – Auch beim Anlegen

Erfolgreiche Investoren verfolgen einen langen Anlagehorizont. Dass sich das auszahlt, zeigt der Blick auf vergangene Renditen. Wer lange genug am Markt aktiv ist, übersteht Einbrüche und wird mit attraktiven Renditen entschädigt. Oder noch besser, er nutzt diese für Zukäufe zu günstigeren Kursen. Kurzfristige Schwankungen dagegen verkommen zu dem was sie sind: unnötiger Lärm.

Nur eine Richtung – Trotz Rückschlägen lässt sich gut Geld verdienen

Vom 4. bis zum 20. Februar ist es soweit: Lara Gut-Behrami und Marco Odermatt kämpfen an den 24. Olympischen Winterspielen in China um die Medaillen. Vom Biathlon über Eiskunstlauf bis Rennrodeln messen sich Athleten aus aller Welt. Alle arbeiten seit ihrer Kindheit auf diesen Traum hin. Zeit ist somit ein kritischer Faktor im Wettlauf um olympisches Edelmetall.

Auch beim Investieren spielt Zeit eine wichtige Rolle. Je früher mit dem Investieren begonnen wird, umso grösser die Erfolgschancen. Hauptgrund ist der Zinseszinsfaktor, also die Rendite, die auf der bereits erzielten Rendite erwirtschaftet wird. Das bedeutet, dass sich eine Investition bei einer jährlichen Rendite von 8% nach neun Jahren verdoppelt, nach 18 Jahren also vervierfacht. Ohne eigenes Zutun, einfach weil die erzielten Erträge ebenfalls wieder investiert werden. Ein langer Zeithorizont hilft aber auch, Rückschläge wettzumachen und erlaubt es so, höhere Risiken einzugehen. 

Aber wie realistisch sind Renditen von 8% pro Jahr überhaupt? Obwohl exakte Prognosen unmöglich sind, kann der Blick in die Vergangenheit helfen. Der Swiss Performance Index (SPI) hat zwischen Ende 1987 und Ende 2021 jährlich eine Rendite von 9.4% abgeworfen. Das summiert sich über diesen Zeitraum auf über 2'000%. Diese Rendite ist zwar nicht konstant angefallen, hat sich aber mit zunehmender Laufzeit stabilisiert. Dabei sollte unterstrichen werden, dass in dieser Zeit eine Reihe von Krisen über die Aktienmärkte hinweggefegt sind – so etwa der Einbruch der japanischen Börse 1990, der die Börsen weltweit in Mitleidenschaft zog, Anfang 2000 das Platzen der Technologieblase, 2008/2009 die US-Immobilienkrise, die ab 2010 in der Eurokrise mündete, oder die Corona-Pandemie. 

Swiss Performance Index (SPI)

Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Aber es sind gerade diese Phasen, die über Erfolg oder Misserfolg beim Investieren entscheiden. Exemplarisch kann das Jahr 2008 betrachtet werden. Es war für den SPI das schwächste seit seinem Bestehen. Wer aber in einer solchen Zeit die Flinte ins Korn wirft und seine Wertschriften verkauft, verliert. Weil er seine Verluste realisiert und damit die Chance vergibt, diese Verluste wieder aufholen zu können. Richtig wäre also, die Positionen aufzustocken, denn eine Korrektur ist immer von Übertreibungen geprägt. Und Tatsache ist, dass die Kurseinbrüche vieler dieser Krisen rückblickend in der Entwicklung oft nur noch als kleine Dellen sichtbar sind.

Allein das Wissen um diese negativen Ereignisse hilft, bei deren Eintreten richtig zu reagieren. Denn Kurskorrekturen bieten immer auch Einstiegsmöglichkeiten. Wer solche nutzt, reduziert seine Einstandskurse und ist rascher zurück in der Gewinnzone. Doch was einfach klingt, ist praktisch nicht immer leicht umzusetzen, denn dazu muss man gegen den Strom schwimmen und negative Schlagzeilen ausblenden. Wichtig ist es deshalb, Emotionen zu vermeiden und das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren

Langfristig zahlen sich Aktien aus – Rückschläge sind Kaufgelegenheiten

Der Grund, weshalb auch einmal gegen das Bauchgefühl gewettet werden kann, lässt sich aus dem Renditedreieck ablesen. Die Zahl der positiven Renditejahre am Schweizer Markt überwiegt klar. Von 595 untersuchten Zeitperioden zeigen lediglich 40 eine negative Rendite, also knapp 7% der Fälle. Das Renditedreieck untersucht sämtliche Halteperioden zwischen Ende 1987 bis Ende 2021. Dabei wird angenommen, dass jeweils zum Jahresschlusskurs gekauft und verkauft wird. Die Haltedauer liegt somit zwischen einem und 34 Jahren. Im allerungünstigsten Fall, von Ende 2000 bis Ende 2011, mussten Investoren eine Durststrecke von 11 Jahren überstehen und es resultierte ein jährliches Minus von 0.5%. Daraus lassen sich mehrere Schlüsse für Investoren ableiten. So sollte der Anlagehorizont für Aktienanleger wohl mindestens 10 Jahre betragen, und es ist mit negativen Marktphasen ist zu rechnen. Wer damit umgehen kann, bringt die wichtigsten Voraussetzungen mit, um als Investor erfolgreich zu sein.

Annualisierte Renditen (SPI) über unterschiedliche Laufzeiten

Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Gerade die aktuelle Marktphase erscheint vielen Anlegern äusserst unsicher. Hohe Bewertungen, Inflations- und Zinsängste sowie ein schwacher Start der Börsen ins neue Jahr lassen viele zögern. Unsicherheiten gehören aber zum Investieren, zum Leben. Zudem gibt es verschiedene Möglichkeiten, diese Ungewissheiten zu umgehen. 

Wer einen grösseren Betrag anlegen möchte, sollte dies gestaffelt über einen bestimmten Zeitraum tun. So werden die Einstandskurse geglättet und im Falle einer Korrektur kann das noch nicht investierte Vermögen zu attraktiveren Kursen angelegt werden. Wer bereits an der Börse aktiv ist, dem ist ein regelmässiges Rebalancing zu empfehlen. Das heisst, die Aktienquote, die durch die Börsenentwicklung von der Zielquote abweicht, wird wieder auf die langfristige Quote zurückgeführt. Das hat gleich mehrere Vorteile. Der Investor behält sein Risikobudget im Griff und er verkauft bei hohen Kursen und kauft bei niedrigen. Der vermeintliche Traum eines jeden Investors.

Für Sparer, die sich schrittweise dem Thema Investieren nähern möchten oder solche, die langfristig mit Aktien einen Vermögenaufbau planen, können sich Sparpläne eignen. Dabei wird in regelmässigen Abständen – zum Beispiel monatlich – ein bestimmter Betrag in ein Anlageprodukt, investiert. Emotionen werden so vollständig ausgeschaltet, denn der Anlagedauerauftrag wird automatisch ausgeführt, egal zu welchen Kursen die Börsen gerade handeln.

Für welchen Weg man sich entscheidet ist weniger wichtig, als dass man investiert und so am Aufwärtstrend partizipiert. Denn anders als bei den Skifahrern gewinnt beim Investieren jeder, der lange genug dran bleibt. 

Der CIO erklärt: Was heisst das für Sie als Anleger?

Der Start ins Börsenjahr verlief holprig. Inflationsängste, die Aussicht auf eine deutlich restriktivere Geldpolitik sowie geopolitische Unsicherheiten haben zu Gewinnmitnahmen geführt. Vor allem die teuren und zinssensitiven Wachstumswerte mussten in den ersten Handelswochen deutlich Federn lassen. 

Unsere defensiv ausgerichtete Anlagetaktik hat sich im Januar entsprechend bewährt. Die Volatilität dürfte in den kommenden Wochen anhalten. Kurzfristig ist also weiterhin eine gewisse Vorsicht angezeigt. Anleger sollten sich aber gerade in diesen Marktphasen bewusst machen: Erfolgreiches Anlegen ist ein Marathon und kein Sprint. Der Faktor Zeit ist entscheidend. Wer breit diversifiziert und seinem Risikoprofil entsprechend investiert ist, sollte sich vom täglichen Lärm an den Börsen nicht verunsichern lassen und an seiner Anlagestrategie festhalten. 

Matthias Geissbühler, CIO Raiffeisen Schweiz